Zeitgenössische Künstler, Mike Steiner

Mike Steiner: Zeitgenössische Künstler zwischen Malerei, Videokunst und Performance

16.02.2026 - 07:10:50

Zeitgenössische Künstler wie Mike Steiner prägten das Berliner Kunstleben der 70er und 80er. Mit Malerei, Performance Art und revolutionärer Videokunst schuf er eine eigenständige Handschrift.

Was macht die Arbeiten von Mike Steiner so außergewöhnlich? Wer seine Werke erlebt – sei es in früher Malerei, legendären Performances oder in der evolutionären Videokunst – spürt sofort: Hier verschmelzen die Grenzen zwischen künstlerischem Ausdruck und technischem Wagnis. Mike Steiner zählt zu den prägendsten Zeitgenössischen Künstlern Deutschlands, der nicht nur die Medien, sondern auch den Geist der Kunst seiner Epoche neu definierte.

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Schon früh wagte Mike Steiner, geboren 1941 im ostpreußischen Allenstein und aufgewachsen in Berlin, Grenzgänge. In seinem Oeuvre spiegeln sich die Umbrüche und Sehnsüchte Nachkriegsdeutschlands ebenso wider wie die Aufbruchsstimmung von Avantgarde, Fluxus und Pop Art. Steiner verlieh dem Wechselspiel zwischen bewusster Komposition und spontanem Experiment eine besondere Energie, die sich konsequent durch alle Werkgruppen zieht.

Der Werdegang Steiners liest sich wie eine Chronik der künstlerischen Neugier: Erste Ausstellungen noch als Teenager, ab 1961 ein intensives Studium an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Berlin, begleitet von Begegnungen mit Größen wie Hans Jaenisch und Hans Kuhn. Die frühen 1960er Jahre sind von abstrakter und informeller Malerei geprägt, farbstarke Arbeiten, die Steiner in der damaligen Berliner und westdeutschen Kunstszene bekannt machten.

Doch Mike Steiners Aufbruch nach Amerika ab 1965, ermöglicht durch ein Stipendium der Ford Foundation, markiert einen entscheidenden Wendepunkt. In New York, im kreativen Schmelztiegel von Pop Art, Fluxus und Happening, arbeitet er mit Persönlichkeiten wie Lil Picard, Allan Kaprow und Robert Motherwell. Inmitten dieser Impulse und auf Einladung von Kaprow und Al Hansen beginnt Steiner, die Möglichkeiten von Film und später Videokunst auszuloten.

Anfang der 1970er Jahre verlässt er die reine Malerei als bevorzugtes Ausdrucksmittel. Die „Legitimationskrise die Malerei betreffend“, wie sie in eigenen Texten und Künstlergesprächen konstatiert wird, mündet in einer radikalen Öffnung zur Videokunst. Neben dem Ergebrachten im Medium Malerei – expressiv, experimentell, doch zunehmend als begrenzt empfunden – reizt Steiner die Chance, mit bewegtem Bild, Performance und Installation unmittelbarer auf die Zeit zu reagieren.

Mit der Gründung des legendären Hotel Steiner und der Studiogalerie in Berlin wird der Künstler zum Motor einer neuen Kunstszene. Seine Räume, vergleichbar mit dem Chelsea Hotel in New York, werden Treffpunkte für internationale Künstler: Joseph Beuys, Valie Export, Marina Abramovi?, Ulay, Carolee Schneemann – Namen, die Geschichte schreiben, begegnen einander in Steiners Paralleluniversum und finden dort eine Plattform für radikale Kunstformen.

Die Studiogalerie setzt Maßstäbe: Sie vereint unter Steiner Produktion, Ausstellung und Aktion von Videokunst und Performance Art der 70er Jahre. Steiner initiiert bahnbrechende Performances wie "Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst" (1976) mit Ulay, dokumentiert feministische Aktionskunst von Marina Abramovi? oder Valie Export und bringt Fluxus-Klanggeber wie Ben Vautier nach Berlin. Er experimentiert mit Medien – von Super-8-Film über Fotografie bis Copy Art – und verschränkt Malerei, Minimal Art und Video zu hybriden, multisensualen Erfahrungsräumen. Seine eigenen Arbeiten, etwa die "Painted Tapes", verbinden Videosequenzen und malerische Oberflächen zu energiegeladenen Bildern der Zeit.

