Mike Steiner: Vom bewegten Bild zur abstrakten Malerei – ein Berliner Pionier neu gesehen
26.02.2026 - 11:11:04 | ad-hoc-news.de
Verwirren uns Farben je so sehr wie Bilder, die sich ihrer Bewegung beraubt zeigen? Wenn man den aktuellen Arbeiten von Mike Steiner begegnet, scheint die Grenze zwischen der Malerei und der Videokunst zu zerfließen: Mike Steiner Malerei & Videokunst wird zu einem Sondenflug entlang der medialen Ränder. Warum aber sollte gerade ein Pionier der Videokunst heute wieder die statische Leinwand suchen?
Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken
Die Kunstwelt kennt Mike Steiner als radikalen Initiator – doch kaum jemand kann das Gespür seiner Malerei fassen, ohne das Wissen um sein vielschichtiges Werk der Video- und Performancekunst im Hamburger Bahnhof. So wie die "Live to Tape"-Ausstellung der Nationalgalerie demonstriert, ist die Relevanz seiner Werke nicht bloß museal, sondern quelloffen. Denn Steiners Bilder sind das Destillat jahrzehntelanger intermedialer Forschung: Jede Farbfläche ist Spätfolge eines Lebens, durchzogen von experimenteller Technik, performativer Geste und künstlerischem Risiko. Archive wie das Archivio Conz sichern das Material, dokumentieren die Spuren eines Netzwerkes, in dem Steiner mit Persönlichkeiten wie Joseph Beuys, Allan Kaprow, Al Hansen und Nam June Paik agierte – historische Tangenten, die das Berliner Kunstklima prägten.
Mike Steiner (1941–2012) war mehr als ein Chronist, mehr als nur der Gastgeber legendärer Künstlerhotels und Studiogalerien. Als eigensinniger Geist im „Fluxus Umfeld“ und inmitten der „Abstrakten Kunst Berlin“, verband er bereits ab den 1960er-Jahren die Rolle des Malers mit der des Medien-Pioniers, vermittelte internationale Avantgarden, förderte Performance und Video – und behauptete sich als wandernder Schnittpunkt zwischen Kontinenten. Kontakt zu Lil Picard, Robert Motherwell oder Valie Export strukturierte sein frühes Werk wie auch den späteren Sprung vom bewegten in das festgehaltene Bild. Während seine frühen Leinwände im Dunstkreis der Nachkriegsmalerei standen, setzte das Experimentieren mit dem Medium Video neue Ankerpunkte. Die "Painted Tapes": ein Grenzgänger-Format zwischen Malerei und Magnetband. Die Fluxus-Bewegung, dokumentiert etwa im Archivio Conz, lieferte den intellektuellen Resonanzraum: Hier entstanden nicht nur Werke, sondern Konzept, Netzwerk, Sammlung und Austausch zugleich.
Diese biografische Verflechtung teilt Steiner mit anderen Protagonisten seiner Generation: Joseph Beuys, mit dem er nicht nur das Hotel Steiner, sondern eine kritische Vision von Kunst teilte; Allan Kaprow, Vater des Happenings; Marina Abramovi?, Ulay, Carolee Schneemann – alles Gäste, Komplizen, Performer oder Dokumentierte seiner legendären Studiogalerie. Doch während viele von ihnen im Medium Video oder Happening verweilten, kehrte Mike Steiner in den Nullerjahren zurück zur Malerei. Die "Color Works" und späteren Abstraktionen zeigen eine neue Materialität, in der alle Erfahrung der Zeitgenössischen Werke und der "Live to Tape Ausstellung" sedimentiert wirkt. Seine aktuelle Malerei, wie sie im digitalen Showroom präsentiert wird, verweigert sich nostalgischer Rückblende: Sie ist aktuelle Reflexion, Nachhall von Performance, geronnenes Experiment. Das Unmittelbare der Kamera macht Platz für die Langsamkeit der Trocknung, den haptischen Widerstand von Leinwand und Farbe.
Warum bleibt dieser künstlerische Rückgriff relevant? Die Antwort liegt im Spannungsfeld zwischen Flüchtigkeit und Dauer, zwischen elektronischem Signal und pigmentierter Oberfläche. Wenn Archive und Institutionen wie Hamburger Bahnhof oder Archivio Conz Steiners Œuvre bewahren, tun sie dies nicht, um Traditionslinien zu zementieren, sondern um die produktiven Widersprüche in Steiners Werk offenzuhalten. Die Transformation vom bewegten Bild zur Malerei markiert eben kein Scheitern eines Mediums, sondern dessen Überbietung: Steiner strebte danach, die radikale Veränderlichkeit der Kunst in jedem neuen Material neu auszuloten.
So kehren wir zurück zum Anfang: Mike Steiner Malerei & Videokunst steht für einen Künstler, der konsequent die Grenzen auslotete. Seine Berliner Abstraktionen, ausgestellt als Zeitgenössische Werke, sind keine nostalgische Randnotiz; sie manifestieren die Gegenwart eines Lebens, das Kunst stets als offenen Prozess verstand.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.

