Monte, Dei

Monte Dei Paschi: Vorstand lehnt 30,6-Milliarden-Gebot ab

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 21:05 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Der Vorstand der Banca MPS weist die Übernahmeofferte von Intesa Sanpaolo zurück und prüft stattdessen eine Fusion mit Banco BPM.

MPS lehnt 30,6-Milliarden-Angebot von Intesa Sanpaolo ab
Abstrakte Szene des Bankensektors, die Ablehnung und verpasste Gelegenheiten mit einer leicht gedämpften Marktstimmung darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Juli 2026 eine neue Wendung genommen. Der Vorstand der traditionsreichen Bank wies das Angebot von Intesa Sanpaolo in Höhe von 30,6 Milliarden Euro am Donnerstag offiziell zurück. Die Begründung der Verantwortlichen in Siena fällt deutlich aus: Das Gebot spiegele weder den inneren Wert der Bank noch den anstehenden Kontrollwechsel angemessen wider.

Zu geringe Prämie und Kritik an Zerschlagungsplänen

Der Vorstand von MPS kritisierte nach seiner Sitzung insbesondere die angebotene Übernahmeprämie. Mit 12,5 Prozent liege diese weit unter dem Branchenstandard für vergleichbare Transaktionen im italienischen Bankensektor, der üblicherweise zwischen 30 und 41 Prozent angesiedelt ist. Laut ANSA verwies das Gremium darauf, dass das Angebot im Vergleich zum Marktpreis sogar einen Abschlag von 3,3 Prozent impliziere, wenn man die Kursdaten des Vortages zugrunde legt.

Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist die geplante Aufspaltung der Bank. Intesa Sanpaolo beabsichtigt im Falle einer erfolgreichen Übernahme, Teile des Filialnetzes an die Versicherung Unipol zu veräußern. Der MPS-Vorstand warnte, dass diese Disaggregation das bewährte Geschäftsmodell der Banknähe schwächen würde. Zudem wurden die von Intesa in Aussicht gestellten Synergien als übermäßig optimistisch eingestuft. Während Intesa von Kosteneinsparungen in Höhe von 63 Prozent ausgeht, liegen marktübliche Benchmarks bei etwa 25 Prozent.

An der Börse reagierten die Anleger verhalten auf die Ablehnung. Der aktuelle Kurs von MPS notiert bei 11,40 € und liegt damit nur knapp unter dem am 3. Juli 2026 erreichten 52-Wochen-Hoch von 11,70 €. Die Marktkapitalisierung des Instituts wird derzeit mit 33,55 Milliarden € bewertet.

Banco BPM als bevorzugte Alternative

Parallel zur Ablehnung des Intesa-Gebots signalisierte der MPS-Vorstand verstärktes Interesse an einem Konkurrenzmodell. Ein Fusionsvorschlag von Banco BPM wird derzeit intensiv geprüft. Laut Vorstandsangaben verdiene dieser Ansatz eine tiefere Analyse, da er eine Fusion unter Gleichen („Merger of Equals“) vorsehe und den gesamten Umfang von MPS erhalten würde, anstatt das Unternehmen zu zerschlagen. Banco BPM begrüßte diese Haltung und erklärte sich bereit für einen konstruktiven Dialog.

Die strategische Neuausrichtung findet in einem Umfeld reger Konsolidierung statt. Während Analysten wie Carlo Maria Pinardi darauf hinweisen, dass der Markt trotz der harten Absage auf eine Nachbesserung durch Intesa spekuliert, schloss Intesa-CEO Carlo Messina einen Aufschlag zunächst aus. Er bezeichnete den angebotenen Preis als „höchstmöglich“ und fair im Hinblick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis.

Staatlicher Ausstieg rückt näher

Auch die italienische Regierung schaltet sich in den Prozess ein. Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti kündigte am Rande einer Versammlung des Bankenverbandes ABI an, dass der Staat kurz vor dem Verkauf seiner verbleibenden Anteile an MPS stehe. Konkret geht es um ein Paket von 4,9 Prozent, das derzeit mit rund 1,7 Milliarden € bewertet wird. Giorgetti betonte die neutrale Haltung der Regierung im laufenden Übernahmeprozess und erklärte, dass die Rolle des Staates als Aktionär beendet sei. Ein Verkauf vor Abschluss der M&A-Aktivitäten würde den neutralen Standpunkt des Finanzministeriums unterstreichen.

Gleichzeitig mahnte Fabio Panetta, Gouverneur der Banca d’Italia, dass Konsolidierungen im Sektor stets den Wettbewerb wahren und die Unterstützung der Realwirtschaft sicherstellen müssten. Die Entscheidung über die Zukunft der ältesten Bank der Welt dürfte somit nicht nur finanzielle, sondern auch wettbewerbsrechtliche Hürden nehmen müssen, zumal der Vorstand auch auf potenzielle Kartellrisiken des Intesa-Deals hinwies.

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