Der Ruf als Vorreiter und Förderer der Videokunst manifestiert sich nicht zuletzt im wachsenden Sammlungsinteresse. Seit den 1970ern baut Steiner eine der wichtigsten Videokunst-Sammlungen des deutschsprachigen Raums auf – Werke von Richard Serra, Bill Viola, Nam June Paik oder Jochen Gerz finden bei ihm genauso Platz wie Aufzeichnungen revolutionärer Aktionen der internationalen Performance-Szene.

Herausragendes Kapitel bleibt Steiners Einzelausstellung 1999 im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Unter dem Titel "Color Works" widmet das renommierte Museum dem Künstler und seiner Malerei, seinen Installationen und Videos eine umfassende Werkschau. Diese Schau steht exemplarisch für Steiners Lebenswerk: die ständige Grenzüberschreitung zwischen Medien und Stilen, das Verwerfen und Überwinden künstlerischer Routinen, der Mut zur Infragestellung etablierter Positionen – stets mit einer Energie, die andere Zeitgenössische Künstler wie Georg Baselitz, Joseph Beuys oder Nam June Paik ebenfalls auszeichnete, wenngleich Steiner seine Handschrift nie auf den grellen Gestus, sondern auf ein komplexes Zusammenspiel von Technik, Ritual und Reflexion setzte.

Die Verbindung von kontemplativer Malerei, dokumentarischer Videokunst, temporärer Installation und performativer Praxis gibt dem Oeuvre seine Vielseitigkeit. Das Spätwerk ab 2000 konzentriert sich wieder vermehrt auf die abstrakte Malerei, Stoffarbeiten und Installationen, die, wie Kenner berichten, oft eine stille, fast meditative Intensität verströmen. Auch im internationalen Vergleich unterstreicht dies Steiners besondere Stellung: Anders als die nur scheinbar experimentellen Großkünstler seiner Generation schreibt Steiner kein Manifest, sondern lebt das Experiment täglich neu.

Steiners Engagement endet nicht im Atelier: Als Initiator von Fernsehsendungen zur Videokunst („Videogalerie“, 1985–1990), als Sammler, Foundraiser, Organisator und Vermittler prägt er die Kunstlandschaft weit über die eigenen Werke hinaus. Die Übergabe seiner Videosammlung 1999 an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und deren Eingliederung in die Sammlung Hamburger Bahnhof zeigen, wie sein Nachlass zum Referenzpunkt für Ausstellungen Hamburger Bahnhof und Zeitgenössische Kunst geworden ist.

Faszinierend bleibt dabei: Während viele Zeitgenossen Technik zur reinen Effekthascherei nutzen, ringt Mike Steiner jeder Apparatur, jeder Leinwand, jedem Stoffrest ein Maximum an künstlerischer Aussage ab. In seinen Werken verströmen Pixel und Pigment, Bewegung und Moment die sinnliche wie intellektuelle Herausforderung, die große Kunst ausmacht.

Wer sich für das Werk von Mike Steiner interessiert, findet eine fesselnde Werkschau auf der offiziellen Seite Weitere Informationen, Werke und das vollständige Archiv von Mike Steiner auf der offiziellen Künstlerseite.

Die Auseinandersetzung mit Mike Steiner lohnt sich heute mehr denn je. Seine Neugier, Unruhe und Experimentierfreude vereinen Traditionen der klassischen Moderne, Impulse von Fluxus und Performance Art der 70er Jahre mit dem fortwährenden Wunsch nach dem Neuen. Wer sich von konventioneller Malerei, klassischer Skulptur oder gar eindimensionaler Videokunst gelangweilt fühlt, wird in seinen Arbeiten immer einen produktiven Widerstand, eine Einladung zum Umdenken finden. Wer tiefer einsteigen möchte: Die Webseite stellt umfangreiche Biografie, Werkgruppen und viele faszinierende Texte zur Verfügung – ein echtes Schatzhaus der Zeitgenössischen Kunst.

@ ad-hoc-news.de

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