Keller Group, GB0034293025

Mit digitalem Baugrund-Check: Wie Keller Groups iTwin-Plattform den Spezialtiefbau vernetzt

16.06.2026 - 10:18:26 | ad-hoc-news.de

Keller Group setzt im Spezialtiefbau zunehmend auf Software und Daten. Mit der cloudbasierten iTwin-Plattform digitalisiert der Baugrundspezialist Planung, Ausführung und Dokumentation von Gründungsprojekten – und will so Kosten senken, Risiken transparenter machen und ESG-Vorgaben besser nachweisen.

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Verantwortlich: ad hoc news Fachredaktion Software & Services. Vor der Veröffentlichung am 16.06.2026, 10:17 Uhr geprüft. Details im Impressum.

Die britische Keller Group treibt die Digitalisierung im Spezialtiefbau voran: Kernstück ist die cloudbasierte Daten- und Kollaborationslösung, mit der Baugrund- und Ausführungsdaten über den gesamten Projektlebenszyklus hinweg zentral erfasst, ausgewertet und mit Planungsmodellen verknüpft werden. Im Mittelpunkt stehen geotechnische Projekte wie Pfahlgründungen, Bodenverbesserung oder Baugrubenverbau, bei denen klassische Papierdokumentation und verstreute Excel-Listen zunehmend an Grenzen stoßen. Für Bauherren und Auftragnehmer geht es dabei nicht nur um Effizienz, sondern auch um dokumentierbare Qualität und regulatorisch saubere Nachweise.

Digitale Plattform für Bohrpfähle, Bodenverbesserung und Baugrunddaten

Die iTwin-basierte Plattform von Keller Group richtet sich an Infrastruktur- und Hochbauprojekte, bei denen der Baugrund eine besondere Rolle spielt, typischerweise also Brücken, Kraftwerke, U-Bahn-Strecken oder Hochhäuser in anspruchsvollen Böden. Kernidee ist, Bohr- und Verdichtungsdaten direkt aus den Spezialtiefbaugeräten in ein zentrales Datenmodell zu übertragen, statt sie nur lokal auf der Maschine oder in Insellösungen zu speichern. Laut einer Digitalisierungsdarstellung der Keller Group nutzt das Unternehmen dazu eine Kombination aus Sensorik, Mobilfunkübertragung und Cloud-Datenhaltung, um weltweit vergleichbare Datensätze zu erzeugen.

Technisch setzt Keller Group im Hintergrund auf die iTwin-Technologie des US-Spezialisten Bentley Systems, die als Digital-Twin-Plattform bereits in vielen Infrastrukturprojekten etabliert ist. Während Bentley die generische Infrastruktur für 3D-Modelle, Zeitreihen und Kollaboration bereitstellt, ergänzt Keller spezifische Geotechnik-Funktionen wie Bohrprotokolle, Injektionsdrücke, Verdichtungsenergie und Qualitätskennzahlen für Bodenaustausch oder Rüttelstopfsäulen. Für Projektteams entsteht damit ein gemeinsamer Datenraum, in dem sich Soll-Ist-Abweichungen zwischen Planung und Ausführung tagesaktuell erkennen lassen und Nacharbeiten gezielt gesteuert werden können.

Ein praktischer Vorteil: Statt einzelne PDF-Protokolle nach Projektende in Ordnern abzulegen, stehen alle Messwerte während und nach der Ausführung digital zur Verfügung, können in Dashboards analysiert und bei Bedarf exportiert werden. So lassen sich etwa Bereiche mit geringerer Verdichtungsenergie identifizieren und gezielt nachverdichten, ohne das gesamte Baufeld erneut bearbeiten zu müssen. Gleichzeitig lässt sich dokumentieren, dass Tragfähigkeits- und Setzungsanforderungen der Statik eingehalten wurden, was für Abnahme und Haftungsfragen zentral ist.

Wirtschaftlich interessant wird das System insbesondere bei Großprojekten mit vielen Wiederholungen, etwa hunderten Bohrpfählen oder kilometerlangen Bodenverbesserungsstrecken. Jede vermiedene Fehlbohrung oder überflüssige Verdichtungsfahrt senkt Kosten und CO?-Emissionen, weil weniger Material und Maschineneinsatz anfallen. Für Auftraggeber, die unter ESG-Reportingpflichten stehen, gewinnt der nachweisbare Ressourceneinsatz damit zusätzlich an Bedeutung, da sich dieselbe Tragfähigkeit mit optimiertem Ressourceneinsatz erreichen lässt.

