Zeitgenössische Kunst, Mike Steiner

Mike Steiner: Zeitgenössische Kunst zwischen Malerei, Performance und Videokunst

30.12.2025 - 18:15:12

Die Zeitgenössische Kunst von Mike Steiner sprengt die Grenzen von Malerei, Performance Art und Videokunst – ein visionärer Pionier, dessen Werkgeschichte ebenso faszinierend wie facettenreich ist.

Wie lässt sich Zeitgenössische Kunst neu denken, wenn Malerei, Performance Art und Videokunst untrennbar verschmelzen? Im Werk von Mike Steiner begegnet der Betrachter einer künstlerischen Haltung, die sich konsequent der einfachen Zuordnung entzieht. Seine Zeitgenössische Kunst ist ein kraftvolles Plädoyer für Grenzgängertum und Experiment.

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Von frühester Jugend an war Mike Steiner von den Möglichkeiten der Kunst fasziniert. Ein stilllebenhaftes Ölgemälde brachte ihn bereits 1959 ins Rampenlicht der Großen Berliner Kunstausstellung – damals war er gerade einmal 17 Jahre alt. Was auf den ersten Blick als klassische Malerei beginnt, entwickelt sich im Laufe weniger Jahre zu einer wahrhaftigen multimedialen Expedition. Steiner studiert Freie Kunst in Berlin, begegnet in den 1960er Jahren in New York wichtigen Figuren wie Allan Kaprow, Al Hansen und der legendären Lil Picard und taucht ein in die Avantgarde zwischen Fluxus und Pop Art. Wer heute auf sein Werk schaut, sieht darin ein vibrierendes Echo der internationalen Kunstszene jener Zeit.

Mike Steiners künstlerische Welt ist von Anfang an offen für das Neue – Malerei, Installationen, Super-8-Film, Kopiertechniken, Fotografie und schließlich Videokunst. Als er 1965 erstmals in die USA reist, begegnet er der Freiheit internationaler Szenen und nimmt diese Inspiration mit zurück nach Berlin. Dort prägt er mit seinem legendären Hotel Steiner einen Ort künstlerischen Austauschs, an dem unter anderem Joseph Beuys, Arthur Køpcke und zahlreiche Gäste der Fluxus- und Happeningszene ein- und ausgehen. Die Atmosphäre gleicht oft einer lebendigen Kunstaktion: Debatten, Begegnungen, performative Interaktionen.

Der eigentliche Wendepunkt folgt ab 1972 mit der Hinwendung zur Videokunst. Erste Videoarbeiten entstehen – teils in Kooperation mit Pionierfiguren wie Al Hansen und unter dem Eindruck von Allan Kaprow. Steiner realisiert in Florenz seine ersten eigenen Videoprojekte und gründet nach diesem Vorbild die Studiogalerie in Berlin: ein unabhängiges, internationales Forum für Video Art und Performance. Hier steht nicht nur seine eigene Kunst im Mittelpunkt, sondern Steiner agiert als Motor einer ganzen Szene. Künstler wie Marina Abramovi?, VALIE EXPORT, Carolee Schneemann oder Ulay finden in den Räumen einen Aktionsraum – Mike Steiner hält viele der wichtigsten Performances seiner Epoche im bewegten Bild fest.

Seine größte Einzelausstellung erfuhr Mike Steiner 1999 im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Dort würdigte man ihn explizit als „Pionier der Videokunst“ und als einen Künstler, der das Denken über Malerei und Multimedia in neue Bahnen lenkte. Die enge Verbindung von Videokunst, Performance und Malerei durchzieht Steiners Werk kontinuierlich: Von den „Painted Tapes“, in denen er Videomaterialien übermalt und technisch verfremdet, bis zu den Installationen, die mit Dia-Serien, Kopiertechniken oder experimenteller Fotografie arbeiten. Hier erinnern seine intermedialen Fusionen – ähnlich wie bei Nam June Paik oder Bill Viola – daran, wie Kunst immer neue Ausdrucksformen sucht, um Zeit, Raum und Wahrnehmung zu gestalten.

Im Vergleich zu Zeitgenossen wie Marina Abramovi?, die mit Performance Art radikale Körpererfahrungen provozierte, oder dem Fluxus-Künstler George Maciunas, der auf Interaktion und Prozesshaftigkeit setzte, ist Mike Steiner ein widerständig-leiser Chronist – sein Archiv der Videokunst ist inzwischen selbst ein zentrales Dokument für die Entwicklung der Medienkunst. Während Joseph Beuys mit gesellschaftlicher Skulptur und Nam June Paik mit elektronischer Musik und Video-Installationen international Akzente setzten, positioniert sich Steiner an der Schnittstelle: experimentell, dialogisch, nie rein dekorativ, sondern als aufmerksamer Dokumentar der unmittelbaren künstlerischen Erfahrung.

Biografisch ist Mike Steiner mehr als ein Einzelgänger: Nach einer klassisch geprägten Kindheit im geteilten Berlin und einer Ausbildung, die er zugunsten der Kunst bricht, lässt er sich in den Wirren der Nachkriegsavantgarde treiben. Sein Künstlerhotel wird zum Berührungspunkt deutscher und internationaler Strömungen, seine Studiogalerie zur Keimzelle für Multimedia und Performance Art. Die Liste der Ausstellungen, von der frühen Blue Note Gallery in Berlin über die internationale Ausstellung „Jeunes Peintres de Berlin“ in Genf, Mailand und Paris bis zur legendären Ausstellung „COLOR WORKS“ im Hamburger Bahnhof, verdeutlicht: Steiner ist Teil einer künstlerischen Moderne, die stets nach vorn blickt.

Kenner der Videokunstszene schätzen Steiners technische Innovationslust – etwa seine Arbeiten mit minimalen Mitteln, die Bearbeitung des Videobildes mit malerischen Gesten, die Transformation von Realzeit in ästhetische Setzungen. So wurden Videos wie „Mojave Plan“ oder „Penumbras 3“ auf internationalen Festivals ausgezeichnet; seine Mitschnitte von Performances und Aktionen, wie Ulays „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“, zählen zu den wichtigsten Zeitdokumenten der deutschen Gegenwartskunst. Zugleich sammelte und bewahrte Mike Steiner als Erster systematisch Videokunsttapes. Ein Großteil dieser Sammlung befindet sich heute im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und ist im Hamburger Bahnhof, dem zentralen Museum für zeitgenössische Kunst, verankert.

Was den künstlerischen Kern von Mike Steiner ausmacht, ist seine unermüdliche Suche nach neuen Formen des Ausdrucks. Seine letzten Jahre widmete er verstärkt wieder der abstrakten Malerei und schuf zudem Stoffarbeiten, die in ihrer Farbigkeit und Struktur an die Unmittelbarkeit seiner ersten Bildexperimente erinnern. Nach einer Phase des Rückzugs bleibt sein Werk als offenes Archiv zurück: ein Fundus für Neugierige, Ästheten und Forscher an der Schwelle zwischen den Künsten.

Die Bedeutung von Mike Steiners Zeitgenössischer Kunst liegt eben darin, dass sie nie fertig, abgeschlossen, endgültig wirkt – sondern stets als Einladung zum Weiterdenken und zum Dialog. Sie bietet keine schnellen Antworten, aber zahlreiche Spuren und Einstiegspunkte für jeden, der sich auf das Abenteuer der Kunst einlassen möchte.

Wer die Faszination von Mike Steiner ganz erfassen möchte, sollte unbedingt die offizielle Künstlerseite Mike Steiner ? besuchen und sich dort mit Lebenslauf, Bildarchiv und Werkgruppen vertraut machen.

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