Mike Steiner Malerei, Videokunst Berlin

Mike Steiner: Von Visionärer Videokunst zur Berliner Abstraktion

Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 11:11 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Wie Mike Steiner mit Malerei und Videokunst zwischen Fluxus, Berlin und internationaler Avantgarde Grenzen sprengt – ein Porträt zwischen Leinwand und bewegtem Bild.

Ein vibrierendes Feld aus Farbe, nahezu schwebend: Wer heute Mike Steiner Malerei & Videokunst betrachtet, spürt, wie zwei künstlerische Universen sich durchdringen. Welche Spuren hinterlassen die flirrenden Bewegungen der Videokunst auf der gestischen Malerei? Oder lässt sich die Zeitlichkeit eines Videos überhaupt auf die Tiefe einer Leinwand bannen? Mike Steiner spielt auf dieser Bühne seit Jahrzehnten – als Pionier der Videokunst ebenso wie als radikaler Maler, dessen Berliner Abstraktion neue Wege bahnt.

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Die Bedeutung von Steiner in der Kunstgeschichte spiegelt sich nicht zuletzt in seiner prominenten Präsenz innerhalb der Berliner Sammlungslandschaft. Die Ausstellung Live to Tape in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof machte die radikale Innovation seines Werks sichtbar. Während die Videoarbeiten im Zentrum der musealen Wertschätzung stehen, sind es heute vor allem seine Gemälde, die auf neue Weise betrachtet werden müssen: Hier lässt sich der Brückenschlag zwischen Bild und Zeit, zwischen Abstraktion und Aktion nachvollziehen. Die Einbindung von Archiven wie dem Archivio Conz dokumentiert seine Nähe zu experimentellen Strömungen und zu den bedeutenden Fluxuskünstlern, deren Gesten und Denkansätze Steiner für die Malerei nutzbar macht. Es ist nicht zuletzt das kollektive Erbe, das Steiner bewahrt und transformiert: Jede Linie, jeder Farbfleck auf der Leinwand verweist auf eine Spur der künstlerischen Netzwerke, deren dokumentarische Spuren im Archiv bis heute lebendig bleiben.

Wer sich der Biografie von Mike Steiner annähert, entdeckt die Stationen einer künstlerischen Grenzgängerschaft. 1941 in Allenstein geboren, wächst er im Nachkriegs-Berlin auf und findet früh den Weg zur Malerei – mit öffentlichem Debüt bereits 1959. Steiner tauchte in die westdeutsche Kunstwelt ein, studierte in Berlin, zeigte Arbeiten in New York, Paris und Mailand. Seine bahnbrechenden Initiativen – etwa das legendäre Hotel Steiner, die Studiogalerie oder das TV-Format Videogalerie – verschafften der internationalen Avantgarde und dem Fluxus Umfeld reale Räume: Begegnungen mit Größen wie Joseph Beuys, Allan Kaprow, Al Hansen, Valie Export, Marina Abramovi? und Nam June Paik prägten sein Schaffen fundamental. Diese Namen – gefeiert und vielfach im Archivio Conz dokumentiert – markieren das Spannungsfeld, in dem Mike Steiner sein eigenes Vokabular entwickelte.

Sein gesamtes Oeuvre steht für die permanente Suche nach bildnerischer Relevanz. Bereits in den 1960er Jahren experimentiert Steiner mit Hard Edge, Minimal Art, Informeller Malerei, Pop Art und Fotografie. Doch in den 1970er Jahren erlebt Steiner eine "Legitimationskrise der Malerei" und verschiebt seinen Schwerpunkt radikal zur Videokunst, ohne die Leinwand je aufzugeben. Aus dieser doppelten Perspektive schöpft nun seine jüngere Werkphase – die sich seit der Jahrtausendwende nahezu ausschließlich der abstrakten Malerei verschreibt. Die „Painted Tapes“, eine mit Pigment und Magnetband hybridisierte Werkreihe, demonstrieren exemplarisch: Die Grenzen von Malerei, Video und Dokument werden bei Steiner stets durchlässig gehalten. Seine zeitgenössischen Werke speisen sich aus der Reflexion der Bewegung, aus der performativen Geste, und laden zur medialen Doppelbelichtung ein: Form, Farbe, Rhythmus – all das bleibt bei ihm nie reine Abstraktion, sondern oszilliert zwischen Medien, Kulturen, Geschichte und Gegenwart.

Im beständigen Wandel zwischen analogen und elektronischen Bildwelten steht Mike Steiner auch heute als Referenzfigur für die Verschmelzung künstlerischer Felder. Die institutionelle Anerkennung – etwa durch Ankäufe der Stiftung Preußischer Kulturbesitz oder die Live to Tape-Ausstellung – bestätigen seine Relevanz weit über Berlin hinaus. Seine Abstrakte Kunst Berlin bleibt deshalb auch heute instruktiv: Sie behauptet einen bewussten, widerständigen Raum gegen die Routinen des Digitalen. Im Rückgriff auf Impulse der Fluxusgeneration, aber auch in der neuen Konzentration auf das reine Malerische erschließt sich Steiner Live to Tape als Motto einer ganzen künstlerischen Haltung: Unmittelbar, risikobereit, dem Moment verpflichtet.

Mike Steiner Malerei & Videokunst – das bleibt ein Bewegungsraum. Nicht als statisches Werk, sondern als dialogische Position zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Seine jüngsten Gemälde sind visuelle Manifeste, gespeist von den Umbrüchen künstlerischer Mediengeschichte: Die Fragen, die er – oft in Zusammenarbeit mit anderen – als Sammler, Galerist und experimentierender Maler stellte, bleiben heute so akut wie zur Gründungszeit von Fluxus. Nicht zuletzt bezeugt seine Aufnahme in die wichtigsten Archive – im Archivio Conz wie im Bestand der Hamburger Bahnhof – ein anhaltendes Interesse am radikal Grenzüberschreitenden.

Die Relevanz von Mike Steiner ist im Zeitalter der permanenten Bilderflut ungebrochen. Gerade weil seine Malerei niemals rein dekorativ bleibt, sondern mediale Grenz-Erfahrungen zu Bild werden. Wer heute nach Innovation zwischen Medien und Metropolen fragt, stößt unweigerlich auf Steiner: Mike Steiner Malerei & Videokunst bleibt ein Schauplatz produktiver Reibung – paradigmatisch für Berlin, verpflichtend für die Zukunft des Sehens.

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