Da die Plattform auf einer cloudbasierten Architektur aufsetzt, können lokale Niederlassungen von Keller weltweit auf einen einheitlichen Datenstandard zugreifen. Projekte in Europa, Nordamerika, Asien oder im Nahen Osten können somit mit vergleichbaren Kennzahlen dokumentiert werden. Das erleichtert konzernweite Benchmarks und vereinfacht auch den Wissensaustausch zwischen Ingenieurteams, wenn etwa Lösungen aus einem Tunnelprojekt in London auf ähnliche Baugrundbedingungen in Singapur übertragen werden sollen.

Von der Bohrmaschine ins 3D-Modell: So fließen die Daten

Herzstück der Anwendung ist die direkte Datenanbindung der Spezialtiefbaugeräte. Zeitgleich mit dem Bohren, Rammen oder Verdichten werden Messwerte wie Tiefe, Drehmoment, Eindringwiderstand, Injektionsmenge oder Verdichtungsenergie erfasst und an die Plattform übertragen. Laut einer Beschreibung der iTwin-Plattform von Bentley Systems können solche Sensordaten in Echtzeit mit 3D-Modellen verknüpft werden, sodass aus der digitalen Baugrube eine Art „lebender Zwilling“ des realen Projekts wird.

In der Praxis bedeutet das: Projektleiter sehen auf einer digitalen Karte oder in einem 3D-Modell, welche Pfähle bereits hergestellt wurden, welche Parameter dabei gemessen wurden und ob alle Werte im freigegebenen Bandbreitenfenster liegen. Auffälligkeiten wie plötzlich steigende Drehmomente, die auf härtere Bodenschichten oder Hindernisse hinweisen können, lassen sich früh erkennen. So können Ingenieure entscheiden, ob etwa der Pfahldurchmesser angepasst, die Gründungstiefe geändert oder eine alternative Bauweise gewählt werden muss.

Die Plattform unterstützt außerdem die Zuordnung von Dokumenten und Prüfberichten zu einzelnen Bauteilen. Statikunterlagen, Laborberichte zu Bodenproben oder Sonderfreigaben von Bauüberwachern lassen sich direkt an den jeweiligen Pfahl oder die betreffende Baugrundverbesserungszone anhängen. Damit entsteht ein digitaler Projektdatenraum, der auch Jahre nach Projektabschluss noch nachvollziehbar ist. Für Betreiber kritischer Infrastruktur ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn bei späteren Inspektionen oder Umbauten dokumentiert werden muss, wie die Gründung im Detail ausgeführt wurde.

Ein weiterer Aspekt ist die mobile Nutzung auf der Baustelle. Tablets oder robuste Laptops erlauben es, dass Bauleiter und Poliere direkt im Feld auf aktuelle Daten zugreifen, Checklisten abarbeiten und etwaige Abweichungen dokumentieren können. Dadurch reduziert sich der Medienbruch zwischen Baustelle und Büro, und Entscheidungen müssen nicht mehr auf Basis veralteter Informationen getroffen werden. Gleichzeitig erhöht die digitale Dokumentation die Transparenz für Auftraggeber, die über Zugriffsmöglichkeiten stärker in den Informationsfluss eingebunden werden können.

Neben der reinen Datenerfassung spielt die Auswertung eine zentrale Rolle. Dashboards zeigen etwa die Produktionsleistung pro Tag, die Verteilung bestimmter Qualitätskennzahlen oder den Materialverbrauch im Zeitverlauf. Werden definierte Schwellwerte überschritten, können automatische Benachrichtigungen ausgelöst werden. So entsteht ein Frühwarnsystem, das idealerweise schon eingreift, bevor sich Qualitätsprobleme in Form von Nacharbeiten oder Bauzeitverzögerungen manifestieren.

