Mindestlohn, Sozialabgaben

Mindestlohn steigt, aber Sozialabgaben auch: Das ändert sich 2026 für Geringverdiener

27.04.2026 - 01:26:53 | boerse-global.de

Trotz Mindestlohnanstieg und Gehaltsplus im öffentlichen Dienst drohen höhere Krankenkassenbeiträge und steigende Sozialabgaben.

Mindestlohn steigt, aber Sozialabgaben auch: Das ändert sich 2026 für Geringverdiener - Foto: über boerse-global.de
Mindestlohn steigt, aber Sozialabgaben auch: Das ändert sich 2026 für Geringverdiener - Foto: über boerse-global.de

Die Bundesregierung hat für 2026 ein Bündel an Maßnahmen geschnürt, das die finanzielle Situation von Millionen Beschäftigten grundlegend verändert. Während der Mindestlohn auf 13,90 Euro pro Stunde stieg und der öffentliche Dienst ab Mai eine Lohnerhöhung erhält, drohen gleichzeitig höhere Krankenkassenbeiträge und steigende Sozialabgaben. Die Frage, ob Netto am Ende mehr übrig bleibt, ist für viele offen.

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Mindestlohn: 13,90 Euro – und die Debatte geht weiter

Seit Jahresbeginn profitieren rund 4,8 Millionen Beschäftigte von der Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro. Die Minijob-Grenze stieg auf 603 Euro monatlich, die Midijob-Zone reicht nun bis 2.000 Euro. Doch reicht das?

Ökonomen warnen vor Jobverlusten durch steigende Lohnkosten. Die BSW fordert 15 Euro. Die Pflegebranche zahlt bereits 18,25 Euro, Maler erhalten mindestens 15 Euro. Im Baugewerbe stiegen die Löhne im April um 3,9 Prozent – ein historischer Schritt zur Angleichung von Ost und West.

Doch nicht alle jubeln: Spargelbauern fordern eine Senkung des Mindestlohns, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Agrarministerium lehnt ab.

Öffentlicher Dienst: 2,8 Prozent mehr ab Mai

Am 1. Mai erhalten 2,5 Millionen Beschäftigte von Bund und Kommunen eine Gehaltserhöhung von 2,8 Prozent. Die unterste Gehaltsgruppe startet bei rund 2.767 Euro, Spitzenverdiener kommen auf bis zu 8.204 Euro. Neu: Mitarbeiter können Teile ihrer Sonderzahlung (Weihnachtsgeld) in bis zu drei zusätzliche Urlaubstage umwandeln. Ab 2027 gibt es einen Extra-Urlaubstag für alle.

Parallel plant das Innenministerium eine Reform der Beamtenbesoldung: Die niedrigsten Stufen sollen gestrichen werden, um Einstiegsgehälter über dem Sozialhilfeniveau zu halten. Ein A3-Einsteiger würde dann 3.107 statt 2.707 Euro verdienen.

Krankenkasse: Ende der beitragsfreien Familienversicherung

Die größte Belastung droht aus dem Gesundheitsministerium. Gesundheitsministerin Nina Warken plant eine umfassende Reform der gesetzlichen Krankenversicherung, um eine Finanzierungslücke von 15 Milliarden Euro bis 2027 zu schließen.

Der umstrittenste Punkt: Ab 2028 sollen nicht berufstätige Ehepartner nicht mehr beitragsfrei mitversichert sein. Stattdessen wird ein Zuschlag von 3,5 Prozent auf das Einkommen des arbeitenden Partners erhoben. Das betrifft 1,3 Millionen Menschen und soll 2,2 Milliarden Euro einbringen.

Weitere Maßnahmen: Die Zuzahlung für verschreibungspflichtige Medikamente steigt um 50 Prozent, das Krankengeld sinkt von 70 auf 65 Prozent des Bruttogehalts. Sozialverbände kritisieren die Pläne scharf, Familienverbände begrüßen sie als Modernisierung.

Selbstständige: Neue Regeln ab 2028

Das Bundesarbeitsministerium will Scheinselbstständigkeit eindämmen und Freiberufler besser absichern. Ab Januar 2028 gilt eine neue Kategorie der „neuen Selbstständigkeit“. Vier Kriterien – unternehmerisches Risiko, mehrere Auftraggeber, Marktauftritt – entscheiden über den Versicherungsstatus. Betroffene müssen dann in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, berechnet auf den Umsatz minus zehn Prozent Pauschalabzug.

Steuerfreie Prämie: 1.000 Euro vom Chef

Als sofortige Entlastung hat der Bundestag am 23. April eine steuerfreie Inflationsprämie von bis zu 1.000 Euro beschlossen. Arbeitgeber können diesen Betrag bis Juni 2027 freiwillig zahlen – ohne Abgaben. Finanziert wird die Maßnahme unter anderem durch höhere Tabaksteuern.

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Rente: Merz‘ Vision und die Realität

Kanzler Friedrich Merz sorgte kürzlich auf einer Konferenz in Marburg für Aufsehen: Die gesetzliche Rente sei nur eine „Basis“, die Bürger müssten stärker privat vorsorgen. Die SPD und Gewerkschaften protestierten – das untergrabe den Sozialstaat.

Die OECD bestätigt den Reformdruck: Das Rentenniveau in Deutschland liegt bei 53 Prozent, deutlich unter dem OECD-Schnitt von 61 Prozent. Eine Kommission soll bis Juni 2026 Vorschläge vorlegen.

Ausblick 2027: Mehr Lohn, höhere Abgaben

Ab Januar 2027 steigt der Mindestlohn auf 14,60 Euro, die Minijob-Grenze auf 633 Euro. Gleichzeitig erhöht sich die Beitragsbemessungsgrenze für die Krankenversicherung um 300 Euro monatlich. Rentner können sich ab Juli 2026 auf eine Erhöhung von 4,24 Prozent freuen.

Die neue Koalition steht vor einem Drahtseilakt: Sie will den Arbeitsmarkt flexibilisieren – etwa durch Änderungen am Arbeitszeitgesetz – und gleichzeitig die Ärmsten vor Armut schützen. Ob das gelingt, wird sich zeigen.

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