NASDAQ, Halbleiter

NASDAQ 100: Halbleiter rutschen in Bärenmarkt

Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Halbleiterwerte stürzen ab, belastet durch schwache Prognosen und das starke chinesische KI-Modell Kimi K3.

NASDAQ 100: Schwere Verluste durch Chipkrise und China-Konkurrenz
Ein stilisierter Halbleiterchip, der Risse zeigt, vor einem dunklen Hintergrund, der einen Bärenmarkt symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der NASDAQ 100 hat eine verlustreiche Handelswoche hinter sich, in der insbesondere die Halbleiterbranche massiv unter Druck geriet. Ein Zusammenspiel aus enttäuschenden Unternehmensprognosen, geopolitischen Sorgen und dem Erstarken chinesischer Konkurrenz im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) löste bei den Anlegern eine Verkaufswelle aus. Während der Index in den vergangenen Monaten von der Euphorie um neue Technologien profitierte, rückten nun Bewertungsfragen und operative Risiken in den Vordergrund.

Der Halbleiter-Sektor gerät ins Trudeln

Massive Abgaben bei den Schwergewichten der Chip-Industrie bildeten den Kern der Marktschwäche. Der PHLX Semiconductor Index (SOX) verzeichnete im Juli einen Rückgang von über 18 Prozent und bestätigte damit den Eintritt in einen Bärenmarkt, da er mehr als 20 Prozent unter sein Rekordhoch vom 22. Juni fiel. Laut Medienberichten war dies der stärkste wöchentliche Rückgang des Branchenbarometers seit über einem Jahr. Insbesondere Titel wie Nvidia, Intel und Applied Materials verbuchten zum Wochenschluss deutliche Kursverluste.

Obwohl TSMC für das zweite Quartal einen Gewinnsprung von 77,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr meldete, konnten diese Rekordzahlen die Stimmung nicht aufhellen. Die Aktien des Halbleiter-Riesen fielen deutlich, da Investoren besorgt auf die Margenausblicke für das dritte Quartal und die massiv steigenden Investitionsausgaben blickten. TSMC plant zusätzliche Investitionen in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar in Arizona, was das gesamte Engagement in den USA auf 265 Milliarden US-Dollar erhöht. Parallel dazu wiesen Analysten von Goldman Sachs auf einen Aufbau von Hebelpositionen im Markt hin, was die Volatilität zusätzlich verstärkte.

Konkurrenz aus China und gedämpfte Ausblicke

Ein weiterer Belastungsfaktor war die Vorstellung des neuen KI-Modells Kimi K3 durch das chinesische Startup Moonshot AI. Mit 2,8 Billionen Parametern handelt es sich um das weltweit größte quelloffene Modell, das in Benchmarks teilweise etablierte US-Systeme wie Claude von Anthropic oder GPT von OpenAI übertraf. Wie Nikkei Asia berichtet, schürte dieser technologische Vorstoß Sorgen über die künftige Dominanz US-amerikanischer Tech-Konzerne und führte zu Gewinnmitnahmen im Sektor.

Abseits der Hardware-Hersteller belastete die Prognose von Netflix das Sentiment. Der Streaming-Dienst verfehlte beim Umsatz für das zweite Quartal mit 12,56 Milliarden US-Dollar knapp die Erwartungen und enttäuschte den Markt mit einem vorsichtigen Ausblick auf das dritte Quartal. Die Aktie von Netflix verlor daraufhin am Freitag rund 7,3 Prozent an Wert. JPMorgan riet Anlegern dennoch dazu, Rücksetzer im Chip-Sektor für Käufe zu nutzen, da der KI-Zyklus bis weit in das Jahr 2028 intakt bleiben dürfte.

Makroökonomische Faktoren und technisches Bild

Zusätzlicher Gegenwind kam von der geldpolitischen Seite. Fed-Vizechef Jefferson signalisierte in einer Stellungnahme, dass die Zinssätze möglicherweise weiter steigen müssten, sollte die Inflation hartnäckig bleiben. Dies dämpfte die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen, während die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im September zuletzt auf etwa 52 Prozent taxiert wurde. Inmitten dieser Unsicherheiten suchten Investoren Schutz in Energie-Aktien, die von steigenden Ölpreisen aufgrund von Spannungen zwischen den USA und dem Iran profitierten.

Der NASDAQ 100 markierte am Freitag einen Schlusskurs von 28.592,66 Punkten. Trotz der jüngsten Korrekturbewegung beläuft sich das Plus seit Jahresanfang (YTD) auf 13,28 Prozent. Durch die jüngsten Abgaben vergrößerte sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch auf -7,05 Prozent. Marktbeobachter von OANDA wiesen darauf hin, dass die Unterstützung bei 28.200 Punkten nun entscheidend sei, um eine mehrwöchige Korrekturphase zu verhindern. In der kommenden Woche rücken die Quartalsberichte von Alphabet und Tesla in den Fokus der Marktteilnehmer.

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