Mike Steiner Malerei, Pionier der Videokunst

Mike Steiner: Von der Videokunst zur Malerei – Die Unruhe abstrakter Bilder

28.02.2026 - 11:11:06 | ad-hoc-news.de

Mit „Mike Steiner Malerei & Videokunst“ berührt das Werk eine Schnittstelle, an der die Grenzen zwischen Bildfläche und Bewegtbild verschwimmen. Was bleibt, wenn die Kamera ruht?

Mike Steiner: Von der Videokunst zur Malerei – Die Unruhe abstrakter Bilder - Foto: über ad-hoc-news.de
Mike Steiner: Von der Videokunst zur Malerei – Die Unruhe abstrakter Bilder - Foto: über ad-hoc-news.de

Was geschieht, wenn ein Pionier der Videokunst Pinsel und Leinwand erneut aufnimmt? „Mike Steiner Malerei & Videokunst“ steht heute für eine künstlerische Praxis, die in Berlin begann, doch weit über das Lokale hinausweist. Ist ein Bild nur dann lebendig, wenn es flimmert – oder kann auch das Abstrakte die gleiche visuelle Dringlichkeit erzeugen wie das flüchtige Licht der Videoinstallation?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof unterstreicht durch Ausstellungen wie Live to Tape die Relevanz von Steiner als Pionier der Videokunst. Doch neben den Bändern und experimentellen Performances manifestiert sich sein Werk auch als Sammlung von Gemälden, in denen die Erfahrungen aus Jahrzehnten der Medienreflexion gleichsam eingeschrieben sind. Die kontinuierliche Archivarbeit und das Bewusstsein für Geschichtlichkeit, wie sie unter anderem im Umfeld des Archivio Conz kultiviert werden, verleihen Steiners Oeuvre eine tiefverwurzelte historische Resonanz.

Mike Steiner, geboren 1941 in Allenstein und ab den frühen Sechzigerjahren ein prägender Teil der Berliner Künstlerszene, verkörpert wie wenige den künstlerischen Grenzgang zwischen Medien. Seine Biografie liest sich als Chronik künstlerischer Unruhe: Frühe Ausstellungen, New Yorker Jahre im Umfeld von Hans Kuhn, Lil Picard, Georg Baselitz und dem Fluxus-Kreis. Intensiver Austausch mit Persönlichkeiten wie Allan Kaprow, Al Hansen und Arthur Køpcke – Namen, die der Avantgarde des 20. Jahrhunderts ihren Stempel aufdrückten. Von der Berliner Studienstube in die pulsierende New Yorker Kunstszene: Steiner absorbierte internationale Einflüsse, blieb aber stets dem Experiment verpflichtet.

Dass Steiner zu den zentralen Figuren der Abstrakten Kunst Berlin gehört, zeigen nicht zuletzt seine farbintensiven, rhythmisch angelegten Gemälde der letzten Jahre. Längst hat sich seine Handschrift emanzipiert: Aus dem investigativen Blick des Videochronisten wurde eine eigene Form von malerischer Präsenz, in der die evokative Kraft der gestischen Bewegung mit einer fast musikalischen Kompositionslogik verschmilzt. Die „Painted Tapes“, hybride Bildobjekte zwischen Video und Malerei, markieren die Schnittstelle einer Entwicklung, in der sich die technische Erfahrung mit einer offenen Farbarchitektur verbindet. Die Gemälde wirken wie Standbilder aus imaginären Performances, Relikte eines im Werden begriffenen Kunstprozesses.

Bemerkenswert ist, wie Steiner seinen Weg aus der unmittelbaren Dokumentation des Flüchtigen – Performances etwa von Marina Abramovi?, Ulay, Valie Export – zurückführt zu einer Malerei, die sich als Akt der ruhigen, konzentrierten Gegenüberstellung versteht. Während seine Videokunst vor allem das Ephemere betont, erschaffen die Gemälde nun einen Raum kontemplativer Dauer. Dennoch bleibt das Element des Experiments, das Prinzip des Zufalls, erhalten – im Stil wie im Material. So sind die Werke nie reine Kompositionen, sondern immer auch ein Echo der Ereignisse, der künstlerischen Netzwerke und Dialoge der 1970er und 80er Jahre, tief verankert im Fluxus Umfeld und den in den Archiven überlieferten Narrativen dieses künstlerischen Kosmos.

Diese Entwicklung wurde in wichtigen Ausstellungen sichtbar, u.a. Live to Tape im Hamburger Bahnhof, die Steiners Doppelfunktion als Künstler und Sammler der Videokunst herausstellt – doch die jüngeren Präsentationen konzentrieren sich zunehmend auf sein „zeitgenössisches Werk“ als Maler. So zeigt etwa die radikale Bewegung von der Performance zum Pigment auch einen Prozess der Selbstbefragung und Neuverortung in der Kunstgeschichte. Die jüngsten abstrakten Arbeiten, deren faszinierende Oberflächenstruktur und energetische Dichte sich im aktuellen Showroom offenbaren, stehen symptomatisch für eine Rückbeziehung auf das autonome Bild – bei gleichzeitig andauernder Reflexion des Medialen.

Steiners Spätwerk belegt: Die Linie zwischen bewegtem Bild und unbewegtem Feld ist durchlässiger denn je. Seine Malerei ist kein Rückzug, sondern eine Fortsetzung unter anderen Vorzeichen – ein dialogisches Verhältnis von Stille und Aktion, Improvisation und Bewusstsein für das künstlerische Gedächtnis. Gerade im Dialog mit seiner Vita, den internationalen Dialogen und den Impulsen des Fluxus-Netzwerks, wird daraus ein singulärer Beitrag zur Kunst der Gegenwart.

So steht Mike Steiner Malerei & Videokunst heute beispielhaft für eine generationenübergreifende Fragestellung: Wie werden die Bilder weitergegeben – in Sammlungen, in Archiven, in Institutionen wie dem Hamburger Bahnhof, aber eben auch in der physischen Präsenz der Leinwand? Steiner gelingt es, dieses Spannungsfeld sichtbar zu machen und die Geschichte der Kunst nicht nur fortzuschreiben, sondern als offenen Prozess zu entwerfen.

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