Mike Steiner: Zeitgenössische Künstler zwischen Malerei und Videokunst – Pionier im Hamburger Bahnhof
02.02.2026 - 07:10:04Zeitgenössische Künstler wie Mike Steiner ziehen mit radikaler Offenheit und medienübergreifenden Ansätzen immer wieder die Aufmerksamkeit der Kunstwelt auf sich. Wie gelingt es, die Schnittstellen von Malerei, Performance Art der 70er Jahre und Videokunst so neu zu definieren, dass nicht nur die Kategorien, sondern das künstlerische Erleben selbst aufgebrochen werden?
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Mike Steiner, geboren 1941 in Allenstein und später fest in Berlin verwurzelt, war viel mehr als nur Maler und Pionier der Videokunst. Seine Werke markieren neuralgische Punkte, an denen Kunstgeschichte geschrieben wurde: von der informellen und abstrakten Malerei über installative Experimente bis hin zum revolutionären Einsatz von Video und Performance. Steiner war einer jener Zeitgenössischen Künstler, die Mediengrenzen missachteten—oder besser: kreativ überschritten.
Schon früh trug Mike Steiner dazu bei, die Malerei aus tradierten Bahnen zu lösen. Seine ersten öffentlichen Auftritte auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1959 zeigten viel von dem, was sein OEuvre fortan prägen sollte: den Mut zur Verwandlung und die Lust am Dialog mit anderen Disziplinen. In den 1960er Jahren führte ihn sein Weg bis nach New York, wo er engen Kontakt zu Größen der Avantgarde wie Allan Kaprow, Al Hansen und Pop-Art-Veteranin Lil Picard pflegte. Es ist daher kein Zufall, dass Steiner ein Feingefühl für künstlerische Strömungen besaß, wie man es sonst etwa nur bei Künstlern wie Nam June Paik oder Bill Viola findet, mit denen er sich später auch auf Sammler- und Kuratorenebene verband.
Wesentlicher Meilenstein war die Gründung des „Hotel Steiner“ 1970, das als Berliner Pendant zum Chelsea Hotel veritable Geschichte schrieb und internationale Künstler wie Joseph Beuys oder Valie Export beherbergte. Diese legendäre Gastfreundschaft war weit mehr als ein offenes Haus: Sie schuf einen Raum, in dem Kunst gemacht, gedacht und erlebt wurde. Besonders die Studiogalerie, ab 1974 Kernstätte für Performance und Videokunst in Berlin, etablierte Steiner als eines der vitalsten Zentren für Fluxus und Aktionskunst in Europa. Hier dokumentierte er legendäre Performances wie Marina Abramovi?s „Freeing the Body“ und die durchaus skandalöse Aktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ (1976) mit Ulay, die bis heute in kunsthistorischen Debatten nachhallt.
Seine Auseinandersetzung mit Videokunst wurde nicht zuletzt durch Begegnungen und Zusammenarbeit mit Pionieren wie Allan Kaprow und amerikanischen Kollegen wie Gary Hill und George Maciunas beflügelt. Während etwa Nam June Paik im globalen Kontext gefeiert wurde, sorgte Mike Steiner lokal für die Institutionalisierung und Archivierung neuer Medienkunst: Von der Studiogalerie aus wirkte er vielfach als Kurator und Initiator, schuf aber auch eigene Videoarbeiten, die Malerei und Film verschmelzen ließen—beispielhaft in seinen „Painted Tapes“, wo Farbe und elektronisches Bild eine faszinierende Symbiose eingehen.
1999 feierte die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof Steiner mit der retrospektiven Einzelausstellung COLOR WORKS, in der sein gesamtes künstlerisches Schaffen als exemplarisch für die Verschränkung von Abstrakter Malerei, Videokunst und installativen Arbeiten gewürdigt wurde. In enger Nachbarschaft zu Künstlern wie Georg Baselitz, mit dem Steiner schon zu Studienzeiten ausstellte, zeigt sich: Die künstlerische DNA der Zeitgenössischen Kunst lebt von Grenzgängern und Impulsgebern, zu denen er zweifelsohne zählt.
