National Western Life-Aktie (US6385171029): Nach Übernahmeofferte im Fokus – was Anleger jetzt wissen sollten
16.05.2026 - 04:59:49 | ad-hoc-news.deDie Aktie von National Western Life steht seit einer im Herbst 2023 angekündigten Übernahmeofferte verstärkt im Blick institutioneller und privater Investoren. Der US-Lebensversicherer mit Sitz in Austin, Texas, soll laut einer Mitteilung vom 09.10.2023 zu rund 1,9 Milliarden US-Dollar von dem Investor Global Atlantic übernommen werden, wie aus Unternehmensangaben hervorgeht, die von der zuständigen Investor-Relations-Webseite veröffentlicht wurden, Stand 10.10.2023. Für die Stammaktien ist ein Barangebot von 500 US-Dollar je Anteil vorgesehen, wobei der Vollzug unter anderem noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen steht.
Am 15.05.2026 notierte die National Western Life-Aktie im US-Handel unter dem Niveau des ursprünglich kommunizierten Angebotspreises, was den Markt nach wie vor über die Wahrscheinlichkeit und den zeitlichen Horizont eines Vollzugs spekulieren lässt, wie Kursdaten von Finanzportalen zeigen, Stand 15.05.2026. Für Anleger, die sich mit dem Geschäftsmodell eines spezialisierten Lebensversicherers beschäftigen wollen, bleibt der Titel damit ein Beispiel dafür, wie stark Übernahmespekulationen, regulatorische Prozesse und Zinsumfeld die Bewertung eines Versicherungsunternehmens prägen.
Stand: 16.05.2026
Von der Redaktion - spezialisiert auf Aktienberichterstattung.
Auf einen Blick
- Name: National Western Life
- Sektor/Branche: Versicherungen, Lebensversicherung
- Sitz/Land: Austin, Texas, USA
- Kernmärkte: USA sowie ausgewählte internationale Märkte in Lateinamerika und Asien laut Unternehmensangaben
- Wichtige Umsatztreiber: Lebens- und Rentenversicherungen, Zins- und Kapitalanlageergebnis
- Heimatbörse/Handelsplatz: Nasdaq, Ticker NWLI
- Handelswährung: US-Dollar
National Western Life: Kerngeschäftsmodell
National Western Life ist ein US-amerikanischer Lebensversicherer, der sich vor allem auf traditionelle Lebensversicherungen, Rentenprodukte und damit verbundene Vorsorgelösungen konzentriert. Das Unternehmen adressiert sowohl Privatkunden als auch bestimmte Zielgruppen im internationalen Bereich, insbesondere in Ländern Lateinamerikas und ausgewählten Regionen Asiens, wie aus Geschäftsberichten hervorgeht, die auf der Investor-Relations-Seite abrufbar sind, Stand 2024. Das Geschäftsmodell zielt darauf ab, langfristige Versicherungspolicen zu verkaufen, bei denen Kundinnen und Kunden regelmäßige Prämien zahlen und im Gegenzug Schutz- und Auszahlungsversprechen erhalten.
Ein zentraler Bestandteil der Wertschöpfung ist die Fähigkeit des Unternehmens, die vereinnahmten Prämien am Kapitalmarkt zu investieren und über viele Jahre hinweg Erträge zu erwirtschaften. Die Differenz zwischen den garantierten Zusagen an die Versicherungsnehmer und der tatsächlichen Kapitalrendite bildet einen wesentlichen Ertragshebel im Ergebnis eines Lebensversicherers. National Western Life arbeitet traditionell mit einem konservativen Anlageprofil, das stark auf festverzinsliche Wertpapiere, Hypotheken und andere zinstragende Anlagen ausgerichtet ist, wie aus den Erläuterungen zu den Anlageportfolios in den veröffentlichten Jahresberichten hervorgeht, Stand 2023.
Die Produkte von National Western Life reichen von klassischen Risikolebensversicherungen über kapitalbildende Lebensversicherungen bis hin zu festverzinslichen und indexgebundenen Rentenprodukten. Vor allem die indexgebundenen Produkte verknüpfen die Verzinsung mit ausgewählten Aktienindizes, während gleichzeitig bestimmte Garantien gewährt werden. Dadurch können Kundinnen und Kunden an einem Teil der Kapitalmarktentwicklung teilhaben, ohne das vollständige Risiko eines direkten Aktieninvestments tragen zu müssen. Das Unternehmen erhält dafür Kosten- und Risikomargen, die sich in den langfristigen Erträgen widerspiegeln.