ESG-Nachweise, Normen und Schnittstellen zu Auftraggebern

Im Kontext verschärfter ESG-Vorgaben und Taxonomie-Regeln wird es für Bauunternehmen wichtiger, ihren Ressourceneinsatz und die CO?-Bilanz von Projekten belastbar zu belegen. Eine digitale Plattform, die den Maschineneinsatz, den Energieverbrauch und den Materialeinsatz im Spezialtiefbau erfasst, liefert hierfür eine wichtige Datengrundlage. Anhand der erfassten Produktionsdaten lassen sich etwa Zementmengen bei Pfahlgründungen oder Injektionsvolumina bei Bodenverbesserungsmaßnahmen genauer quantifizieren, als dies mit pauschalen Schätzungen möglich wäre.

Darüber hinaus unterstützt der systematische Datenansatz die Einhaltung von Qualitätsnormen und Richtlinien. Themen wie Tragfähigkeit, Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit von Gründungen werden in verschiedenen Normenwerken definiert, von Eurocode-Regelungen in Europa bis hin zu länderspezifischen Standards. Eine Plattform, die alle relevanten Parameter für Prüfnachweise bereitstellt, vereinfacht die Kommunikation mit Prüfingenieuren und Behörden und reduziert das Risiko, dass wichtige Informationen in Einzelprotokollen verloren gehen.

Wichtige Schnittstellen gibt es auch zu den IT-Systemen der Auftraggeber. Über standardisierte Exportfunktionen lassen sich Daten in gängige Formate für BIM-Modelle, ERP-Systeme oder projektspezifische Datenräume übertragen. So bleibt der Auftraggeber Herr seiner Projektdaten, während Keller Group die Spezialtiefbau-spezifischen Prozesse digital unterstützt. Durch den Einsatz gängiger Industriestandards wird verhindert, dass Daten in proprietären Formaten „eingesperrt“ werden, was ihre langfristige Nutzung einschränken würde.

Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt der Digitalisierung ist die Wissenssicherung. Erfahrungswerte erfahrener Bauleiter und Geotechnikingenieure werden nicht mehr nur in persönlichen Notizbüchern oder in individuellen Excel-Dateien abgelegt, sondern fließen in systematische Datensammlungen ein. Diese können für Schulungen genutzt werden, wenn neue Mitarbeitende in komplexe Spezialtiefbauverfahren eingearbeitet werden, oder dienen als Basis für interne Best-Practice-Leitfäden.

Das gilt insbesondere, wenn Projekte in Regionen mit außergewöhnlichen Baugrundbedingungen realisiert werden, etwa in Gebieten mit hohem Grundwasserstand, karstigem Untergrund oder starken Setzungsrisiken. Werden solche Spezialfälle gut dokumentiert, profitiert das Unternehmen über viele Jahre hinweg, weil Lösungsansätze und Grenzen einzelner Verfahren besser verstanden und wiederverwendet werden können. Die Plattform wird damit zu einem Baustein im Wissensmanagement des Konzerns.

Für Kunden kann die erhöhte Transparenz im Spezialtiefbau auch ein Differenzierungsmerkmal sein. Wer gegenüber Finanzierern, Aufsichtsbehörden oder der Öffentlichkeit belastbar darstellen kann, wie die Baugrundrisiken adressiert und kontrolliert wurden, stärkt das Vertrauen in das Projekt. Das spielt vor allem bei Großinfrastrukturprojekten eine Rolle, die häufig im Fokus öffentlicher Diskussion stehen und deren Budget- und Zeitüberschreitungen medial begleitet werden.

Weltweiter Einsatz mit Schwerpunkt auf großen Infrastrukturmärkten

Keller Group positioniert die digitale Plattform primär als Service für Großprojekte in Europa, Nordamerika, Asien und dem Nahen Osten, wo komplexe Bauvorhaben, hohe regulatorische Anforderungen und ein starker Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte zusammentreffen. Laut einer Unternehmensbeschreibung bei finanzen.net zählt Keller zu den weltweit führenden Spezialtiefbauunternehmen mit Standorten in mehr als 40 Ländern und einem Fokus auf technisch anspruchsvolle Gründungsprojekte.

