Nahrungsergänzungsmittel: Boomender Markt, digitale Wildwest-Methoden
16.03.2026 - 00:00:25 | boerse-global.deNahrungsergänzungsmittel sind so einfach erhältlich wie nie – doch die Kontrolle versagt. Das zeigt eine aktuelle Recherche der Verbraucherorganisation foodwatch. Gleichzeitig verändern neue Vertriebswege den Markt fundamental.
98 Prozent der Influencer-Werbung sind rechtswidrig
Die Verbraucherorganisation foodwatch präsentierte Mitte März eine brisante Analyse. Sie wertete Beiträge von 101 Fitness- und Gesundheits-Influencern aus. Das Ergebnis: 98 Prozent der getätigten Gesundheitsversprechen für Nahrungsergänzungsmittel verstießen gegen EU-Recht. Die Werbung ignoriert damit die strenge Health-Claims-Verordnung, die wissenschaftliche Nachweise für solche Behauptungen vorschreibt.
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Doch wer kontrolliert das? Eine Befragung bei rund 400 Lebensmittelüberwachungsämtern offenbart massive Lücken. Von 309 antwortenden Ämtern gaben 284 an, Werbung auf Plattformen wie Instagram nicht routinemäßig zu überprüfen. Viele Behörden werden nur bei konkreten Beschwerden aktiv. foodwatch spricht von einer "digitalen Wildwest-Atmosphäre" und fordert eine bessere Ausstattung der Überwachung.
Drogerien drängen mit Versand in den Gesundheitsmarkt
Neben dem unregulierten Social-Media-Vertrieb verändern große Handelsketten die Lage. Seit dem Jahreswechsel bietet etwa dm unter „dm-med“ den Versand rezeptfreier Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel aus dem EU-Ausland an. Das Sortiment umfasst mehrere tausend Artikel.
Apothekerverbände und Gesundheitspolitiker schlagen Alarm. Sie warnen vor Risiken durch fehlende Fachberatung. Gesundheitsprodukte würden zunehmend wie normale Konsumgüter behandelt. Ohne persönliche Beratung steige die Gefahr von Fehlanwendungen und gefährlichen Wechselwirkungen. Der Preisdruck durch den neuen Wettbewerb trifft zudem die ohnehin angeschlagenen Vor-Ort-Apotheken.
Apotheken setzen auf Aufklärung als Antwort
Traditionelle Apotheken kontern mit ihrer Kernkompetenz: qualifizierter Beratung. Das Deutsche Apotheken Portal (DAP) startete Anfang März eine neue Initiative zur Wissensvermittlung über Vitamine und Mikronährstoffe. Hintergrund ist die Beobachtung, dass unkontrollierte Einnahmen oft nicht zum gewünschten Erfolg führen.
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Die neuen Leitfäden fokussieren sich zunächst auf die Vitamine B6 und B12. Sie sollen Apothekenteams helfen, Patienten gezielt über Mangelursachen und Wechselwirkungen aufzuklären. Die Botschaft: Nicht jeder braucht Nahrungsergänzungsmittel, und im falschen Fall können sie sogar schaden.
EU plant Höchstmengen für 2026
Auf behördlicher Ebene versucht man, Schritt zu halten. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) digitalisierte zu Jahresbeginn das Meldeprozedere für neue Produkte.
Die größte Veränderung steht aber auf europäischer Ebene bevor: Für 2026 werden EU-weit verbindliche Höchstmengen für bestimmte Inhaltsstoffe erwartet. Betroffen sind etwa Selen, Folsäure und die Vitamine A, D und B6. Bisher galten in den Mitgliedsstaaten unterschiedliche Empfehlungen. Die neuen Grenzwerte sollen Verbraucher vor Überdosierungen schützen, die der Online-Handel mit hochdosierten Präparaten begünstigt.
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