Mitbestimmung, Dividenden

Mitbestimmung schafft stabile Dividenden und Jobs

21.01.2026 - 16:42:12

Eine neue Studie belegt: Deutsche Unternehmen mit Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat schütten verlässlicher Gewinne aus und haben stabilere Belegschaften. Das nützt Aktionären und Mitarbeitern gleichermaßen.

Düsseldorf. Die deutsche Mitbestimmung stärkt nicht nur die Arbeitnehmerrechte, sondern zahlt sich auch finanziell aus. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung. Demnach sorgen paritätisch besetzte Aufsichtsräte für eine deutlich konstantere Dividendenpolitik und geringere Personalfluktuation. Ein klarer Win-Win-Effekt für Kapital und Arbeit.

Die Analyse von Dr. Robert Scholz wertete die Daten von 231 durchgehend börsennotierten deutschen Unternehmen von 2014 bis 2023 aus. Ein Kernbefund: Firmen mit Mitbestimmung passen ihre Ausschüttungen an Aktionäre seltener an oder setzen sie aus. Für langfristig orientierte Investoren, die auf stetige Erträge setzen, ist diese Vorhersehbarkeit ein entscheidendes Qualitätsmerkmal.

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Gleichzeitig korreliert die Mitbestimmung mit einer stabileren Beschäftigung. Die geringere Fluktuation deutet auf nachhaltigere Personalentscheidungen hin. Wertvolles Know-how bleibt im Unternehmen, was Produktivität und Betriebsklima fördert. Die Studie stützt die These, dass Arbeitnehmervertreter kurzfristige Quartalsdenken bremsen und langfristige Strategien begünstigen.

Mitbestimmte Firmen sind oft “Substanzwerte”

Für die Untersuchung wurden die Unternehmen in zwei Kategorien eingeteilt: Substanzwerte und Wachstumswerte. Substanzwerte zeichnen sich durch stabile Märkte, moderate Dividenden und geringere Kursschwankungen aus – ideale Langzeitinvestments. Wachstumswerte verfolgen riskantere Modelle mit höherem Gewinnpotenzial, aber auch stärkerer Volatilität.

Das Ergebnis: Mitbestimmte Unternehmen fallen signifikant häufiger in die Kategorie der Substanzwerte. „Ihre Stärke liegt in der etablierten Marktposition und soliden wirtschaftlichen Substanz“, erklärt Studienautor Scholz. Die Arbeitnehmervertretung wirkt offenbar als ausgleichende Kraft, die extreme Risiken und volatile Ausschüttungsstrategien zugunsten nachhaltiger Wertentwicklung begrenzt.

Bestätigung für das deutsche Modell

Die I.M.U.-Ergebnisse fügen sich in frühere Forschung ein, die positive Effekte der Mitbestimmung auf Investitionen und Krisenresistenz belegte. Der neue Fokus auf Dividendensicherheit adressiert nun direkt die Interessen der Kapitalseite.

Wirtschaftsexperten werten die Studie als Bestätigung der sozialen Marktwirtschaft. Der institutionalisierte Dialog auf Aufsichtsratsebene habe eine mäßigende Wirkung auf die Unternehmensstrategie. So werden kurzfristige Gewinnmaximierung auf Kosten der Zukunft verhindert. Die Analyse liefert damit ein starkes Argument gegen Forderungen, Mitbestimmungsrechte im Zuge der Globalisierung abzubauen.

Herausforderung Transformation

Die Debatte um die Unternehmensführung erhält durch diese Daten neue Impulse. Die stabilisierende Funktion der Mitbestimmung gewinnt in einem von geopolitischen und technologischen Umbrüchen geprägten Umfeld an Bedeutung. Die künftige Herausforderung wird sein, diese Vorteile auch in der beschleunigten Transformation durch Digitalisierung und Dekarbonisierung zu sichern.

Für Investoren wird die Mitbestimmungsstruktur ein relevanteres Anlagekriterium. Für Unternehmen zeigt die Analyse: Gelebte Sozialpartnerschaft ist kein Widerspruch zu Aktionärsinteressen, sondern kann ein Baustein für nachhaltigen Erfolg sein. Diskussionsstoff für die nächsten Hauptversammlungen ist damit garantiert.

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