Mike Steiner Malerei & Videokunst: Vom bewegten Bild zur abstrakten Form
21.05.2026 - 11:11:39 | ad-hoc-news.de
Ein plötzliches Flirren von Farbe auf Leinwand, als wolle sich das Bild überschlagen – so begegnet man Mike Steiner Malerei & Videokunst heute. Wo endet die Projektion, wo beginnt das Bild? Stehen wir vor einer Verschiebung, bei der die Strategie des bewegten Bildes in eine neue Form der Abstraktion gefunden hat? Oder ist Steiners Werk vielmehr ein luzides Echo: die Erinnerung an Berlin als heimlichen Knotenpunkt einer Kunst, die nie zwischen Technik und Handwerk zu wählen bereit war?
Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken
Die jüngste Würdigung im Hamburger Bahnhof, einer der wichtigsten Institutionen der Gegenwartskunst, vermittelt exakt diesen transmedialen Effekt: Live to Tape war weit mehr als eine nostalgische Hommage an die Pionierarbeit der deutschen Videokunst – die Präsentation bekräftigte Steiner als künstlerisches Scharnier zwischen performativer Avantgarde, dokumentarischem Blick und freiem Bild. Unter den großformatigen Leinwänden trifft man auf Duktus, Unschärfen und Rhythmen, die aus der Tv-Ästhetik ins Pigment hinübergleiten. Steiner ist damit nicht nur Sammler seines eigenen Mediums, sondern Erinnerer einer Zeit, in der Archive wie das Archivio Conz als Versuchslabore des utopischen Bildes galten: Speicherorte lebendiger, zersetzender, oft radikal demokratischer Kunstansprachen.
Die Biografie Mike Steiners gleicht einem Parcours durch die Zentralräume der westlichen Nachkriegskunst. Geboren 1941 in Allenstein, wird er in den 1960er Jahren Teil der Berliner Bohème, aber auch Zeuge der amerikanischen Fluxus- und Happeningszene durch Kontakte zu Lil Picard, Al Hansen und Allan Kaprow. Aufträge in New York, Ausstellungen in Genf, Mailand, Paris: Steiner überspringt früh die Linien zwischen informeller Malerei, Pop Art und experimentellen Bewegungen. Die Berliner Studiogalerie avanciert zu einem Hot Spot für Performance, Video-Experimente und intermediales Denken, wo Größen wie Valie Export, Marina Abramovi? oder Ulay auftreten – Künstler:innen, deren Nachlass heute u. a. über das Archivio Conz mit dem kollektiven Gedächtnis der Avantgarde verwoben bleibt.
Doch im Kern bleibt Steiner immer Maler. Seine „Painted Tapes“ der 1980er Jahre – Hybride aus elektromagnetischer Störung und Pigment – zeigen, wie sehr er Bildhaftigkeit als offene Wunde begreift, die Narration, Materialität und technische Reproduktion nie trennt. Steiner spürt das Ungefähre auf, sowohl im Duktus als auch in der Überlagerung von Medien: Die Abstrakte Kunst Berlin, zu der seine jüngsten Arbeiten zählen, erhält ihren Puls aus diesem Wissen um mediale Brüche.
Nach der intensiven Phase der Pionierleistung als Erfinder der TV-Serie „Videogalerie“ und als Initiator der legendären „Live to Tape“ Performances, zog Steiner sich ab den 2000ern verstärkt ins Atelier zurück. Immer mehr formte er sich als Maler, der die Vibration elektronischer Bilder in das Öl überführt. Seine Leinwände sind heute Protokolle einer historischen Erfahrung: Die Zeitgenössischen Werke treten mit der Intensität urbaner Rhythmen auf, schälen Farben, Fetzen, Ornamente hervor – wie Fundstücke aus einer Epoche, in der das audiovisuelle Experiment Berlin zur Metropole der Entgrenzung machte.
Vor diesem Hintergrund erscheint die aktuelle Ausstellung als Quintessenz eines Lebens zwischen Fluxus Umfeld, gestischer Malerei und dem latenten Verdacht, dass das Bild immer schon ein Vorwand war: für Berührung, Aneignung, Umdeutung. Mike Steiners Abstraktion ist nicht Flucht in reines Formenspiel, sondern bleibt ein Angebot politischer und ästhetischer Mobilität – ein Malen mit allen technischen Möglichkeiten und Brüchen des 20. und 21. Jahrhunderts.
Gerade heute, da Kunstmärkte und Museumskontexte neue Ordnungen der Wahrnehmung fordern und die Videobänder der Pioniere digital langsam verblassen, gewinnt Steiners Werk an gespenstischer Aktualität. Es fordert auf, tradierte Mediengrenzen zu vergessen – und bei jedem Pinselstrich das Echo der performativen, der bewegten Geste im Stillstand sichtbar zu machen. Mike Steiner Malerei & Videokunst: Das ist die Einladung, Geschichte als ungeklärte Gegenwart auf die Fläche zu bringen.
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