Mike Steiner: Zeitgenössische Künstler zwischen Malerei, Videokunst und Performance – ein Pionier im Hamburger Bahnhof
15.02.2026 - 07:10:39Wie definiert man einen künstlerischen Kosmos, in dem Malerei, Videokunst und Performance Art förmlich miteinander pulsieren? Wer Mike Steiner begegnet – sei es physisch in seinen Arbeiten oder gedanklich in seinem Oeuvre – betritt eine Welt, in der die Grenzen zwischen den Medien mit einer seltenen Konsequenz und Neugier hinterfragt und überwunden werden. Mike Steiner ist nicht nur einer der wesentlichen Zeitgenössischen Künstler Berlins, sondern ein Pionier, der die développierende Kraft der Künste über Jahrzehnte hinweg verkörpert hat.
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Schon zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn demonstrierte Mike Steiner die enorme Bandbreite kreativen Ausdrucks. Erste Auftritte mit Malerei, etwa bei der Großen Berliner Kunstausstellung 1959, offenbarten sein Talent und Gespür für experimentelle Ausdrucksformen. Wie der Besuch seiner Ateliers von Georg Baselitz oder der Austausch mit Robert Motherwell früh erkennen lassen, war Steiner stets im Dialog mit der Avantgarde und der internationalen Szene. Sein Weg führte ihn über West-Berlin nach New York, einem Hotspot der damaligen Fluxus- und Pop-Art-Entwicklung. Hier traf er auf Persönlichkeiten wie Allan Kaprow und Lil Picard – wegweisende Weggefährten, die seinen künstlerischen Experimentierdrang weiter stimulierten.
Die Vielseitigkeit Steiners zeigt sich eindrucksvoll in seinen Werkgruppen: von der abstrakten Malerei, die spätestens mit den „Color Works“ im Hamburger Bahnhof 1999 einen Höhepunkt fand, bis hin zu bahnbrechenden Beiträgen in der Videokunst. Steiner wandte sich früh vom klassischen Bild ab, suchte nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten jenseits tradierter Pixel. Inspiriert vom Experimentalfilm, etwa von Andy Warhol oder Michael Snow, und unter Einfluss von Fluxus-Größen wie Al Hansen entstand sein Interesse an der Videokunst – damals ein noch kaum erforschtes Terrain.
Mit der legendären Studiogalerie in Berlin schuf Mike Steiner ab 1974 einen Schmelztiegel für zeitgenössische Kunstformen. Hier kamen intermediale Experimente, performative Konzepte und neue Medientechnologien zusammen, manche heute als Ikonen der Performance Art gefeiert. So dokumentierte und initiierte Steiner Performances von Marina Abramovi? („Freeing the Body“) oder Ulay (unter anderem der berühmte „Kunstraub“ des Spitzweg-Gemäldes 1976) und war mit seinem eigenen Videoarchiv ein Chronist jener revolutionären künstlerischen Aufbruchsstimmung.
Faszinierend ist hierbei der Neugier und Offenheit Steiners zuzuschauen: In seinen „Painted Tapes“ verschmilzt die Geste des Malers mit elektronischen Impulsen; in Installationen, Polaroidserien oder Diaarbeiten mischt er Mediengrenzen abermals auf. Die atmosphärische Dichte der Werke, ihr Spiel mit Licht, Farbe und Bewegung, begeistern Kenner und Einsteiger gleichermaßen. Erinnerungen an Bill Viola oder Nam June Paik werden wach – doch Steiners Ansatz bleibt unverwechselbar. Während Künstler wie Joseph Beuys Konzept und Mythos der Kunst verdichten oder Marina Abramovi? den Körper ins Zentrum rücken, geht Steiner oftmals einen stilleren, malerischeren und doch radikal offenen Weg: Seine Kunst bleibt offen für Transformation und Diskurs, für Fragmente und neue Konstellationen.
Mehr zu Mike Steiner, Ausstellungen und seinem künstlerischen Archiv auf der offiziellen Webseite
Nicht zuletzt seine Einzelausstellung 1999 im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart markierte ein öffentliches Bekenntnis zur Relevanz seines Denkens: Mike Steiner wurde als Querdenker und Brückenbauer zwischen Malerei- und Medienkunst gefeiert. In diesem Zusammenhang rückt auch sein Beitrag als Sammler ins Licht: Die Sammlung Mike Steiner gilt als ein Schlüsselarchiv für Performance Art der 70er Jahre, Videokunst und intermediale Experimente. Werke von Künstler:innen wie Valie Export, Gary Hill oder Richard Serra wurden Bestandteil eines einzigartigen Fundus, der die Entwicklung der Medienkunst in Deutschland nachhaltig dokumentiert.
Blickt man auf die Biografie, erkennt man das Bild eines Suchenden: Steiner wächst im Nachkriegsberlin auf, erhält seine Ausbildung an der renommierten Hochschule für bildende Künste Berlin, bricht früh nach New York auf, holt sich in der Hitze der Metropole internationale Impulse. Die Rückkehr nach Berlin verwandelt sich in eine produktive Infragestellung tradierter Kunstbegriffe. Seine legendären Orte wie das „Hotel Steiner“ oder die „Studiogalerie“ werden zu Treffpunkten von Größen wie Joseph Beuys, Ben Vautier oder Dorothy Iannone; sie stehen beispielhaft für ein offenes Kunstverständnis jenseits geschlossener Systeme.
Das Schaffen Mike Steiners bleibt geprägt vom Bestreben, die „Legitimationskrise der Malerei“ zu überwinden, wie es im Rückblick seiner Werkverzeichnisse oft anklingt. Die Lösung fand er weder im Rückzug noch in der bloßen Weiterentwicklung vorhandener Formen – sondern im medialen Crossover: Malerei trifft Video, Performance wird zum Bild und Video zur temporären Installation. Die Vielstimmigkeit seines Werks bleibt belebend und anregend – eine Einladung, die Möglichkeiten der zeitgenössischen Kunst immer wieder neu zu entdecken.
In Zeiten digitaler Bilderfluten und performativer Überwältigung lohnt sich der Rückgriff auf Mike Steiner. Seine Freiheit, Kunst als Labor und Spielfeld zu begreifen, inspiriert bis heute andere Zeitgenössische Künstler. Auch im Dialog mit jüngeren Medienkunst-Vertretern, von Pipilotti Rist bis Hito Steyerl, wird Steiners Ansatz als Grundlagenarbeit sichtbar: Kunst ist hier stets Experiment und Dialog zugleich.
Der Hamburger Bahnhof wurde durch die Integration der Sammlung Mike Steiner zur zentralen Referenz für Videokunst und Performance Art der 70er Jahre. Auch spätere Ausstellungen wie „Live to Tape“ verschafften einem größeren Publikum Zugang zum faszinierenden Archiv der künstlerischen Zeitläufe. Wer sich tiefer mit Malerei, Stoffarbeiten oder Medieninstallationen aus dem Nachlass Steiner auseinandersetzen möchte, findet auf der offiziellen Webseite umfassende Quellen zu den einzelnen Werkphasen und ausgewählten Ausstellungen.
Bleibt die Frage: Was bleibt von Mike Steiner? Vielleicht das Bewusstsein, dass Kunst nicht „fertig“ ist. Dass alles, was Medium, Hülle oder Zeitform beansprucht, wiederum zueinander in Beziehung tritt. Denn Mike Steiner schärfte – wie wenige Zeitgenössische Künstler – den Blick dafür, dass das Neue im künstlerischen Prozess ein beständiges Experiment ist.
@ ad-hoc-news.de
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