Mike Steiner und die Avantgarde der Zeitgenössischen Kunst: Pionier zwischen Malerei, Videokunst und Performance
26.01.2026 - 05:02:52Wie lässt sich Zeitgenössische Kunst neu denken, wenn ein Lebenswerk zwischen Farbe, Performance und bewegtem Bild pulsiert? Wenige Künstler verkörpern diese Grenzüberschreitung so kompromisslos wie Mike Steiner. Seine Werke sind weder starr noch endgültig – vielmehr entsteht unter seinen Händen eine Kunst, die stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen ist. Mike Steiner entfesselte seit den 1960ern eine Dynamik, die in der internationalen Kunstszene bis heute leuchtet.
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Mike Steiner ist ein Wegbereiter: Von seiner frühen abstrakten Malerei bis hin zur Initiation performativer Kunst- und Videoformate hat er immer den Dialog zwischen Medien gepflegt. Bereits mit 17 Jahren debütierte er bei der Großen Berliner Kunstausstellung. Früh lotete er die Grenzen der Malerei aus, bevor ihn die Aufbruchsstimmung des New Yorker Kunstmilieus, mit Figuren wie Allan Kaprow und Robert Motherwell, zu neuen Experimenten inspirierte. Dies führte in den 1970er Jahren zu legendären Schaffensräumen wie dem Hotel Steiner – einem Berliner Treffpunkt der internationalen Avantgarde – und der Studiogalerie, die innovative Formate wie Performance Art und Videokunst nach Deutschland brachten.
Charakteristisch für Steiners Werk ist seine radikale Offenheit. In der Malerei bevorzugte Steiner einen informellen, expressiven Ansatz, ließ Farbraum und Fläche miteinander verschmelzen. Zu Beginn stand die gestische, abstrahierende Malerei im Zentrum, beeinflusst von Größen wie Georg Baselitz oder Karl Horst Hödicke, mit denen er in den 1960er Jahren gemeinsam ausstellte. Immer wieder stellte er dabei die Malerei selbst in Frage – eine „Legitimationskrise“ der Malerei, wie sein Archiv bezeugt, die letztlich zum Bruch mit exklusiv malerischen Ausdrucksmitteln führte.
Parallel dazu begann Steiner, sich den performativen und medialen Künsten zu öffnen. Mit der Studiogalerie wurde Berlin zum Hotspot für Videokunst, Performance Art und Fluxus. Hier entstanden bahnbrechende Aktionen – etwa die spektakuläre Zusammenarbeit mit Ulay und Marina Abramovi? (u. a. „Freeing the Body“, 1976) oder Carolee Schneemanns feministische Performances. Steiner initiierte, dokumentierte und sammelte diese Kunstformen auf Video; das Medium selbst wurde unter seiner Kuratel zum künstlerischen Werkzeug und Archiv kollektiver Erinnerung. Auch in internationalen Kontexten zählte Mike Steiner zur Speerspitze – vergleichbar mit Video- und Performance-Pionieren wie Nam June Paik oder Joseph Beuys, mit dem ihn eine produktive Freundschaft verband.
Besonders bekannt wurde Steiner mit der revolutionären Videosendung „Die Videogalerie“ (1985–1990) im Kabelpilotprojekt Berlin. Über 120 Sendungen zeigten Einblicke in die ungefilterte Gegenwart der Videokunst. Er wurde zu einer zentralen Drehscheibe im künstlerischen Netzwerk, moderierte, produzierte, sammelte – und schuf so eine der wichtigsten Sammlungen von Videokunst in Europa. 1999 vermachte er seine Videosammlung, darunter Werke von Valie Export, Bill Viola, Richard Serra und Gary Hill, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Seitdem ist sie ein Kernbestandteil der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, was 1999 in einer imposanten Einzelausstellung gipfelte.
Doch Steiner blieb nie beim Format stehen. Während seiner „Painted Tapes“-Periode verschränkte er Malerei und Video auf innovative Weise. Bildflächen wurden zu elektronisch schwingenden Oberflächen, die Malerei in die Zeitlichkeit der Videokunst übersetzt. In den 1990er und 2000er Jahren rückte wieder die Malerei ins Zentrum seines Werks. Die späten abstrakten Kompositionen und Stoffarbeiten zeigen einen Künstler, der selbst nach Jahrzehnten nie zur Routine fand, sondern bis zum Ende neue Ausdrucksmöglichkeiten suchte.
Künstlerisch ist Mike Steiner vielleicht am ehesten als Grenzgänger oder Katalysator zu beschreiben: Er bleibt nie beim Offensichtlichen stehen, sondern entdeckt in jedem Medium ungeahnte Potenziale. Im Vergleich zu Künstlern wie Marina Abramovi?, Allan Kaprow oder Valie Export, die jeweils Medium und Körper auf ihre Weise radikalisierten, erschafft Steiner verbindende Räume zwischen klassischer Malerei, Performance Art und der medialen Welt der Videokunst.
Wenig verwunderlich also, dass Ausstellungen wie „COLOR WORKS 1995–1998“ im Hamburger Bahnhof einen Bogen von Steiners frühen Gemälden bis zu seinen multimedia Experimenten spannten. Im Zentrum stehen stets Fragen nach Wahrnehmung, Materialität und Identität des Mediums. Seine Werke wirken offen, vielstimmig und geben dem Betrachter Raum, sich auf irritierende, oft mehrdeutige Erfahrungen einzulassen.
Biografisch schlägt Mike Steiner einen einzigartigen Bogen: Von Ostpreußen nach West-Berlin, vom jüngsten Aussteller der Großen Berliner Kunstausstellung bis zum legendären Förderer und Dokumentar künstlerischer Avantgarden. Die Begegnung mit Protagonisten von Pop Art, Fluxus und Happenings in New York und Berlin – darunter Lil Picard, Al Hansen und Allan Kaprow – prägte seinen interkulturellen Ansatz. Steiner wirkte als Künstler, Sammler, Veranstalter, Dokumentarist und unermüdlicher Netzwerker. Sein Archiv, die Nachlasspflege und seine Rolle bei der Bewahrung vergänglicher Kunstformen unterstreichen seine Bedeutung weit über das eigene Werk hinaus.
Faszinierend bleibt die Experimentierfreude, mit der Steiner die künstlerische Forschung immer wieder neu entzündete. Ob in Fotografie, Copy Art, Installationen oder der Kombination von Video und Malerei: Der Wille, die Mittel zu erweitern und zu throughbrechen, bestimmt sein Lebenswerk. Mithilfe von Installationen, etwa in Ausstellungen wie „AUGENFUTTER BILDERFRESSER“ (2023), und stetig neuen Werkgruppen demonstriert Steiner die ungebrochene Relevanz der zeitgenössischen Kunst als aktiven Prozess.
Fazit: Mike Steiner ist ein Ausnahmephänomen der Zeitgenössischen Kunst. Seine unerschöpfliche Lust am Grenzgang und sein Mut, Medien und Gattungen zu verschränken, haben die deutsche und internationale Kunstlandschaft nachhaltig geprägt und inspiriert. Wer heute das Spannungsfeld zwischen Malerei, Performance und Video sucht, findet in Steiners Werk eine Schatztruhe der Möglichkeiten. Allen, die sich für moderne Kunst öffnen, sei ein vertiefender Blick auf die offizielle Webseite von Mike Steiner und in sein digitalisiertes Œuvre empfohlen – entdecken Sie eine Kunst, die nie stillsteht.
Mehr Informationen, Werkverzeichnis und Bilder zu Mike Steiner finden Sie auf der offiziellen Seite


