MY TURN: Migrantinnen als Schlüssel gegen Fachkräftemangel
19.04.2026 - 12:39:16 | boerse-global.deDie Bundesregierung setzt verstärkt auf Frauen mit Migrationshintergrund, um den chronischen Fachkräftemangel zu bekämpfen. Neue Programme und Studien zeigen ihr enormes, bislang ungenutztes Potenzial – doch strukturelle Hürden bleiben hoch.
Bundesprogramm MY TURN bis 2028 verlängert
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat sein Förderprogramm „MY TURN – Frauen mit Migrationserfahrung starten durch“ bis 2028 verlängert. In der ersten Phase bis Ende 2025 nahmen bundesweit fast 30.000 Frauen an über 60 Projekten teil. Etwa die Hälfte von ihnen schaffte den Sprung in Job, Ausbildung oder Weiterqualifizierung.
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Das Programm richtet sich gezielt an Frauen mit Mehrfachbarrieren: fehlende Abschlüsse, Kinderbetreuungspflichten oder geringe Deutschkenntnisse. Die neue Phase vertieft nun die Kooperation mit Jobcentern und regionalen Arbeitgebern. „Es geht darum, vorhandene Kompetenzen sichtbar zu machen und Berufsperspektiven zu öffnen“, so ein Ministeriumssprecher. Das sei nicht nur für die Frauen selbst, sondern für den gesellschaftlichen Zusammenhalt essenziell.
Studie: 530.000 Frauen für Engpassberufe verfügbar
Aktuelle Daten untermauern die Dringlichkeit. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) identifizierte im März 2026 rund 530.000 migrantische Frauen als potenzielle Arbeitskräfte für Engpassbranchen. Besonders relevant sind Pflege, Gesundheit und frühkindliche Bildung.
Gleichzeitig waren 2024 etwa 520.000 Migrantinnen arbeitslos gemeldet – oft jung und mit Qualifikationen, die über den Anforderungen ihrer möglichen Jobs liegen. „Hier schlummert ein riesiges Reservoir“, so eine KOFA-Expertin. Die Herausforderung liege in der gezielten Aktivierung und Anerkennung ausländischer Abschlüsse.
Job-Turbo zeigt geschlechtsspezifische Lücken
Langzeitdaten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen zwar Erfolge: Rund 64 Prozent der Geflüchteten von 2015 waren 2024 in regulärer Beschäftigung. Doch der „Job-Turbo“, eine 2023 gestartete Beschleunigungsoffensive, wirkt bei Frauen deutlich schwächer als bei Männern.
Experten sehen die Gründe in der hohen Zahl ukrainischer Mütter mit Kindern und anhaltenden Problemen bei flexibler Kinderbetreuung. Auch die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse verläuft oft schleppend. „Die Integration von Frauen braucht andere, intensivere Begleitung“, folgert ein IAB-Forscher.
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IQ-Netzwerk startet mit neuen Schwerpunkten
Parallel läuft das bundesweite „Integration durch Qualifizierung“ (IQ)-Netzwerk in eine neue Förderrunde bis 2028. Mit einem Volumen von zuletzt 210 Millionen Euro für 270 Teilprojekte ist es eine zentrale Säule der Fachkräftesicherung.
Neu strukturierte Regionalnetzwerke sollen Brücken bauen: RINIA berät bereits in Deutschland lebende Fachkräfte zu Ausbildung und Berufsanpassung. RINWA unterstützt mittelständische Unternehmen dabei, internationale Talente zu gewinnen und zu halten. In Ländern wie Nordrhein-Westfalen liegt der Fokus auf der Beratung zur Anerkennung von Berufsqualifikationen – eine Schlüsselhürde für den Zugang zu reglementierten Berufen wie Pflege oder Lehramt.
Kinderbetreuung als Schlüssel zum Erfolg
Trotz der Programme bleiben strukturelle Hindernisse. Lange Asylverfahren und anfängliche Arbeitsverbote verzögern den Start. Für Frauen kommen oft geringeres sprachliches Selbstvertrauen und eine niedrigere Teilnahmequote an Integrationskursen hinzu.
Der Familienstatus spielt eine entscheidende Rolle. Das BMAS reagiert und macht Kinderbetreuung zum wählbaren, aber essenziellen Modul in MY TURN-Projekten. Denn ohne Lösung der Betreuungsfrage sei der berufliche Einstieg oft zum Scheitern verurteilt.
Ziel: Nachhaltige Platzierung statt schnelle Vermittlung
Die Strategie bis 2028 zielt stärker auf „Match Quality“ ab. Es geht nicht mehr nur um schnelle Vermittlung, sondern um passgenaue Jobs, die den Qualifikationen entsprechen. Der „Job-Turbo“ für den ersten Einstieg wird ergänzt durch „Brückenqualifizierungen“, die Kompetenzen gezielt ausbauen.
Mit over 21 Millionen Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland ist die Aktivierung weiblicher Arbeitskräfte längst keine rein sozialpolitische Frage mehr. Sie ist eine ökonomische Notwendigkeit. Ob die intensiven Coaching-Ansätze der Programme bis 2028 die Geschlechterlücke schließen können, wird die Zukunft zeigen. Die Potenziale sind jedenfalls gewaltig.
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