In solchen Märkten steigt der Druck, Bauprojekte effizienter und vorhersagbarer zu gestalten. Digitale Werkzeuge, die Echtzeitdaten von der Baustelle liefern, werden daher zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Unternehmen, die lediglich auf traditionelle Dokumentation setzen, laufen Gefahr, bei Ausschreibungen ins Hintertreffen zu geraten, wenn Auftraggeber explizit digitale Nachweisketten, nachvollziehbare Qualitätskennzahlen und integrative Datenräume verlangen. Vor diesem Hintergrund ist die Plattform von Keller nicht nur ein internes Effizienztool, sondern auch ein Baustein in der Marktpositionierung des Konzerns.

Neben der technischen Leistungsfähigkeit spielt dabei die Frage der Datensicherheit eine zentrale Rolle. Bei Großprojekten werden häufig kritische Infrastrukturen wie Energieanlagen, Verkehrsknotenpunkte oder Wasserbauwerke realisiert, bei denen sensible Informationen geschützt werden müssen. Cloudbasierte Lösungen müssen daher hohe Anforderungen an Zugriffskontrolle, Verschlüsselung und Compliance erfüllen, um den Vorgaben von Auftraggebern und Regulierungsbehörden zu entsprechen.

Ein weiterer Aspekt der globalen Nutzung ist die Anpassung an unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen. Während etwa in Europa Datenschutzanforderungen wie die DSGVO im Vordergrund stehen, können in anderen Regionen Cybersicherheitsrichtlinien oder Exportkontrollvorschriften entscheidend sein. Für eine international agierende Plattform bedeutet das, die Architektur so zu gestalten, dass regionale Anforderungen berücksichtigt werden, ohne dass der globale Datenstandard fragmentiert wird.

Schließlich ist die Akzeptanz in den Projektteams entscheidend für den Erfolg der Plattform. Auch wenn zentrale Funktionen technisch bereitstehen, entfaltet die Lösung ihren vollen Nutzen erst, wenn Bauleiter, Ingenieure und Poliere sie in ihre täglichen Abläufe integrieren. Schulungen, klare Prozesse und eine pragmatische Benutzeroberfläche sind deshalb ebenso wichtig wie die zugrunde liegende Technologie.

Im Ergebnis entsteht für Keller Group ein Ökosystem, das Spezialtiefbau-Know-how mit digitalen Werkzeugen verbindet. Während klassische Bauleistungen wie Pfahlgründungen oder Bodenverbesserung weiterhin das Kerngeschäft bleiben, gewinnt der digitale Layer an Bedeutung. Die Plattform kann so zur Grundlage weiterer datengetriebener Services werden, etwa vorausschauender Wartung von Spezialgeräten, optimierter Einsatzplanung oder automatisierter Berichterstattung an Auftraggeber.

Damit zeigt sich: Die iTwin-basierte Lösung ist weniger ein singuläres Produkt, sondern eine strategische Infrastruktur, auf der Keller Group zusätzliche digitale Dienstleistungen aufbauen kann. Für Anleger ist interessant, dass sich das Unternehmen damit in einem Bereich positioniert, in dem viele Bau- und Infrastrukturanbieter derzeit investieren und in dem Skaleneffekte über mehrere Projekte und Regionen hinweg entstehen.

Die Keller Group plc ist an der London Stock Exchange notiert; die Aktie (ISIN GB0034293025) wurde zuletzt im Handel in London in Britischen Pfund quotiert.

Wesentliche Eckdaten zur digitalen Keller-Plattform

  • Produkt: iTwin-basierte Digitalplattform für Spezialtiefbauprojekte
  • Hersteller: Keller Group plc
  • Kategorie: Software/Service/Abo (digitale Baugrund- und Projektplattform)
  • Markteinführung: schrittweise seit Anfang der 2020er Jahre in internationalen Projekten
  • UVP / Preis: projektbezogene Service- und Lizenzmodelle, keine öffentliche Standard-UVP
  • Verfügbarkeit: Einsatz in ausgewählten Infrastruktur- und Hochbauprojekten weltweit über Keller-Niederlassungen
  • Zielgruppe: Bauherren, Infrastrukturbetreiber, Generalunternehmer und Ingenieurbüros mit geotechnischen Großprojekten
  • Besonderheit / USP: Kombination aus geotechnikspezifischen Echtzeit-Baudaten und iTwin-Digital-Twin-Technologie für durchgängige Qualitäts- und ESG-Dokumentation

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