Zeitgenössische Kunst, Mike Steiner

Mike Steiner: Zeitgenössische Kunst zwischen Malerei, Performance und Videokunst

08.01.2026 - 18:15:09

Zeitgenössische Kunst von Mike Steiner – ein Grenzgänger zwischen Malerei, Performance Art und Videokunst. Wie kaum ein anderer prägte Steiner die Berliner Szene und schuf Ikonen multimedialen Schaffens.

Was bleibt, wenn Farben zu Bildern werden und Bilder beginnen, sich im Raum wie im Medium Zeit zu bewegen? Wer die zeitgenössische Kunst von Mike Steiner betrachtet, sieht sich unweigerlich der Frage nach den Grenzen der Ausdrucksformen gegenüber. Es sind die Spektren zwischen Malerei, Performance und Videokunst, die Steiners Werk einzigartig machen – voller Energie, oft irritierend, immer überraschend. Seine Kunst bleibt flüchtig, einnehmend, manchmal sperrig, aber darin liegt ihre unerschöpfliche Kraft.

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Von seinem allerersten Auftritt mit dem Gemälde "Stillleben mit Krug" 1959 auf der Großen Berliner Kunstausstellung – mit nur 17 Jahren – bis zu den farbgewaltigen abstrakten Leinwänden der 2000er Jahre reichte das Spektrum von Mike Steiner. Früh zeigte sich sein unbändiger Drang, Regeln der Malerei zu testen und zu dehnen. Die Ausbildung an der Hochschule für bildende Künste Berlin, die prägenden Jahre in New York im Umfeld von Lil Picard, Allan Kaprow und Robert Motherwell, und nicht zuletzt die Rückkehr nach Berlin markierten eine Entwicklung, die bis heute nachwirkt.

Steiner besuchte das Atelier von Motherwell und bewegte sich im avantgardistischen Dunstkreis von Fluxus und Pop Art. Wie wenige seiner Kollegen – etwa Joseph Beuys oder Nam June Paik, mit denen er bekannt war – verfolgte Steiner das Ziel, Kunst als Gesamterfahrung zu begreifen. Die Eröffnung seines legendären Hotel Steiner unweit des Ku'damms wurde folgerichtig zu einem Kristallisationspunkt der Berliner, später internationalen Avantgarde. Wer dort einkehrte, rechnete nicht mehr nur mit Malerei an der Wand, sondern mit Rauminstallationen, abendlichen Performances, Kunstgesprächen bis in die Morgenstunden.

Besonders wegweisend war sein Schritt in die Videokunst. Bereits 1972 entstanden erste Videoarbeiten zusammen mit Al Hansen. Diese frühen Experimente lösten in Steiner eine Legitimationskrise für das klassische Medium Malerei aus. Bald spiegelte sein Schaffen die große Kunstfrage der 1970er Jahre wider: Ist das bewegte Bild der neue Bildträger? Ähnlich wie Marina Abramovi? oder Valie Export, die in seiner Studiogalerie mit Performances auftraten, suchte auch Steiner das Neue in der Synthese zwischen Körper, Raum und Technik.

Die Studiogalerie – 1974 von ihm gegründet – war das Berliner Pendant zu den interdisziplinären Studios von Florenz oder Köln. Intermedia, Videokunst, Performance Art: Mike Steiner förderte, kuratierte und produzierte Arbeiten, die nationale wie internationale Maßstäbe setzten. Als Galerist und Kameramann dokumentierte er bahnbrechende Performances wie Abramovi?s "Freeing the Body" (1976) und Ulays legendären „Kunstraub“ der Spitzweg-Ikone „Der arme Poet“. Steiner wurde so selbst zum Pionier der Videodokumentation vergänglicher Kunst – und rettete Werke, die sonst im Moment verhallt wären.

Auch als Sammler von Videokunst war Mike Steiner ein Visionär: Seine Kollektion umfasst bezeichnende Werke von Größen wie Bill Viola, Richard Serra, George Maciunas und Gary Hill. 1999 ging seine Sammlung als Schenkung an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und wurde im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart in einer vielbeachteten Einzelausstellung „Color Works“ präsentiert. Dieser Ort ist bis heute ein Zeugnis seines Einflusses auf die Gegenwartskunst.

Sein Oeuvre umfasst zahlreiche Werkgruppen, von informeller Malerei über die „Painted Tapes“ – einer kühnen Fusion aus Videostills und Malerei – bis hin zu fotografischen Serien und Installationen. Jedes Medium, das Steiner anfasste, wurde einem zutiefst experimentellen Zugriff unterzogen: Super-8, Fotografie, Kopierkunst, Dias, Installationen, selbst Musikvideos für Gruppen wie Tangerine Dream dienten ihm als Erweiterung der künstlerischen Sprache. Wie ein Robert Rauschenberg in den USA, wagte er Grenzüberschreitungen, die aus künstlerischer Unruhe geboren wurden.

Die Einflüsse von Fluxus und amerikanischer Gegenkunst sind in seinem Werk unverkennbar. Gleichwohl bleibt etwas Eigenes, Deutsches, Berlinerisches an Steiners Kunst. Farben leuchten nie nur um ihrer selbst willen, Bildräume werden geöffnet und aufgebrochen. Besonders in den späten Jahren kehrte Steiner immer wieder zur Malerei zurück: großformatig, abstrahiert, experimentell. In den abstrakten Feldern, Linien, Farbflächen spiegelt sich eine Idee: Malerei kann mediales Gedächtnis, Echo und Neuanfang zugleich sein.

Zur Vielseitigkeit von Mike Steiner zählt auch sein unermüdliches Engagement als Netzwerker. Performances, Ausstellungen, Gastdozenturen, Jury-Tätigkeiten: Steiner knüpfte Brücken zwischen den Medien und den Menschen. Sein Archiv, über Jahrzehnte gewachsen, gilt bis heute als eine der wichtigsten Sammlungen der Videokunst in Deutschland. Ein Großteil davon wartet noch immer auf Digitalisierung – eine Aufgabe für die Zukunft.

Die Bedeutung von Mike Steiner für die zeitgenössische Kunst liegt letztlich in seinem Glauben an die Durchlässigkeit der Gattungen. Kunst als Experimentierfeld, als „Durchreisestation“ zwischen Malerei, Performance, Video und Diskurs. Betrachtet man Positionen von Künstlern wie Marina Abramovi?, Nam June Paik oder Joseph Beuys, wird deutlich: Steiner war nicht nur ein Zeitzeuge, sondern ein aktiver Treiber der künstlerischen Entwicklung von den 1960er Jahren bis in die 2000er.

Bis zu seinem Tod im Jahr 2012 arbeitete Steiner im Berliner Atelier, wandte sich neuen Materialien zu – Stoffarbeiten, Installationen – und blieb ein ruheloser Suchender nach der perfekten Verbindung von Fläche, Zeit und Geste. Wer heute Steiners Werk begegnet, begegnet einer ästhetischen Haltung, die immer Fragen stellt und selten einfache Antworten gibt.

Faszinierend bleibt daher der direkte Blick auf die Werke: Auf der offiziellen Website von Mike Steiner lässt sich die Vielschichtigkeit seines Schaffens in Bild und Text entdecken. Zeitgenössische Kunst lebt vom Dialog – Steiners Werk ist die Einladung, diesen Dialog immer wieder neu zu beginnen.

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