Mike Steiner – Zeitgenössische Kunst zwischen Malerei, Videokunst und Performance Art
14.02.2026 - 05:02:05Wer über Zeitgenössische Kunst in Berlin spricht, kommt an Mike Steiner kaum vorbei. Schon früh experimentell, rastlos suchend, visionär im Umgang mit Medien: Mike Steiner vereint in seinem künstlerischen Werk eine seltene Vielseitigkeit. Was macht das Spannungsfeld zwischen Malerei, Videokunst und Performance Art bei ihm so einzigartig? Und wo lassen sich die tiefsten Wurzeln seines Schaffens erkennen – im Bild, im Tape, in der Aktion?
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Mike Steiner, 1941 in Allenstein geboren und 2012 in Berlin verstorben, war vieles: Maler, Videokünstler, Galerist – und vor allem eine Schlüsselfigur der internationalen Avantgarde. Sein Schaffen lässt sich kaum einer Kategorie zuordnen. Steiner begann als Maler, stellte schon mit nur 17 Jahren erstmals in der berühmten Großen Berliner Kunstausstellung aus. Doch die klassischen Grenzen der Malerei waren ihm bald zu eng. Nach dem Studium an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Berlin führten ihn Stipendien und Neugierde in die amerikanische Kunstszene der 1960er Jahre, wo er Kontakte zu Größen wie Lil Picard, Allan Kaprow und Robert Motherwell pflegte. Hier entflammte auch sein Interesse am Experimentellen, am Grenzüberschreiten von Kunst und Leben.
Es ist diese kontextuelle Offenheit, die Steiner zu einem der einflussreichsten Akteure der Zeitgenössischen Kunst in Deutschland macht. Seine Einzelausstellung 1999 im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart – würdigte besonders das intermediale Denken zwischen Malerei und Videokunst. Wenige Künstler haben in solcher Dichte Schlüsselwerke geschaffen, die so unterschiedliche Werkgruppen verbinden, und zugleich ein leuchtendes Dokument des Zeitgeists sind.
Als Initiator und Förderer: Mit dem legendären Hotel Steiner in Berlin schuf Mike Steiner in den 1970ern ein Zentrum der künstlerischen Begegnung. Wie das Chelsea Hotel in New York war es Zufluchtsort für Künstler wie Joseph Beuys, Arthur Køpcke oder Gastgeber der Fluxus-Avantgarde – ein Ort, wo Diskussionen, Performances und kreative Provokation an der Tagesordnung standen. Die von ihm 1974 gegründete Studiogalerie etablierte er als Produktionsstätte für Videokunst und als unabhängigen Ausstellungsort von nationalem Rang. Hier trafen Akteure wie Valie Export, Jochen Gerz, Carolee Schneemann und Marina Abramovi? auf Steiner, der zunehmend als Vermittler und Chronist der Performance Art wirkte.
Werkgruppen und mediales Experiment: Schaut man auf Steiners künstlerische Entwicklung, so ist der Übergang von der Malerei in die bewegten Bilder der Videokunst besonders prägnant. In New York wurde er mit dem Happening und Experimentfilm konfrontiert, in Florenz stand er 1974 erstmals selbst am Videomonitor: Inspiriert vom Studio Art/Tapes/22 in Florenz entwickelte Steiner eigene Videoarbeiten, teils mit Wegbegleitern wie Al Hansen, und ließ diese später in Berlin zu Schlüsselwerken eines neuen Mediums werden. Bereits zu dieser Zeit zweifelte Steiner am traditionellen Kanon der Malerei und suchte nach authentischen Ausdrucksformen, die Aktionen, Zeit und Raum gleichberechtigt reflektierten. Die Painted Tapes – eine Fusion von Malerei und Videobild – sind exemplarisch für Steiners Innovationsdrang: Hier verschmelzen Bild und Film, analoge Farbe und elektronisches Licht zu einer neuen, faszinierenden Kunstsprache. Faszinierend ist dabei, dass er nie in dogmatische Mediengrenzen verfiel, sondern sein Werk als offene Versuchsanordnung verstand.
