NASDAQ, Asien

NASDAQ 100: Asien zieht Tech in die Tiefe

23.06.2026 - 19:10:02 | boerse-global.de

Der Nasdaq 100 verliert über zwei Prozent, angetrieben von Gewinnmitnahmen bei KI-Werten und Zinssorgen.

NASDAQ 100: Asiatischer Verkaufsdruck trifft Tech-Werte hart
NASDAQ - Abstrakte Darstellung fallender Tech-Aktienkurse, beeinflusst von asiatischen Märkten, mit kühlen Farbtönen und einem Abwärtstrend. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein Verkaufsschwall aus Asien hat den Nasdaq 100 am Dienstag hart erwischt. Zwischenzeitlich brach der Index um 3,4 Prozent ein — das Intraday-Tief fiel auf das Niveau vom 12. Juni zurück. Zum Handelsschluss stabilisierte sich die Lage etwas, das Minus verblieb aber bei rund 2,4 Prozent auf etwa 29.600 Punkte.

Gewinnmitnahmen entfachen die Verkaufswelle

Auslöser war eine Verkaufswelle bei Technologiewerten in Asien. Besonders hart traf es den südkoreanischen Markt, wo der Handel vorübergehend ausgesetzt wurde. Die Rückkoppelung auf US-Tech war unmittelbar: Halbleiterwerte wie Intel, Marvell und Applied Materials verloren bis zu 8,5 Prozent. Micron Technology, dessen Quartalsbericht nach Börsenschluss am Mittwoch erwartet wird, büßte knapp zehn Prozent ein — das Papier hatte sich seit Jahresbeginn in der Spitze mehr als vervierfacht.

Hinter der Bewegung steckt mehr als ein einzelner Auslöser. Fondsmanagerin Jian Shi Cortesi von Gam Investment Management formulierte es klar: Wer mit KI-Aktien hohe Gewinne angehäuft hat, braucht wenig Unsicherheit, um Positionen zu reduzieren. Kein Wunder, dass die Stimmung so schnell kippt.

Fed-Kurs und Iran-Verhandlungen als Hintergrundrisiken

Hinzu kommt ein verändertes Zinsumfeld. Händler rechnen mittlerweile mit Leitzinserhöhungen von insgesamt 50 Basispunkten bis Dezember — vor zwei Wochen waren es noch 25 Basispunkte. Fed-Chef Kevin Warsh hatte vergangene Woche unmissverständlich auf Preisstabilität als vorrangiges Ziel hingewiesen. Die US-Inflation liegt derzeit bei 4,2 Prozent und soll nach Einschätzung der Notenbank auf hohem Niveau bleiben. Für Technologiewerte ist das strukturell belastend: Höhere Zinsen drücken den Barwert künftiger Gewinne — genau jener Gewinne, auf die der KI-Boom abzielt.

Fortschritte in den US-iranischen Nuklearverhandlungen brachten kaum Entlastung. Analyst Fabien Yip von IG International verwies auf weiterhin fundamentale Differenzen bei der Auslegung des Rahmenabkommens.

Micron als nächster Stresstest

Der S&P 500 hielt sich deutlich besser und schloss nahezu unverändert, der Dow Jones gab nur minimal nach. Das zeigt: Der heutige Druck traf den Tech-Komplex gezielt, nicht den Gesamtmarkt. Sechs der sieben „Magnificent Seven" standen im Minus, darunter Alphabet mit minus 2,1 Prozent, Nvidia mit minus 3 Prozent und Tesla mit minus 3 Prozent.

Wie belastbar die KI-Rally grundsätzlich ist, könnte sich schon morgen zeigen. Microns Quartalszahlen gelten als erster großer Test, ob der Aufschwung im Bereich Künstliche Intelligenz noch fundamentale Substanz hat — oder ob die bisherigen Kursgewinne der Branche mehr Erwartung als Realität widerspiegeln.

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