Nebius Aktie: 25. August HV entscheidet
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 18:47 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nebius-Aktien fallen am Dienstag auf 158,82 Euro, ein Minus von 3,86 Prozent. Der Kurs liegt damit rund 20 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 198,39 Euro. Grund für die Nervosität: Eine Hauptversammlung, die über weitreichende Kapitalmaßnahmen entscheidet – und Insider, die seit Wochen verkaufen.
Die Talfahrt ist kein Ausrutscher. Seit dem Rekordhoch von 261 Euro im Juni hat die Aktie fast 40 Prozent verloren.
Hauptversammlung mit Sprengkraft
Am 27. Juli hat Nebius Group N.V. seine Aktionäre offiziell zur Hauptversammlung am 25. August in Amsterdam eingeladen. Stichtag für das Stimmrecht ist der 28. Juli – ausgerechnet der Tag, an dem der Markt die Ankündigung verarbeitet.
Auf der Tagesordnung stehen zunächst Routinepunkte: die Feststellung des IFRS-Jahresabschlusses 2025, die Entlastung des Vorstands und die Bestellung des Wirtschaftsprüfers für 2026. Auch die Wiederwahl aller aktuellen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder für ein weiteres Jahr steht an. Das signalisiert Kontinuität in der Führung.
Brisanter sind die Kapitalpunkte. Der Vorstand will sich vom Aktionär grünes Licht holen für die Ausgabe neuer Class-A-Aktien unter Ausschluss des Bezugsrechts, für Aktienrückkäufe und für die Einziehung von 2.243.621 Class-C-Aktien. Damit erhält das Management deutlich mehr Flexibilität bei künftigen Finanzierungen.
Insider verkaufen in großem Stil
Parallel zur HV-Ankündigung rückt das Verkaufsverhalten des Managements in den Fokus. Chairman John Boynton hat am 15. Juli 6.958 Class-A-Aktien veräußert, zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 197 US-Dollar. Der Erlös lag bei rund 1,4 Millionen Dollar.
Der Verkauf lief über einen vorab festgelegten Rule-10b5-1-Handelsplan – keine spontane Entscheidung also, sondern ein automatisierter Mechanismus.
Weit größere Summen bewegen sich bei CEO, CTO und Chief Infrastructure Officer. Verschiedene Datenanbieter kommen hier auf sehr unterschiedliche Werte: Eine Quelle beziffert die Insider-Verkäufe der vergangenen 90 Tage auf mehr als 140 Millionen Dollar, ein anderer Dienst zählt 33 Transaktionen mit einem Nettovolumen von rund 27,8 Millionen Dollar. Die Differenz erklärt sich durch unterschiedliche Methodik und Zeitfenster, nicht durch widersprüchliche Fakten.
Nicht jeder Verkauf ist dabei diskretionär. CEO Arkadiy Volozh hat am 1. Juli 46.627 Class-A-Aktien automatisch veräußert – ausgelöst durch die Vesting-Bedingungen von Restricted Share Units, um Steuerabzüge zu decken. Eine eigene Verkaufsentscheidung lag laut Meldung nicht vor.
Nvidias Beteiligung genauer betrachtet
Auch Nvidias Position in Nebius hat sich in aktuellen Meldungen präzisiert. Der Chiphersteller hält demnach wirtschaftlich 22.256.412 Nebius-Aktien. Davon befinden sich nur 1.190.476 Aktien tatsächlich im direkten Besitz, der Rest von 21.065.936 Aktien läuft über einen vorfinanzierten Warrant.
Für Anleger ist das ein wichtiges Detail. Es zeigt, wie viel von Nvidias gemeldeter 9,3-Prozent-Beteiligung frisches Kapital ist – und wie viel bereits zuvor strukturiert war.
Bauprogramm frisst Kapital
Die Kapitalfragen der Hauptversammlung fallen in eine Phase aggressiver Investitionen. Zum 31. März verfügte Nebius über eine Barreserve von 9,3 Milliarden Dollar, nachdem im ersten Quartal 6,3 Milliarden Dollar frisches Kapital eingesammelt wurden. Für 2026 plant das Unternehmen Investitionsausgaben zwischen 20 und 25 Milliarden Dollar, allein im ersten Quartal flossen bereits 2,5 Milliarden Dollar.
Um die Abhängigkeit von neuen Aktienausgaben zu senken, hat sich Nebius im Juli zusätzlich eine Kreditlinie über 775 Millionen Dollar gesichert. Sie läuft zu SOFR plus 2,50 Prozent und bis 2030 – ein Volumen, das die kompletten Investitionskosten eines vertraglich gebundenen GPU-Ausbaus abdeckt.
Die Aktie notiert derzeit mit einem RSI von 40,9 in charttechnisch angeschlagenem Terrain. Am 25. August entscheidet sich, ob die Aktionäre dem Vorstand die beantragte Flexibilität bei Aktienausgabe und der Einziehung der Class-C-Aktien geben. Der Ausgang der Abstimmung dürfte zeigen, ob der Markt die geplante Kapitalstruktur als Zeichen von Stärke oder als Vorbereitung auf weitere Verwässerung liest.
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