Mike Steiner: Zeitgenössische Künstler zwischen Malerei und Videokunst – Pionier der Verwandlung
05.02.2026 - 07:10:05Wer einmal in das Universum der Zeitgenössischen Künstler eintaucht, stößt unweigerlich auf einen Namen: Mike Steiner. Seine Werke sind wie Türen in parallele Welten – mal von expressiver Farbe und rhythmischer Struktur geprägt, mal flüchtig und experimentell als bewegtes Bild. Doch wie definiert man eigentlich die Grenzen zwischen Malerei und Videokunst neu, so, wie es Mike Steiner seit den 1970er Jahren getan hat?
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Mikes künstlerischer Werdegang liest sich wie ein Roadmovie durch die wichtigsten Bewegungen der zeitgenössischen Kunnst: Geboren 1941 in Allenstein, aufgewachsen im geteilten Berlin und schon als junger Mensch fasziniert von der Kraft des bewegten Bilds. Seine frühen Anfänge in der Malerei – darunter das Gemälde "Stillleben mit Krug" (1958) – boten ihm Experimentierfeld und Bühne, doch schon bald drängte es ihn hinaus, dorthin, wo neue Ausdrucksformen brodelten.
Im Berlin der Nachkriegsära trieb ihn die Neugier in den Kreis der Kreuzberger Künstlergruppe, bevor er an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste in Hans Kuhns Klasse studierte. Und dann: Der entscheidende Sprung nach New York. Hier war Mike Steiner mittendrin zwischen Pop Art und Avantgarde, lernte Visionäre wie Allan Kaprow, Al Hansen und Robert Motherwell kennen – Namen, die auch Kontext für andere große Zeitgenossen wie Nam June Paik oder Joseph Beuys sind.
Beeinflusst von den performativen, experimentellen Strömungen der 1960er und 70er Jahre, führte Steiner diesen Spirit nach Berlin zurück: Mit der Gründung des Hotel Steiner am Kurfürstendamm 1970 erschuf er einen mythischen Treffpunkt – ein "Home far away from Home" für internationale Künstler. Hier mischten sich Joseph Beuys, Arthur Køpcke und Lil Picard unter die Berliner Bohème, es war ein brodelnder Schmelztiegel, wie ihn auch das berühmte Chelsea Hotel in New York befeuerte.
Doch Steiner wollte mehr als Bühne sein – er entwickelte sich zum Architekten neuer Kunstformen. Früh erkannte er das revolutionäre Potenzial der Videokunst, experimentierte 1972 mit Al Hansen und wurde Teil des legendären Florentiner Studios Art/Tapes/22. Aus dieser Umbruchszeit resultierte bereits ein Zweifel an der Begrenzung klassischer Malerei: Es waren die Möglichkeiten der elektronischen Medien, die ihn überwältigten – Zeit und Raum wurden plötzlich formbar.
Seine wohl bahnbrechendste Initiative für die Entwicklung der Performance Art der 70er Jahre war die Studiogalerie Berlin. Gegründet 1974, wurde sie unter Steiners Leitung zum Pulsgeber der internationalen Performance- und Videokunstszene. Die Technik – Videokameras, Schnittplätze, alles damals unerhört teuer – stellte Steiner bereit und wurde damit nicht nur Produzent, sondern ein Ermöglicher. Künstlerinnen wie Marina Abramovi?, Valie Export, Carolee Schneemann sowie männliche Protagonisten wie Jochen Gerz, Ulay und Allan Kaprow setzten Performances um, die Steiner teils auch selbst auf Band dokumentierte.
Bedeutende Aktionen wie der spektakuläre „Kunstraub“ – Ulay stiehlt das Gemälde Der arme Poet aus der Neuen Nationalgalerie und bringt es in eine türkische Familie nach Kreuzberg – markieren, wie radikale Irritation, soziale Intervention und Kunstgeschichte bei Steiner ineinandergreifen. Die videografische Festhaltung solcher flüchtigen Momente ist entscheidend: Inmitten einer Kunst, die sich klassischer Musealisierung zu entziehen sucht, wird die Kamera zur Chronistin des Augenblicks.
Auch die große Einzelausstellung 1999 im Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie der Gegenwart, hebt Steiners Bedeutung hervor. Die Ausstellung "Color Works" präsentierte eine künstlerische Entwicklung, die nie stehengeblieben ist – sondern sich immer wieder neu erfunden hat. Im Zentrum stand das Zusammenspiel zwischen Malerei, Installationen und Videokunst, sein medienübergreifender Ansatz, der ihn von anderen Zeitgenossen unterscheidet.
Vergleicht man Mike Steiners Wirken mit Künstlern wie Nam June Paik, Bill Viola oder Bruce Nauman, so kristallisiert sich eine Gemeinsamkeit heraus: Die ständige Suche, das Ausweiten des Möglichkeitsraums der Kunst. Bei Steiner jedoch bleibt stets eine stark persönliche Handschrift: Zwischen abstrakter Malerei im Spätwerk, den "Painted Tapes" – einzigartigen Hybridformen aus Video und gemalten Elementen – und frühen Informellen Gemälden entsteht eine unverwechselbare Bildsprache, der immer ein offener, experimentierfreudiger Geist innewohnt.
Seine Arbeiten berühren Fragen von Zeit, Wahrnehmung, Authentizität – Faszinierend ist hierbei die Gleichzeitigkeit von Gattungsgrenzen: Das Malerische schwappt ins Videografische über, das Zeitbasierte infiltriert die Fläche und vice versa. Die Grenze zwischen dokumentierender Kamera und künstlerischem Ausdruck zersetzt sich. In seinem umfassenden Archiv schlägt so auch die Stunde der Nachwelt: Hier sind Zeugnisse von Performances, Interventionen und frühen Videoexperimenten versammelt, darunter Werke von Marina Abramovi?, Ulay und Valie Export.
Die Relevanz von Mike Steiner innerhalb der zeitgenössischen Kunnst liegt nicht zuletzt in seiner Rolle als Vermittler. Nicht nur als Galerist und Kurator – als Produzent der TV-Sendung Videogalerie (1985–1990) holte er die junge Kunst ins deutsche Fernsehen und ließ sie in über 120 Sendungen einem breiteren Publikum zugänglich werden. Seine Zusammenarbeit mit Größen wie Joseph Beuys, den er in enger Freundschaft begleitete, ist Beleg für sein Gespür für Qualität und Innovation.
Steiners Entwicklung in den 1990er und 2000er Jahren – die Hinwendung zur abstrakten Malerei, zuletzt sogar zu Stoffarbeiten – zeigt die Wandlungsfähigkeit eines Künstlers, der nie stehenblieb. Seine letzte kreative Phase war erneut von Farbe, Geste und Komposition bestimmt, jedoch immer als Weiterführung der Frage nach Materialität. Die Ausstellungshistorie listet Beteiligungen im In- und Ausland auf – von Berlin und San Francisco bis Seoul und Riga. Doch es bleibt Steiners Berliner Atelier der Kern seines Schaffens, auch nach Rückzug ins Private infolge eines Schlaganfalls 2006.
Wer sich heute von Mike Steiners Arbeiten inspirieren lässt, sollte nicht vergessen: Seine Werke sind Manifestationen einer gelebten Offenheit für das Ungewisse, eine Einladung, Kunst als etwas Fragiles, Mutiges und immer neu Gedachtes zu begreifen. Sie stehen für das, was Zeitgenössische Künstler in ihrer Essenz ausmacht – Experiment, Austausch, Grenzüberschreitung.
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