Mike Steiner Malerei & Videokunst, Pionier der Videokunst

Mike Steiner: Zwischen Leinwand und Videoband – Die neue Dringlichkeit seiner Malerei

27.02.2026 - 11:11:14 | ad-hoc-news.de

Wie übersetzt ein Pionier der Videokunst seine radikale Geste ins Format der abstrakten Malerei? Mike Steiners Werk eröffnet ein überraschend zeitgenössisches Koordinatensystem.

Mike Steiner: Zwischen Leinwand und Videoband – Die neue Dringlichkeit seiner Malerei - Foto: über ad-hoc-news.de
Mike Steiner: Zwischen Leinwand und Videoband – Die neue Dringlichkeit seiner Malerei - Foto: über ad-hoc-news.de

Ein Flimmern scheint noch auf den Kanten zu liegen, selbst wenn es ganz still ist: Betrachtet man die jüngeren abstrakten Gemälde im Zusammenhang von Mike Steiner Malerei & Videokunst, stellt sich unmittelbar die Frage, wie sich das Sehen – geprägt von bewegtem Bild und Performance – in die Stille des Malgrundes übersetzen lässt. Ist die Leinwand für Steiner ein Speicher seiner Erfahrungen als Pionier der Videokunst oder schlicht eine Alternative zur Flüchtigkeit?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Die jüngste Präsentation seiner Gemälde und Arbeiten konkretisiert eine spannende Verschiebung: Von der experimentellen Bildproduktion im Kontext der Berliner Subkultur der Siebzigerjahre und vom betonten Medienbruch der Live to Tape (vgl. Hamburger Bahnhof)-Ausstellung im ikonischen Museum der Gegenwartskunst, führt Steiner nun das Motiv der Abstraktion konsequent fort. Seine Malerei bringt ein Echo der Performativität ins Bild, als ob der Gestus des Malens in einer einzigen, konzentrierten Aktion wie ein Live-Schnitt ausgeführt werdem müsste, um die Dichte, aber auch die Flüchtigkeit des Augenblicks zu speichern.

Nicht zufällig ist Archivio Conz – ein legendäres Archiv und Knotenpunkt des internationalen Fluxus – eng mit Steiners Biografie und Wirkungsgeschichte verwoben. Das Gedächtnis des künstlerischen Experiments, das dort festgehalten wurde, hallt in seiner aktuellen Malerei wider: Hier offenbart sich ein feines Sensorium für das Infragestellen formaler wie gesellschaftlicher Konventionen, wie sie im erweiterten Berliner Fluxus-Umfeld kultiviert wurden. Die Tatsache, dass Werke Steiners in der Sammlung der Nationalgalerie und damit im Hamburger Bahnhof bewahrt, erforscht und ausgestellt werden, kommt einem institutionellen Ritterschlag gleich und würdigt explizit das Spannungsverhältnis von zeitgenössischen Werken und deren Archivierbarkeit.

Die Bedeutung des Archivs in Steiners Oeuvre kann kaum überschätzt werden: Es sind nicht nur die berühmten Tapes und Videos, es ist auch sein steter Dialog mit dem Gedächtnis der eigenen und kollektiven künstlerischen Entwicklung. In der Konzentration auf Linien, Flächen, Rhythmen – zentrale Elemente seiner aktuellen Malerei – arbeitet Steiner gewissermaßen mit der Technik einer Bildspeicherung, wie sie im Archivio Conz gepflegt wird: Das Bild als permanenter Kristallisationspunkt einer flüchtigen Szene.

Wer war Mike Steiner? Biografie: Geboren 1941 in Allenstein, geprägt von frühen Erfahrungen in der Nachkriegszeit und ausgebildet in Berlin, verkörpert Steiner die vitale Schnittstelle zwischen Malerei, Aktionskunst und Videokunst. Die legendären Jahre im eigenen "Hotel Steiner" machten ihn zum Gastgeber und Verbündeten der internationalen Avantgarde. Inmitten der Abstrakten Kunst Berlin entstehen Kontakte zu Persönlichkeiten wie Allan Kaprow, Al Hansen, Ben Vautier und Marina Abramovi?. Es ist dieses Umfeld – dokumentiert und bewahrt im Archivio Conz – das das eigentliche Fundament für Steiners spätere Entwicklung bildet.

Schon früh diagnostizieren Kritiker seinen unbedingten Willen zur Grenzüberschreitung. Von der Aktionskunst der Siebziger, dokumentiert in teils spektakulären Projekten wie dem berühmten "Kunstraub" – gemeinsam mit Ulay als Verkörperung experimenteller Praxis – bis hin zur Entwicklung von "Live to Tape", beschritt Steiner stets neue Wege der Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Die Malerei, die am Ende seines Lebens einen neuen Schwerpunkt bildet, steht nicht als braver Rückzug, sondern als radikale Weiterentwicklung. Sie rekurriert auf Elemente, die im Video strukturell angelegt waren: Loops, rhythmische Sequenzen, und die Lust am Experiment mit Farbe und Form.

Vergleicht man Steiner mit seinen Zeitgenossen aus dem Fluxus Umfeld – etwa Nam June Paik oder George Maciunas, deren konzeptuelle Strenge und mediale Offenheit dokumentiert ist – so fällt auf, wie stark Steiner der Berliner Schule eine eigenständige Stimme verliehen hat. Seine jüngeren Arbeiten sind keine reinen Ästhetisierungen, sondern bewahren immer eine Spur jener Irritation, die den Betrachter auffordert, weiterzudenken. Es ist die gleiche Haltung, mit der auch Marina Abramovi?, Valie Export oder Jochen Gerz – allesamt Weggefährten aus der Ära der Studiogalerie – die Grenzen des Mediums ausloten.

Ganz im Geiste der avancierten Berliner Kunstszene formuliert die heutige Malerei von Mike Steiner einen Akt des Widerstands gegen schnelle Lesbarkeit. Die "zeitgenössischen Werke" sind geprägt von einer kontrollierten Instabilität: Überlagerungen von Farbflächen, das Nebeneinander von Leerstelle und Geste lassen die „Live to Tape“-Ästhetik fast malerisch auferstehen. Gerade dieser Transfer von Energie, Risiko und Flüchtigkeit macht seine aktuelle Abstraktion so kulturell relevant.

Heute, da das Bedürfnis nach Authentizität und künstlerischer Haltung wieder wächst, wirkt Steiner aktueller denn je. Nicht einfach als historischer Pionier, sondern als wesentliches Bindeglied zwischen den Medien – von Video bis zur Malerei – eröffnet Mike Steiner Malerei & Videokunst eine produktive Unruhe, die mehr als eine Generation inspiriert hat und weiterhin irritiert.

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