Nebius Aktie: Investitionen auf 25 Milliarden Dollar erhöht
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 00:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Sieben Tage, minus 27,55 Prozent. Nebius-Aktionäre erleben gerade eine der heftigsten Korrekturen seit dem Rekordlauf des KI-Cloud-Anbieters. Der Kurs fällt am Dienstag um weitere 6,31 Prozent auf 175,00 Euro und rutscht damit fast 33 Prozent unter sein Rekordhoch von 261,00 Euro vom 22. Juni.
Der Auslöser sitzt tief in der Konkurrenzlandschaft. Berichte, wonach Meta Platforms ein eigenes Cloud-Computing-Geschäft aufbauen will, verunsichern Anleger in der gesamten "Neocloud"-Branche. Nebius zählt zu den Anbietern, die GPU-Rechenleistung für KI-Training vermieten – ein Markt, in dem ein Schwergewicht wie Meta als neuer Wettbewerber schwer wiegt.
Insider-Verkäufe sorgen für Verwirrung
Zusätzlich befeuert eine SEC-Meldung vom 6. Juli die Nervosität. Demnach verkaufte Nebius-Infrastrukturchef Andrey Korolenko am 1. Juli rund 33.871 Class-A-Aktien im Gegenwert von etwa 7,97 Millionen Dollar. Auf den ersten Blick liest sich das nach einem Vertrauensverlust im eigenen Management.
Die Details relativieren den Eindruck allerdings deutlich. Der Verkauf lief automatisch und diente ausschließlich dazu, Steuerabzüge beim Vesting von Restricted Share Units zu decken. Eine feste Vereinbarung im RSU-Vertrag regelt solche Transaktionen im Voraus – Korolenko hatte hier keinen Ermessensspielraum. Auch andere Insider verkauften am selben Tag aus identischem Grund.
Nebius erhöht Investitionen massiv
Während der Kurs taumelt, tritt das Management beim Ausbau aufs Gas. Die Investitionsplanung für 2026 steigt von bisher 16 bis 20 Milliarden Dollar auf nun 20 bis 25 Milliarden Dollar. Das zusätzliche Geld soll Kapazitäten für 2027 aufbauen, die bereits durch Kundenverträge abgesichert sind.
Zur Finanzierung dieser Summe prüft Nebius mehrere Wege gleichzeitig: asset-besicherte Strukturen, klassische Unternehmensanleihen und Vorauszahlungen von Kunden. Das Ziel: Wachstum vorfinanzieren, ohne die Bilanz einseitig zu belasten.
Parallel dazu launcht Nebius den Service Saturn Cloud auf seinem eigenen Marketplace. Nutzer der Nebius AI Cloud können damit Anwendungen künftig per Self-Service bereitstellen, ohne auf individuelle Deployment-Unterstützung zu warten. Der Schritt passt zur strategischen Linie des Unternehmens, sich von reiner GPU-Vermietung weg und hin zu softwarezentrierten Angeboten und KI-Inferenz zu bewegen.
Margen sollen im Jahresverlauf schwanken
Das Management rechnet für 2026 mit spürbaren Schwankungen bei der bereinigten EBITDA-Marge. Im zweiten Quartal dürfte sie sinken, weil Investitionen der Kapazitätsauslastung vorauslaufen. Im dritten Quartal soll sich die Marge erholen, im vierten weiter verbessern, sobald neue Kapazitäten produktiv werden.
An den grundsätzlichen Jahreszielen hält Nebius fest. Die annualisierte Run-Rate-Umsatzprognose bleibt bei 7 bis 9 Milliarden Dollar, der Konzernumsatz soll zwischen 3 und 3,4 Milliarden Dollar liegen. Die bereinigte EBITDA-Marge peilt das Unternehmen bei rund 40 Prozent an.
Trotz der jüngsten Talfahrt steht die Aktie seit Jahresbeginn noch immer 128,76 Prozent im Plus. Der 14-Tage-RSI von 39,7 signalisiert keine überverkaufte Lage, der Kurs notiert aber bereits gut 9 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 192,68 Euro. Ob die milliardenschwere Investitionsoffensive die Wettbewerbssorgen rund um Meta überlagern kann, dürfte sich an den kommenden Quartalszahlen zeigen – insbesondere daran, wie sich die versprochene Margenerholung im dritten Quartal tatsächlich einstellt.
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