Die regionale Diversifikation ist ein weiterer Baustein des Geschäftsmodells. National Western Life vertreibt einen Teil seiner Policen über Broker und Agenten im Ausland, vor allem in Ländern, in denen US-Dollar-basierte Produkte mit langfristigen Garantien gefragt sind. Dieses Auslandsgeschäft war in der Vergangenheit ein bedeutender Umsatz- und Ergebnistreiber, zugleich aber auch mit regulatorischen und währungsbedingten Risiken verbunden, wie aus den Risikohinweisen in den Geschäftsberichten hervorgeht, Stand 2022. Die Überwachung der lokalen Regeln und die Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern vor Ort sind deshalb ein dauerhafter Schwerpunkt im Geschäftsmodell.
Für Versicherer wie National Western Life ist das Zinsumfeld ein struktureller Faktor. In Phasen sehr niedriger Zinsen wird es schwieriger, garantierte Leistungen profitabel zu refinanzieren, während steigende Zinsen sowohl Chancen für höhere künftige Anlageerträge als auch Risiken für die Bewertung bestehender Portfolios mit sich bringen. In den Jahren 2022 und 2023 haben die in den USA stark angehobenen Leitzinsen das Umfeld spürbar verändert, wie aus Marktkommentaren und den Zinsstatistiken der US-Notenbank hervorgeht, Stand 2023. Für Lebensversicherer bedeutet das eine Anpassung der Produktkonditionen, der Anlagestrategie und der bilanziellen Bewertung von Verpflichtungen.
Wichtigste Umsatz- und Produkttreiber von National Western Life
Die Umsatzentwicklung von National Western Life hängt im Kern von drei Faktoren ab: dem Neugeschäft mit Policen, der Stornoquote vorhandener Verträge und dem Kapitalanlageergebnis. Im Neugeschäft sind vor allem der Vertriebskanal, die Preisgestaltung und die Attraktivität der Produkte im jeweiligen Zins- und Wettbewerbsumfeld entscheidend. Der Lebensversicherer arbeitet mit unabhängigen Vermittlern und Agenten zusammen, die Kunden im In- und Ausland ansprechen. Eine hohe Vertriebskraft kann das Volumen der gezeichneten Policen deutlich steigern, während schwächere Vertriebsphasen schnell in rückläufigen Beitragseinnahmen münden.
Die Stornoquote gibt an, wie viele Kundinnen und Kunden bestehende Verträge kündigen oder beitragsfrei stellen. Für National Western Life ist eine stabile oder sinkende Stornoquote vorteilhaft, da langfristig laufende Verträge eine bessere Deckung der Abschlusskosten und stabilere Erträge ermöglichen. In Perioden höherer Zinsen kann es jedoch vorkommen, dass Versicherungsnehmer Policen auflösen, um Gelder anderweitig anzulegen, was die Bestandsentwicklung belastet. Die Berichte des Unternehmens weisen regelmäßig auf das Management dieses Risikos hin, etwa durch Produktdesign, Kundenkommunikation und die Ausgestaltung von Rückkaufswerten.
Das Kapitalanlageergebnis ist bei National Western Life, wie bei anderen Lebensversicherern, eng mit der strategischen Asset Allocation verbunden. Ein hoher Anteil an Investment-Grade-Anleihen mit längeren Laufzeiten soll stabile Zinserträge sichern. Gleichzeitig muss der Versicherer auf die sogenannte Asset-Liability-Management-Perspektive achten, also die Abstimmung von Anlageprofil und Verpflichtungen aus den Policen. Veränderte Renditeniveaus, Kreditspreads und Bewertungsabschläge können die Ergebnissituation daher kurzfristig beeinflussen, auch wenn das Geschäftsmodell langfristig ausgelegt ist.