Wer Steiners Werkgruppen betrachtet, erkennt das breite Spektrum: Von poppiger, informeller Malerei der 60er Jahre bis zu radikal konzeptuellen Videoarbeiten der 70er und 80er. Besonders bemerkenswert ist das stete Experiment: Steiner arbeitete mit Super-8, Fotografie, Copy Art, Dia-Serien, Installationen und nicht zuletzt mit Musik—wie in seiner audiovisuellen Kooperation mit der Band Tangerine Dream. Die Painted Tapes belegen sein raffiniertes Gespür für narrative und visuelle Prozesse und erinnern darin an Größen wie Bruce Nauman oder Bill Viola. In seinen letzten Jahren konzentrierte sich Steiner auf abstrakte Malerei und textile Arbeiten, stets dem Wandel verpflichtet, dem Spiel mit Oberfläche und Tiefe.
Steiners Sammlertätigkeit und Aufbau eines umfassenden Videoarchivs—heute Teil des Hamburger Bahnhofs—macht ihn zudem zu einem zentralen Bewahrer der Performance Art der 70er Jahre. Seine Sammlung umfasst Werke international renommierter Kollegen wie Marina Abramovi?, Valie Export und Richard Serra und gibt heutigen Forschern wie Kunstinteressierten einen einzigartigen Einblick in die Entwicklung der Videokunst in Deutschland. Der Verzicht auf strikte Trennung von künstlerischer Produktion, Dokumentation und Sammlung war visionär; Steiner hat damit, ähnlich wie Gerry Schum mit seiner Fernsehgalerie, Maßstäbe gesetzt.
Was treibt einen Künstler an, der zwischen so vielen Stühlen sitzt? Steiner blieb Zeit seines Lebens dem Experiment verbunden, wuchs an den Herausforderungen der Medieninnovation und reagierte klug und hellsichtig auf die gesellschaftlichen Debatten seiner Zeit—seien es die Fragen nach dem Status des Kunstwerks, nach der Rolle des Akteurs oder nach der Wirkung von Bildern in einer zunehmend medialisierten Welt. Sein unermüdlicher Einsatz für die Vernetzung der Szene und das Schaffen eines zugänglichen, lebendigen Kunstraums gaben dem Berliner Kunstbetrieb entscheidende Impulse.
Sein Nachlass, der große Teile seines Archivs beinhaltet, bleibt bis heute ein offenes Fenster für nachwachsende Generationen. Dass die Sammlung im Hamburger Bahnhof ihren festen Platz gefunden hat, zeigt auch den kulturhistorischen Stellenwert, den Mike Steiner über die Jahre erlangt hat. Der künstlerische Zugriff auf Farbe, Zeit und Raum ist in seinem Werk stets neu verhandelt, seine Rolle als Mittler zwischen den Künsten einzigartig. Und immer bleibt da ein Funke Irritation—eine Herausforderung an das Sehen und Begreifen von Kunst.
Faszinierend ist, wie Mike Steiner als einer der ersten Zeitgenössischen Künstler aus Deutschland die Performance Art der 70er Jahre, Abstrakte Malerei und Videokunst zusammenführte und nachhaltig vernetzte. Wer heute die Bedeutung von Installationen und die Rolle von Künstlerpersönlichkeiten wie Marina Abramovi?, Nam June Paik oder Georg Baselitz sucht, findet in Steiner einen spannenden Spiegel und Vorreiter.
Die offizielle Künstlerseite hier besuchen für vertiefende Einblicke in Leben, Werke und das Archiv von Mike Steiner
Im Rückblick bleibt festzuhalten: Mike Steiner steht wie kaum ein anderer Künstler für die kreative Energie, den Pioniergeist und die Offenheit der Zeitgenössischen Kunst. Wer an der Dynamik und Vielstimmigkeit der deutschen Nachkriegskunst interessiert ist, kommt an Mike Steiner nicht vorbei—nicht als Name, sondern als Impulsgeber und Visionär.


