Mike Steiner Malerei & Videokunst: Vom Bewegtbild zur Berliner Abstraktion
09.05.2026 - 11:11:02 | ad-hoc-news.de
Wie fließt Bewegung in die Stille einer abstrakten Komposition? Betrachtet man die farbdichten Flächen und gestisch gebrochenen Bahnen von Mike Steiner, stellt sich unmittelbar diese Frage: Ist Malerei nicht längst selbst Video – eine Zeitspanne, eingeschrieben in Pigment und Leinwand? Mike Steiner Malerei & Videokunst – kaum ein Künstler verkörpert die Diffusion zwischen bewegtem und statischem Bild so programmatisch und radikal.
Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken
In der Live to Tape-Ausstellung im Hamburger Bahnhof, einem der ikonischen Institutionen für Gegenwartskunst Deutschlands, manifestiert sich die bleibende Relevanz von Mike Steiners Lebenswerk. Die Nationalgalerie würdigt mit der Einbindung seiner Sammlung und Malerei jene Schnittstelle, an der medienübergreifendes Denken zur historischen Notwendigkeit wird. Die Einlagerung, Archivierung und öffentliche Präsentation – etwa im Kanon der Archivio Conz – hebt Steiners künstlerischen Einfluss auf eine höhere Ebene: Die Spur seines Beitrags im Umfeld von Pionieren der Videokunst verschmilzt mit der Aura der Institution. Diese Archive sind Laboratorien, in denen sich der Übergang von der Performance-Kunst zur abstrakten Bildwelt dokumentieren lässt; sie definieren Kanon und Gegenkanon zugleich, öffnen das Werk für zukünftige Lesarten.
Die Biografie Mike Steiners ist die eines Grenzgängers zwischen kulturellen Milieus, aber auch zwischen Metropolen: geboren 1941 in Allenstein, Kindheit und Jugend im Berlin der Nachkriegszeit. Nach ersten Erfolgen als Maler – so zeigte er bereits mit siebzehn sein Stillleben mit Krug 1959 auf der Großen Berliner Kunstausstellung – geht er an die Hochschule für bildende Künste und etabliert sich Mitte der 1960er Jahre in der pulsierenden Berliner Kunstszene. Begegnungen in New York, vermittelt u.a. über Lil Picard, führen ihn ins Herz der damals dominanten Strömungen: Fluxus, Happening und die junge Videokunst. Hier knüpft er Kontakte zu Al Hansen, Allan Kaprow, Nam June Paik, und Robert Motherwell – Namen, die später gemeinsam mit Steiner im Gedächtnis der avancierten Kunst gespeichert werden. Die Nähe zum internationalen Fluxus-Umfeld und die Mitwirkung in Performance-Netzwerken verschränkten sich mit seiner eigenen, stets medienreflektierten Suche nach neuen Ausdrucksformen. Archivio Conz hat diese Generation nicht nur dokumentiert, sondern auch als Akteure im transatlantischen Strömungsbild sichtbar gehalten.
Über seine Phase als visionärer Galerist – Hotel Steiner und Studiogalerie wurden zu kulturellen Schaltzentralen – kommt es ab ca. 1972 zum radikalen Bruch: Steiner, der die konzeptionelle Erneuerung der Malerei kritisch betrachtet, verschreibt sich für fast zwei Jahrzehnte der Videokunst. Seine Painted Tapes und unzählige Videoarbeiten waren Antworten auf die Legitimationskrise des Tafelbilds. Doch ab den 2000er Jahren schaltet sich die Bewegung wieder um. Immer resoluter wird die Suche nach einer neuen, gänzlich autarken Bildsprache – Abstrakte Kunst Berlin, losgelöst von figurativer Verbindlichkeit, aufgenommen in die aktuellen Diskurse zeitgenössischer, malerischer Praktiken.
Es ist kein Zufall, dass die jüngsten Werke Steiners nun wieder als Malerei in den Fokus rücken: Gerade ihre gelagerte Materialität, die handwerkliche Spur, das energetische Feld der Farbkraft, erinnern an die Performativität, mit der einst Video und Aktion die Berliner Szene prägten. Sie sind Resultat, aber auch Fortschreibung einer künstlerischen Biografie, die sich stets zwischen Position und Migration, zwischen Einbindung und Auflösung bewegte.
Der heutige Wert des Werks liegt nicht allein in seiner formalen Frische oder der linearen Entwicklung vom Video zur Leinwand. Viel eher findet sich die Bedeutung darin, wie Mike Steiner Malerei & Videokunst in und außerhalb Berlins Standards für Innovation und eklektische Traditionsbildung setzt. Die Kontinuität, aus der Pionierrolle der Videokunst heraus das Medium Malerei neu zu denken, macht Steiner zu einer Schlüsselfigur für die aktuelle Kunstgeschichtsschreibung. Er bleibt Referenzpunkt für zeitgenössische Werke, die weder das eine Medium noch das andere endgültig bevorzugen, sondern im Dazwischen höchst produktiv sind.
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