Ein spezieller Produkttreiber bei National Western Life sind indexgebundene Renten- und Lebensversicherungen, bei denen Kundinnen und Kunden eine Rendite erhalten, die an einen Referenzindex gekoppelt ist, während bestimmte Mindestgarantien bestehen. Das Unternehmen verdient an diesen Produkten durch Spreads, Gebühren und die Gestaltung der Partizipationsraten. Gleichzeitig entstehen aus den zur Absicherung genutzten Derivaten Marktpreisrisiken, deren Management in den Berichten hervorgehoben wird. Für Anleger sind diese Produkte interessant, weil sie ein Mix aus Sicherheitselementen und potenzieller Mehrertragschance darstellen, der vor allem in schwankungsreichen Marktphasen gefragt sein kann.
Hinzu kommt, dass die demografische Entwicklung in vielen Kernmärkten langfristig für eine stabile Nachfrage nach lebenslangen Renten- und Versicherungsleistungen sorgt. Alternde Bevölkerungen, Versorgungslücken in der staatlichen Altersvorsorge und das Bedürfnis nach langfristiger Planungssicherheit begünstigen strukturell die Nachfrage nach Lebensversicherungsprodukten. National Western Life positioniert sich hier als Anbieter mit traditionellem Fokus und betont in seinen Veröffentlichungen die langfristige Ausrichtung des Geschäftsmodells. Für Aktionäre bedeutet dies, dass kurzfristige Schwankungen durch Zins- und Markteffekte immer im Kontext eines über Jahrzehnte laufenden Geschäfts betrachtet werden müssen.
Übernahmeofferte als Kurstreiber und Bewertungsanker
Ein besonders wichtiger Katalysator für die National Western Life-Aktie war die im Oktober 2023 angekündigte Übernahmeoffer von Global Atlantic. Der im Bereich Lebensversicherung und Rückversicherung aktive Investor, der wiederum zu einem großen US-Finanzkonzern gehört, erklärte in einer Mitteilung, man wolle National Western Life vollständig übernehmen und von der Börse nehmen. Der angebotene Kaufpreis von 500 US-Dollar je Aktie wurde dabei als Aufschlag auf den zuvor gehandelten Kurs ausgewiesen, wie aus der offiziellen Bekanntmachung hervorgeht, die über eine Pressemitteilung des Unternehmens verbreitet wurde, Stand 09.10.2023.
Für die Bewertung an der Börse wirkt die Offerte seither wie ein Referenzpunkt. Solange die Transaktion noch nicht vollzogen ist, bleibt jedoch ein sogenannter Deal-Spread bestehen: Die Aktie handelt meist mit Abschlag auf den angebotenen Preis, was Ausdruck der vom Markt unterstellten Unsicherheit über den Vollzug ist. Gründe dafür können regulatorische Bedingungen, potenzielle Verzögerungen oder die Möglichkeit sein, dass eine der Parteien von vertraglichen Ausstiegsklauseln Gebrauch macht. Bei Transaktionen im Versicherungssektor müssen verschiedene Aufsichtsbehörden zustimmen, was die Planbarkeit zeitlich erschwert.
In den Quartals- und Jahresberichten nach der Ankündigung der Transaktion arbeitet National Western Life die Fortschritte im Genehmigungsprozess regelmäßig auf und verweist auf die noch ausstehenden Freigaben bestimmter Aufsichtsbehörden, wie aus den SEC-Einreichungen hervorgeht, Stand 2024. Solange die Transaktion nicht abgeschlossen ist, wird das Unternehmen weiterhin eigenständig geführt, und die Geschäftsentwicklung fließt in die Bewertung der Aktie ein. Sollte der Vollzug gelingen, erhalten die Aktionäre den vereinbarten Kaufpreis, während bei einem Scheitern der Deal als Bewertungsanker wegfallen könnte und die Aktie wieder stärker an den fundamentalen Kennzahlen gemessen würde.
