Nahrungsergänzungsmittel, Milliardenmarkt

Nahrungsergänzungsmittel: Milliardenmarkt mit zweifelhaftem Nutzen

28.02.2026 - 00:00:17 | boerse-global.de

Trotz eines Marktvolumens von 4,28 Milliarden Euro warnen Mediziner vor mangelndem Nutzen und Gesundheitsgefahren. Neue EU-Höchstmengen sollen 2026 für mehr Sicherheit sorgen.

Nahrungsergänzungsmittel: Milliardenmarkt mit zweifelhaftem Nutzen - Foto: über boerse-global.de
Nahrungsergänzungsmittel: Milliardenmarkt mit zweifelhaftem Nutzen - Foto: über boerse-global.de

Nahrungsergänzungsmittel boomen, doch Experten warnen vor den Risiken. Auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin präsentierten Mediziner kürzlich ernüchternde Daten zum tatsächlichen Nutzen der beliebten Pillen und Pulver. Zeitgleich veröffentlichte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eindringliche Warnungen vor gesundheitlichen Gefahren.

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4,28 Milliarden Euro Umsatz – aber kein Wundermittel

Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel verzeichnet Rekordumsätze. Zwischen Anfang 2024 und Anfang 2025 stieg der Umsatz in Apotheken, Drogerien und Supermärkten um knapp zehn Prozent auf rund 4,28 Milliarden Euro. Laut Verbraucherzentralen greifen 77 Prozent der Bevölkerung regelmäßig zu solchen Präparaten.

Doch viele Konsumenten irren sich über deren Status. Die Hälfte der Nutzer glaubt fälschlicherweise, die Produkte würden vor dem Verkauf auf Unbedenklichkeit geprüft. Knapp ein Viertel hält sie für eine Art natürliches Arzneimittel. Dabei sind sie rechtlich nur Lebensmittel.

Auf dem Krebskongress erteilten Experten diesen Hoffnungen eine klare Absage. Die Onkologin Professor Jutta Hübner betonte: Eine ausgewogene Ernährung mit Obst und Gemüse sei nicht durch Tabletten zu ersetzen. Die wissenschaftliche Basis für die Einnahme vieler Präparate, besonders in der Krebsnachsorge, sei äußerst mangelhaft.

BfR warnt vor gefährlichen Überdosierungen

Neben dem fehlenden Nutzen rücken direkte Gesundheitsrisiken in den Fokus. Ende Februar 2026 warnte das BfR explizit vor hochdosierten Vitamin-D-Stoßtherapien. Solche Einnahmen im Abstand von Tagen oder Wochen bergen erhebliche Gefahren. Auch die Wirkung von Kombinationspräparaten mit Vitamin K2 ist kaum erforscht.

Verbraucherschützer dokumentierten im selben Zeitraum zahlreiche Rückrufe. Verschiedene Produkte mussten vom Markt genommen werden. Sie enthielten unzulässige oder giftige Substanzen wie krebserregende Kohlenwasserstoffe oder gesundheitsschädliche Pyrrolizidinalkaloide. Diese Vorfälle zeigen das strukturelle Problem: Nahrungsergänzungsmittel durchlaufen kein staatliches Zulassungsverfahren.

Die Zukunft heißt Individualisierung

Die pauschale Einnahme von Vitaminen gilt in der Forschung zunehmend als obsolet. Die Medizinerin Dr. Eunike Velleuer präsentierte auf dem Kongress neue Erkenntnisse. Menschen reagieren demnach völlig unterschiedlich auf die Zufuhr von Mikronährstoffen.

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Die Forschung unterscheidet mittlerweile zwischen stark, mittel und schwach reagierenden Personen. Bei starken Respondern zeigen sich bereits bei geringen Dosisänderungen positive genetische Effekte. Schwache Responder weisen selbst bei hohen Dosen kaum Wirkung auf. Diese individuellen Unterschiede erklären, warum große Studien oft keine signifikanten Effekte auf die Krankheitsprävention finden – die Reaktionen heben sich im Durchschnitt gegenseitig auf.

Mediziner fordern daher eine Abkehr von allgemeinen Empfehlungen. Stattdessen sollen individuelle Ansätze, basierend auf epigenetischen Daten und der Darmflora, künftig präzise Vorhersagen für einzelne Patienten ermöglichen.

EU führt verbindliche Höchstmengen ein

Die Häufung von Warnmeldungen führt auf europäischer Ebene zu einem Umdenken. 2026 tritt eine wesentliche rechtliche Änderung in Kraft: EU-weit verbindliche Höchstmengen für kritische Nährstoffe.

Diese neue Regulierung betrifft insbesondere Vitamin A, Vitamin D, Eisen, Mangan und Selen. Bei diesen Stoffen kann eine Überdosierung schnell zu irreversiblen Gesundheitsschäden führen. Bislang galten in Deutschland nur unverbindliche BfR-Empfehlungen, an die sich viele Hersteller nicht hielten.

Die Entscheidung ist eine Reaktion auf jahrelange Forderungen der Verbraucherzentralen und auf steigende Meldungen über gesundheitsgefährdende Überdosierungen im Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel. Für Verbraucher bedeutet dies künftig ein höheres Maß an Produktsicherheit.

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