Mozilla, Sprach-Portal

Mozilla bündelt Übersetzungsarbeit in neuem Sprach-Portal

14.01.2026 - 00:51:12

Mozilla hat sein globales Übersetzungs-Netzwerk mit einem zentralen Sprach-Portal neu aufgestellt. Die Initiative soll die Arbeit Tausender Freiwilliger effizienter machen und kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Während das Unternehmen auf KI-gestützte, datenschutzfreundliche Übersetzung setzt, sorgte ein KI-Einsatz im Spätsommer 2025 für einen Eklat in der Community.

Das neue Mozilla Language Portal dient als zentrale Anlaufstelle für die weltweit verteilten Freiwilligen, die Produkte wie den Firefox-Browser in fast 100 Sprachen verfügbar machen. Es bündelt bisher verstreute Tools und Informationen. Ziel ist es, die Produktivität zu steigern und das einzigartige, gemeinschaftsgetriebene Lokalisierungs-Modell von Mozilla zu stärken. Die Einführung folgt auf eine Phase stagnierender Zahlen bei neuen und aktiven Mitwirkenden auf der Hauptplattform Pontoon.

„Die Schaffung eines einheitlichen Hubs signalisiert den Willen, die menschliche Komponente der Übersetzung besser zu unterstützen“, heißt es aus dem Unternehmen. Für neue wie erfahrene Übersetzer soll der Arbeitsablauf so deutlich vereinfacht werden. Welche konkreten Features das Portal langfristig bieten wird, wird aktuell mit der Community erörtert.

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Infrastruktur-Upgrade als Fundament

Dem Portal-Launch ging ein umfangreiches Technik-Update voraus. Anfang Januar 2026 migrierte Mozilla die Pontoon-Plattform auf eine neue, leistungsfähigere Hosting-Umgebung. Grund waren Performance-Probleme, unter anderem verursacht durch Bot-Traffic, die die Nutzererfahrung beeinträchtigt hatten. Die neue Infrastruktur soll für mehr Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit sorgen.

Bereits 2025 wurde zudem das Datenmodell von Pontoon grundlegend erneuert. Dieser technische Kraftakt im Hintergrund reduziert die sogenannte „technische Schuld“ und verbessert die Handhabung der rund zehn verschiedenen Dateiformate, mit denen Übersetzer arbeiten. Ein bereits sichtbarer Vorteil: Die Plattform kann nun korrekte Pluralformen in Android-Projekten verarbeiten.

KI vs. Community: Ein Spannungsfeld

Die Betonung des menschlichen Beitrags durch das Portal ist bemerkenswert. Sie erfolgt in einer Phase, in der Mozilla selbst intensiv an KI-gestützter Übersetzung forscht. Im Rahmen des EU-geförderten Project Bergamot entwickelt das Unternehmen eine On-Device-Übersetzung für Firefox, die – anders als Cloud-Lösungen von Google oder Microsoft – komplett auf dem Endgerät des Nutzers läuft und keine Daten versendet.

Doch der KI-Einsatz bei Mozilla verläuft nicht reibungslos. Ende 2025 löste sich das langjährige japanische Übersetzerteam auf, nachdem ein automatischer Übersetzungs-Bot auf der Support-Plattform SUMO eingesetzt worden war. Der Bot hatte akkurate, von Menschen geprüfte Übersetzungen durch maschinelle, oft fehlerhafte Versionen überschrieben. Community-Sprecher sprachen von einer „massiven Zerstörung“ ihrer Arbeit. Das neue Portal kann somit auch als Geste der Wertschätzung gegenüber den menschlichen Experten verstanden werden.

Ausblick: Effizienz und Prinzipientreue

Mit dem gestärkten Ökosystem aus Portal und Plattform ist Mozilla besser für die Anforderungen der kommenden Jahre gerüstet. Die verbesserte Infrastruktur erlaubt es dem Lokalisierungsteam nun, weitere Verbesserungen und alternative Lösungen zu prüfen.

Für die Freiwilligen bedeutet das vor allem eines: ein stabileres und effizienteres Arbeitsumfeld. Die größte Herausforderung für Mozilla wird es sein, seinen erklärten „AI-first“-Kurs unter dem neuen CEO mit den community-getriebenen, datenschutzorientierten Grundwerten in Einklang zu bringen. Das Gelingen des Language Portals wird ein wichtiger Indikator dafür sein, ob diese Balance gelingt.

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