Für Anleger ist diese Konstellation typisch für sogenannte Merger-Arbitrage-Situationen. Einige Marktteilnehmer versuchen, aus dem Abstand zwischen aktuellem Kurs und Angebotspreis Rendite zu erzielen, während andere Investoren eher auf eine langfristige Fortführung des Unternehmens als eigenständiger Lebensversicherer setzen oder auf eine mögliche Nachbesserung der Offerte spekulieren. Letztere sind allerdings Spekulationen, die nicht durch belastbare Fakten gestützt sind und in der öffentlichen Kommunikation des Unternehmens keine Grundlage finden. Für eine sachliche Einordnung bleibt deshalb entscheidend, die offiziellen Unterlagen, insbesondere Fusionsvereinbarungen und Behördenmitteilungen, im Auge zu behalten.
Jüngste Geschäftsentwicklung und Kennzahlen
In seinen zuletzt veröffentlichten Jahres- und Quartalsberichten legt National Western Life Kennzahlen zu Beitragseinnahmen, Nettoergebnis und Kapitalanlageerträgen offen. So berichtete das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2023, das am 31.12.2023 endete, einen deutlichen Einfluss des veränderten Zinsumfelds auf die Bewertung von Anleiheportfolios und Rückstellungen, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, der im Frühjahr 2024 publiziert wurde. Gleichzeitig wurde auf einen robusten Verlauf des Neugeschäfts in ausgewählten Produktsegmenten hingewiesen, auch wenn der Wettbewerb im US-Lebensversicherungsmarkt unverändert intensiv blieb.
Bei der Interpretation der Zahlen ist zu beachten, dass die US-Versicherungsbilanzierung sich von europäischen Standards unterscheidet und bestimmte Effekte aus Zinsänderungen und Kapitalmarktbewegungen in den Ergebnissen sichtbar werden, die das wirtschaftliche Bild nur eingeschränkt widerspiegeln. National Western Life erläutert in seinen Berichten, wie sich diese Effekte auf Eigenkapital, Gewinn und buchhalterische Rückstellungen auswirken und welche alternativen Kennzahlen genutzt werden, um die operative Ertragskraft zu beurteilen. Dazu zählen etwa Berechnungen sogenannter Kerngewinne oder Adjustierungen um nicht realisierte Bewertungsgewinne und -verluste.
Die Solvabilität, also die Kapitalausstattung im Verhältnis zu den eingegangenen Verpflichtungen, ist für Lebensversicherer eine zentrale Größe. National Western Life berichtet hierzu über regulatorische Kapitalquoten und die Zusammensetzung des Eigenkapitals. Ein solider Kapitalpuffer ist Voraussetzung dafür, dass Aufsichtsbehörden einer Übernahme zustimmen und dass das Unternehmen auch unter Stressszenarien seine Verpflichtungen gegenüber den Versicherungsnehmern erfüllen kann. Die Ratingagenturen beobachten diese Kennzahlen aufmerksam, auch wenn National Western Life in globalen Ratings im Vergleich zu sehr großen Versicherungsgruppen eine eher spezialisierte Rolle einnimmt.
In den jüngsten Quartalsberichten betont das Management zudem die Bedeutung von Kostenkontrolle und Effizienzsteigerung. Versicherer mit schlanker Kostenbasis können ihre Produkte preislich attraktiver gestalten oder höhere Margen erwirtschaften. Digitalisierung, Prozessoptimierung und Investitionen in IT-Systeme sind hier wichtige Hebel. National Western Life hat in den vergangenen Jahren in die Modernisierung seiner Systeme investiert, um die Verwaltung von Policen, die Risikomodellierung und den Vertrieb zu unterstützen. Konkrete Investitionssummen und Zeitpläne werden in den Berichten genannt und zeigen die strategische Ausrichtung auf langfristiges, technologiebasiertes Wachstum.
Relevanz für deutsche Anleger und Handelsperspektiven
Obwohl National Western Life ein US-Unternehmen ist, können auch deutsche Anleger an der Kursentwicklung teilhaben, etwa über den Handel der Aktie an internationalen Börsenplätzen, die über deutsche Broker zugänglich sind. Viele Online-Banken und Neobroker ermöglichen inzwischen den Handel von US-Werten in Euro oder direkt in US-Dollar, wobei jedoch Währungsrisiken zu berücksichtigen sind. Die Heimatnotierung von National Western Life an einem US-Handelsplatz führt dazu, dass die Haupthandelszeiten sich an der Wall Street orientieren, was bei der Orderplatzierung aus europäischer Sicht beachtet werden sollte.