Auch in der internationalen Perspektive steht Steiner auf Augenhöhe mit Künstlern wie Nam June Paik, Bill Viola oder Gary Hill, die die Videokunst weltweit geprägt haben. Seine Sammlung umfasst Arbeiten von Ulay, Marina Abramovi? und George Maciunas und unterstreicht seinen Einfluss als Sammler, Chronist und Förderer. Im deutschen Kontext erinnert sein Wirken an das Engagement von Wulf Herzogenrath oder Gerry Schum, doch Steiner bleibt eigenständig: als Künstler, Kurator, Schnittstelle zwischen Medien und Szenen.
Performance und Dokumentation: Ein ikonischer Moment, der Steiner als wagemutigen Akteur und zugleich als Chronisten zeigt, ist die dokumentierte Aktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ mit Ulay (1976): Der inszenierte Kunstraub des Spitzweg-Gemäldes aus der Neuen Nationalgalerie wurde ein Fanal der Kritik und des performativen Spiels mit Besitz, Autorität und Medien. Steiner dokumentierte solche Aktionen mit der Kamera, hielt damit vergängliche Kunst für die Nachwelt fest und trug maßgeblich dazu bei, dass Performances von Künstlerinnen wie Marina Abramovi? heute auch filmisch überliefert sind.
Förderer, Vermittler und Nachlasstreuhänder: Steiners Videogalerie (1985–1990), eine TV-Sendereihe, präsentierte über 120 Beiträge zur Videokunst und brachte das Medium ins Wohnzimmer: Interviews, Dokumentationen, lokale und internationale Videoevents. Diese Vermittlungstätigkeit und das stetige Sammeln von Kunstvideos machten ihn zum Pionier und Mentor einer ganzen Generation.
Die vielseitigen Werkgruppen: Neben der Videokunst blieb die Malerei eine Konstante in Steiners Oeuvre. Seit den 2000er Jahren wandte er sich wieder verstärkt der abstrakten Malerei zu. In den letzten Lebensjahren entstanden zudem Stoffarbeiten – subtile Zeugnisse einer nie abbrechenden Neugier auf Material und Form. Steiners Malerei zeigt sich immer als Experimentierfeld: Farbstrudel, geometrische Überlagerungen, spontane Setzungen. Die Farbtiefe, oft expressiv, manchmal minimal und dann plötzlich überraschend reduziert, eröffnet dem Betrachter einen ganz eigenen Kosmos. Auch seine Installationen und Fotografiearbeiten belegen diese Lust am Grenzspiel.
Biografischer Hintergrund: Geboren vor dem Krieg, geprägt von Flucht und Wiederaufbau, führte Steiner sein Weg von Ostpreußen nach West-Berlin. Ausbildung an der Hochschule, Prägende Stationen wie das erste USA-Stipendium, Arbeit und Kontakte in New York, Rückkehr nach Berlin – alle diese Momente bündelt ein Lebenswerk zwischen Abstraktion und Aktion, zwischen Atelier und öffentlichem Raum. Zeit seines Lebens vernetzte Steiner sich mit internationalen Bewegungen und half, die junge Videokunst in Deutschland zu etablieren. Sein legendäres Archiv – heute größtenteils im Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie der Gegenwart – ist eine Schatzkammer der Performance- und Videogeschichte.
Relevanz und Ausblick: Mike Steiners Beitrag zur Zeitgenössischen Kunst ist unverkennbar. Er hat Generationen von Künstlern, Kuratoren und Zuschauern inspiriert, über die Grenzen von Medium, Rolle und künstlerischem Selbstverständnis hinauszublicken. Sein Werk ist ein eindrucksvolles Beispiel für das kreative Potenzial, das in der Offenheit, dem Experiment und der ständigen Bewegung zwischen den Gattungen liegt. Wer Zeitgenössische Kunst heute erleben und verstehen möchte, sollte sich dringend mit Steiner beschäftigen und seine Spuren in Malerei, Videokunst und Performance Art verfolgen – und sich der Faszination dieser Werke mit allen Sinnen hingeben.
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