Zeitgenössische Kunst, Videokunst

Mike Steiner und die Grenzen der Zeitgenössischen Kunst – Vom Maler zum Videopionier

03.01.2026 - 18:15:08

Zeitgenössische Kunst erfuhr durch Mike Steiner neue Dimensionen: Von abstrakter Malerei zu bahnbrechender Videokunst, beschritt er Wege, die bis heute nachhallen.

Wo endet Malerei, wo beginnt das bewegte Bild – und kann diese Grenze nicht ein einziger Künstler durch sein neugieriges Forschen immer wieder verschieben? Mike Steiner, Name und Synonym für Innovation in der Zeitgenössischen Kunst, beantwortete diese Fragen mit Werken, die Gattungsgrenzen nicht nur in Frage stellen, sondern genüsslich aushebeln. Ein Schaffen, das zwischen vitaler Malerei, kompromissloser Videokunst und Performance Art oszilliert – und in jeder Form die Lust am Experiment spürbar macht.

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Die Karriere von Mike Steiner, geboren 1941 in Allenstein und verstorben 2012 in Berlin, ist reich an Wendungen, Brücken und Brüchen. Steiner startete als Maler und brillierte bereits mit 17 Jahren auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1959 mit einem expressiven Stillleben. Seine Ausbildung an der Hochschule für bildende Künste Berlin, die Erfahrungen im pulsierenden New York der 60er-Jahre – eingeführt von Persönlichkeiten wie Lil Picard, inspiriert von Pop Art, Happening und Fluxus – etablierten ihn früh als einen Grenzgänger zwischen Disziplinen.

In Berlin gründete Mike Steiner 1970 das inzwischen legendäre Hotel Steiner – ein Treffpunkt und laborartiger Schmelztiegel für internationale Avantgarde-Größen, darunter Joseph Beuys, Arthur Køpcke, Marina Abramovi?. Hier entstand das Klima, das Steiners Entwicklung zur multimedialen Künstlerpersönlichkeit prägte: Offenheit, Improvisation, Austausch auf Augenhöhe.

Ein Meilenstein für die Berliner Szene war 1974 die Gründung der Studiogalerie, als Produktions- und Ausstellungsraum für Videokunst und Performance Art. Inspiriert vom New Yorker Fluxus-Umfeld (Al Hansen, Allan Kaprow, Ulay), brachte Steiner Künstlerinnen wie Valie Export, Carolee Schneemann und Jochen Gerz nach Berlin – und stand zugleich hinter der Kamera, um ihre ephemeren Aktionen als Videokunst festzuhalten. Berüchtigt: Die mit Ulay inszenierte Aktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ – ein manifest gewordener Kunstraub der Konzeptkunst.

An dieser Schnittstelle verortet sich das Herzstück von Mike Steiners Werk: Performance Art, abstrakte Malerei, experimentelle Videokunst und Installationen – stets getragen vom Willen, Mediengrenzen zu verschieben und neue Formen der Kunstvermittlung zu schaffen. Seine Painted Tapes, als Fusion aus Malerei und elektronischer Bildwelt, illustrieren die kreative Bandbreite – das Zusammendenken analoger und digitaler Ästhetik setzte Maßstäbe. Der Einfluss von Ikonen wie Nam June Paik oder Bill Viola ist greifbar, doch Steiner bleibt unverwechselbar im Umgang mit Farbe, Zeit und Raum.

1999 widmete der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart Mike Steiner seine größte Einzelausstellung: COLOR WORKS zeigte retrospektiv, wie sein intermediales Denken das Verständnis von Zeitgenössischer Kunst mitgeprägt hat. Die Videosammlung, die Steiner selbst seit den 1970er-Jahren anlegte, ist ein Schlüsselarchiv der internationalen Videokunst und dokumentiert das Schaffen ganzer Generationen – von Marina Abramovi?, Richard Serra bis George Maciunas.

Vergleiche mit Künstlern wie Joseph Beuys – bei dem die soziale Plastik als Handlungsfeld galt – oder Nam June Paik, Pionier der Fernsehkultur als Kunstform, führen schnell zu Steiners einzigartiger Position: Er war nicht nur Künstler, sondern auch Ermöglicher, Kurator, Moderator. Wie Gerhard Richter oder Bruce Nauman verband er malerische Strenge mit konzeptueller Offenheit und experimenteller Spielfreude.

In der Entwicklung seines Gesamtwerks zeigt sich ein nie endender Wandel: Von den informellen Malereien der 1960er, über die iconic Videoproduktionen der späten 1970er („Freeing the Body“ mit Marina Abramovi?), bis zu späten, farbintensiven Installationen und abstrakten Gemälden in den 2000er-Jahren. Die stetige thematische Neugier, die Überwindung technischer, wie gedanklicher Schranken zeichnet ihn aus.

Biografisch prägten Steiner seine Kindheit im geteilten Berlin, die frühen künstlerischen Impulse durch Lehre im Filmkopierwerk und intensive Ausbildung in Malerei, Reisen in die USA und das Netzwerk internationaler Kunstfreunde. Die Montage unterschiedlicher Erfahrungen wurde zu seinem Markenzeichen. Seine Entscheidung, später Werke ausdrücklich als „Mike Steiner“ zu signieren, betonte seine eigenständige Position noch einmal.

Das Vermächtnis Steiners ist ein offenes Archiv – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Ein Großteil seiner gesammelten Videokunst wurde der Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben, beherbergt im Hamburger Bahnhof. Noch heute inspiriert die undigitalisierte Fülle seines Nachlasses Forscher, Kuratoren und Künstler weltweit, weil sie das kreative Klima und die künstlerische Energie einer ganzen Ära atmet.

Was bleibt, ist ein Oeuvre, das sich der Einordnung verweigert und doch mit jeder Faser am Puls der Zeit schlägt: Malerei, die zum Video wird, Performance, die zum Akt der Selbstbefragung mutiert, Installationen, die den Raum erneuern. Mike Steiner hat die Zeitgenössische Kunst in Deutschland und darüber hinaus entscheidend geprägt – als Pionier des Dialogs zwischen Bild, Bewegung und Betrachter.

Eine Begegnung mit seinem Schaffen ist und bleibt ein Entdeckungsprozess. Wer das Werk von Mike Steiner wirklich verstehen will, sollte in die digitalen Räume seiner Archive und die originalen Ausstellungen eintauchen – und sich so ein eigenes Bild machen.

Weitere Informationen, Bildmaterial und Werkverzeichnisse zu Zeitgenössische Kunst von Mike Steiner finden Sie auf der offiziellen Künstlerseite

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