Für Anleger in Deutschland kann der Titel vor allem aus zwei Gründen interessant sein: zum einen als Beispiel für einen kleineren, fokussierten Lebensversicherer aus den USA, der sich von den großen, breit diversifizierten Versicherungsgruppen unterscheidet. Zum anderen, weil die Übernahmeofferte einen konkreten Referenzpunkt für die Bewertung liefert, auch wenn deren Vollzug nicht garantiert ist. Im Unterschied zu DAX-notierten Versicherern wie Allianz oder Munich Re ist National Western Life eher als Nischenwert einzustufen, der im europäischen Anlegerfokus weniger stark vertreten ist.
Wichtig ist zudem der Blick auf steuerliche und regulatorische Rahmenbedingungen. Dividenden aus US-Aktien unterliegen aus deutscher Sicht regelmäßig der US-Quellensteuer, die teilweise auf die deutsche Steuer anrechenbar sein kann. Auch Kapitalgewinne aus der Veräußerung der Aktie unterliegen der in Deutschland geltenden Abgeltungsteuer. Anleger sollten daher die steuerliche Behandlung mit ihrem Steuerberater klären, da individuelle Umstände eine Rolle spielen können. Zudem spielen Unterschiede in Rechnungslegung, Offenlegungspflichten und Corporate Governance zwischen den USA und Deutschland eine Rolle bei der Risikoeinschätzung.
Branchentrends: Lebensversicherung im Zins- und Demografieumfeld
Die Branche, in der National Western Life tätig ist, steht weltweit vor ähnlichen Herausforderungen und Chancen. Die demografische Alterung in vielen entwickelten Volkswirtschaften erhöht die Nachfrage nach verlässlicher Altersvorsorge und lebenslangen Renten. Gleichzeitig sinkt das Vertrauen in ausschließlich staatlich organisierte Systeme, und private Vorsorge gewinnt an Bedeutung. Lebensversicherer konnten über Jahrzehnte mit langfristigen Garantiezinsen punkten, die in Niedrigzinsphasen jedoch nur schwer aufrechtzuerhalten waren. Mit dem globalen Zinsanstieg seit 2022 hat sich dieses Umfeld erneut gewandelt, was sowohl Chancen als auch Risiken mit sich bringt.
Für Anbieter wie National Western Life bedeutet ein höheres Zinsniveau, dass neue Policen mit attraktiveren Garantiezinsen kalkuliert werden können, ohne die Profitabilität zu stark zu belasten. Gleichzeitig stehen Altbestände unter Bewertungsdruck, weil Anleiheportfolios, die in der Niedrigzinsphase aufgebaut wurden, im Vergleich zu neuen Anlagen geringere Renditen liefern und in den Bilanzen teilweise mit Abschlägen bewertet werden. Wie gut ein Versicherer diesen Übergang meistert, hängt sowohl von der Asset-Liability-Steuerung als auch von der Flexibilität der Produktpalette ab.
Ein weiterer Branchentrend ist die zunehmende Nutzung von Rückversicherungs- und Kapitalmarktstrukturen zur Steuerung von Risiken und Kapitalanforderungen. Transaktionen, bei denen Bestände an Rückversicherer ausgelagert oder über spezielle Vehikel refinanziert werden, haben in Nordamerika zugenommen. Der geplante Zusammenschluss von National Western Life mit einem Investor aus dem Rückversicherungs- und Lebensversicherungsbereich passt in diesen Trend. Ziel solcher Transaktionen ist häufig, Kapital effizienter zu nutzen, Skaleneffekte zu heben und Investoren einen stabileren Cashflow zu bieten.
Digitalisierung und Kundenerwartungen verändern die Branche zusätzlich. Viele Kunden erwarten einfach zugängliche Online-Informationen, digitale Abschlussstrecken und transparente Produktvergleiche. Lebensversicherer, die historisch stark auf persönliche Beratung und Papierprozesse gesetzt haben, müssen ihre IT-Systeme modernisieren und neue Kommunikationskanäle erschließen. National Western Life arbeitet laut Unternehmensangaben an der Verbesserung digitaler Schnittstellen und der Automatisierung bestimmter Verwaltungsprozesse, um effizienter zu werden und neue Kundengruppen anzusprechen. Diese Entwicklungen sind langfristig relevant, auch wenn sie im kurzfristigen Zahlenset wenig sichtbar sind.
