Mindestlohn-Verstöße 2025: Alarmierende Bilanz
15.02.2026 - 12:14:12 | boerse-global.deKontrollen bleiben lückenhaft: Ein Viertel der Betriebe verstößt gegen den Mindestlohn. Neue Regierungszahlen zeigen: 2025 wurden bei rund 25 Prozent der geprüften Unternehmen Verstöße festgestellt.
Nach Angaben des Bundesministeriums der Finanzen, das dem Bundestag auf eine Parlamentsanfrage der Die Linke antwortete, führte die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls 2025 landesweit 25.765 Arbeitgeberprüfungen durch. Von diesen Prüfungen leiteten Behörden 6.121 Ermittlungsverfahren wegen Mindestlohn-Verstößen ein. Die hohe Verstoßrate von knapp 24 Prozent deutet darauf hin, dass Nicht-Einhaltung kein Einzelfall ist, sondern in bestimmten Branchen strukturell vorkommt. Experten der Arbeitsmarktforschung gehen davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt, weil Millionen von Betrieben nur punktuell kontrolliert werden.
Cem Ince, Abgeordneter der Die Linke, kritisierte die Ergebnisse scharf. Ohne eine deutliche Aufstockung des Prüftempos bleibe das Risiko, dass Betrügereien unentdeckt blieben, mathematisch gesehen fast gegeben. Er verwies auf Schätzungen, wonach in Deutschland jährlich Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch systematische Lohnkürzungen benachteiligt würden – eine Zahl, die im Verhältnis zu den tatsächlich verfolgten Fällen gierige Schlieren zeigt.
Besonders problematisch bleibe die Situation in bestimmten Branchen. Die Auswertung der 2025er Daten zeigt, dass die Gastronomie und Hotellerie den größten Anteil der Verstöße ausmachen: Fast 2.500 Verfahren wurden in diesem Bereich eingeleitet. Weitere Branchen mit erhöhten Nicht-Compliance-Zahlen sind Bauwesen, Logistik/Güterverkehr sowie Personaldienstleistungen, darunter Friseursalons und Kosmetikstudios. Auch Sicherheitsdienste und Taxiunternehmen wurden explizit als berufsbezogene Felder mit häufigeren Unregelmäßigkeiten benannt.
Die Methoden der Arbeitgeber, Lohn unter dem Mindestlohn zu verstecken, seien zunehmend raffiniert geworden. Statt Löhnen im Papierkatalog zu unterbieten, würden Arbeitszeitaufzeichnungen manipuliert. Gängige Praktiken seien unbezahlte Überstunden, verlängerte Arbeitszeiten, die nicht korrekt erfasst werden, sowie übermäßige Abzüge für Arbeitskleidung oder Ausrüstung, wodurch der tatsächliche Stundensatz unter der gesetzlichen Grenze liege.
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Politisch hat die Veröffentlichung unmittelbare Reaktionen ausgelöst. Die Linke fordert eine deutliche Aufstockung des Personals der FKS und eine verschärfte, datenbasierte Kontrolle in Hochrisikosektoren statt rein zufälliger Stichproben. Zugleich wird kritisiert, dass das bisherige „risikoorientierte“ Vorgehen der Zollbehörden bei weitem nicht ausreiche, um die Gesamtsituation zu verbessern. Die Prüfquote blieb 2025 im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabil, obwohl sich der Arbeitsmarkt und der Mindestlohn weiterentwickelt haben.
Auch die Gewerkschaften beteiligen sich an der Debatte. Sie betonen, dass der Anstieg des Mindestlohns auf 13,90 Euro zum 1. Januar 2026 ohne verlässliche Zahlungspflichtige Umsetzung wenig Wert habe. Sie fordern digitale, manipulationssichere Zeiterfassung. Das Thema wird seit der Europarechtsentscheidung zur Arbeitszeiterfassung in Berlin diskutiert, stößt aber weiter auf Widerstand der Arbeitgeberverbände mit Verweis auf bürokratische Belastung.
Ausblick: Höhere Kontrollen oder härtere Strafen?
Für das kommende Jahr rechnet man mit weiterem Druck auf das Kontrollsystem. Der Mindestlohn soll im Januar 2027 auf 14,60 Euro steigen, was den Anreiz für Betriebe erhöhen dürfte, Löhne zu umgehen. Eine konkrete Aufstockung der FKS-Aufsicht für 2026 wurde bislang nicht angekündigt. Branchenanalysten erwarten jedoch, dass die Regierung stärker gegen Wiederholungstäter vorgehen könnte – etwa durch höhere Bußgelder oder den Ausschluss problematischer Unternehmen von öffentlichen Aufträgen. Fairen Löhnen soll so künftig mehr Gewicht beigemessen werden.
Die neue Bilanz aus 2025 dient somit als saubere, wenn auch erschreckende Standortbestimmung: Mehr als ein Jahrzehnt nach Einführung des Mindestlohns bleibt die Durchsetzung eine Art Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Zahlen hinter den Fakten zurückbleiben.
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