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Risiken und offene Fragen
National Western Life ist mit einer Reihe von Risiken konfrontiert, die für Anleger bedeutsam sind. Neben dem allgemeinen Markt- und Zinsrisiko ist das regulatorische Umfeld zentral. Lebensversicherer unterliegen umfangreichen Kapitalanforderungen, Berichtspflichten und Produktregeln. Änderungen in der Regulierung können Auswirkungen auf Kapitalquoten, Produktgestaltung und Profitabilität haben. Der laufende Genehmigungsprozess für die geplante Übernahme ist ebenfalls regulatorisch geprägt. Verzögerungen oder zusätzliche Auflagen könnten den Zeitplan verschieben oder die Attraktivität der Transaktion beeinflussen.
Ein weiteres Risiko liegt im versicherungstechnischen Bereich, also in der tatsächlichen Sterblichkeit, Langlebigkeit und Morbidität der Versicherten im Vergleich zu den angenommenen Erfahrungswerten. Steigt etwa die Lebenserwartung stärker als kalkuliert oder treten unerwartete gesundheitliche Ereignisse in bestimmten Kundengruppen auf, kann dies die Schadenlast erhöhen. Versicherer wie National Western Life versuchen, diese Risiken durch konservative Kalkulation, Rückversicherung und kontinuierliche Beobachtung der Erfahrungswerte zu steuern. Dennoch bleibt eine Restunsicherheit, die insbesondere bei langlaufenden Verträgen ins Gewicht fallen kann.
Hinzu kommen operationelle Risiken, etwa aus IT-Systemen, Cyberangriffen oder Prozessfehlern. Da Lebensversicherer große Datenmengen zu sensiblen persönlichen und finanziellen Informationen verwalten, sind sie potenziell ein Ziel für Cyberkriminalität. National Western Life verweist in seinen Berichten auf Maßnahmen im Bereich Informationssicherheit, Business-Continuity-Management und interne Kontrollen. Absolute Sicherheit existiert jedoch nicht, und erfolgreiche Angriffe könnten sowohl finanzielle Schäden als auch Reputationsverluste nach sich ziehen.
Schließlich ist die Frage offen, wie sich die Wettbewerbssituation in den Kernmärkten langfristig entwickelt. Große Versicherungsgruppen, spezialisierte Rückversicherer und kapitalstarke neue Player drängen in das Geschäft mit Lebens- und Rentenversicherungen. Sie bringen teils erhebliche Skalenvorteile und digitale Kompetenzen mit. Für National Western Life bleibt die Fähigkeit entscheidend, seine Nische zu verteidigen, attraktive Produkte anzubieten und gleichzeitig profitabel zu arbeiten. Sollte die geplante Übernahme vollzogen werden, würde die künftige Strategie maßgeblich vom neuen Eigentümer abhängen, was für heutige Minderheitsaktionäre eine gewisse Planungsunsicherheit bedeutet.
Fazit
National Western Life steht als spezialisierter US-Lebensversicherer derzeit im Spannungsfeld zwischen laufendem Kerngeschäft und der im Oktober 2023 vereinbarten Übernahmeofferte durch einen Finanzinvestor. Die Offerte setzt einen klaren Bewertungsanker, doch bleibt der Vollzug an regulatorische und vertragliche Bedingungen geknüpft. Das Kerngeschäft basiert auf langfristigen Lebens- und Rentenversicherungen, deren Ertragsprofil stark von Zinsniveau, Kapitalanlageerfolg und Kundenverhalten abhängt. Für deutsche Anleger, die Zugang zu US-Märkten haben, ist die Aktie ein Beispiel dafür, wie strukturelle Branchentrends, Übernahmesituationen und regulative Rahmenbedingungen zusammenspielen. Ob der Fokus eher auf dem potenziellen Übernahmepreis oder der langfristigen Entwicklung des Versicherungsmodells liegt, hängt stark vom individuellen Anlagehorizont und der Risikoneigung ab.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien sind volatile Finanzinstrumente.
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