Microvast: 34,2-Prozent-Einbruch nach Quartalszahlen
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 02:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gestern hat sich die rechtliche Lage für das Technologieunternehmen Microvast Holdings weiter zugespitzt. Zahlreiche spezialisierte Anwaltskanzleien erinnerten Investoren an die bevorstehende Frist für die Ernennung eines Hauptklägers in einer bereits eingereichten Sammelklage wegen Wertpapierbetrugs. Aktionäre, die zwischen dem 1. April 2025 und dem 16. März 2026 Anteile erworben und dabei Verluste erlitten haben, müssen bis zum 21. September 2026 handeln.
Vorwürfe wegen irreführender Margenziele
Im Kern der rechtlichen Auseinandersetzung stehen Vorwürfe gegen das Unternehmen und einzelne Führungskräfte, den Kapitalmarkt über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit getäuscht zu haben. Laut Medienberichten werfen die Kläger Microvast vor, die angestrebten Bruttomargenziele künstlich überhöht dargestellt zu haben. Zudem sollen Angaben zum Zeitplan für die Erweiterung des Standorts Huzhou (Phase 3.2) nicht der Realität entsprochen haben.
Besondere Aufmerksamkeit erlangte in diesem Zusammenhang ein Bericht von Grizzly Research, der bereits am 25. Juni 2025 veröffentlicht wurde. Darin wurde dem Unternehmen vorgeworfen, operative Kennzahlen geschönt zu haben. In der Folge geriet die Aktie immer wieder unter Verkaufsdruck. So verlor das Papier am 1. August 2025 nach dem Bekanntwerden eines Wechsels auf dem Posten des Finanzvorstands (CFO) knapp 10 Prozent an Wert.
Finanzieller Rückschlag durch Huzhou-Verzögerungen
Die Situation eskalierte am 16. März 2026, als Microvast die Ergebnisse für das vierte Quartal 2025 vorlegte. Die Zahlen blieben weit hinter den Erwartungen zurück: Statt des am Markt erwarteten Konsenses von 136,4 Millionen US-Dollar belief sich der Umsatz lediglich auf 96,5 Millionen US-Dollar — ein Rückgang von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Kanzleien Kaplan Fox und Pomerantz weisen darauf hin, dass die Bruttomarge im selben Zeitraum auf lediglich 1 Prozent einbrach, nachdem zuvor deutlich höhere Werte kommuniziert worden waren.
Zusätzlich belastete eine Wertberichtigung auf Vorräte in Höhe von 32,5 Millionen US-Dollar das Ergebnis. Das Unternehmen räumte in diesem Zusammenhang ein, dass es zu Verzögerungen beim Ausbau der Phase 3.2 in Huzhou sowie bei der Einführung neuer Produkte bei Kunden gekommen sei. Am Tag nach dieser Veröffentlichung brach der Kurs der Aktie um 34,2 Prozent ein.
Anleger rüsten sich für Sammelklage
Die juristischen Vertreter argumentieren, dass Microvast die Risiken im Zusammenhang mit dem Bestandsmanagement und die wahren Gründe für die Verzögerungen in der Produktion nicht ausreichend in den Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC offengelegt habe. Investoren fordern nun Schadensersatz für die Kursverluste, die durch die schrittweise Aufdeckung dieser Missstände entstanden sind.
An der Börse hinterließ die Nachrichtenkette tiefe Spuren. Das Papier markierte am gestrigen Dienstag ein neues 52-Wochen-Tief bei 0,6510 €. Damit notiert der Wert nur noch 3,38 % über diesem Jahrestiefstand. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie einen massiven Wertverlust von 71,68 %. Die Unsicherheit über den Ausgang der juristischen Verfahren und die operative Schwäche belasten das Vertrauen der Marktteilnehmer weiterhin schwer. Anleger beobachten nun genau, ob das Management bis zum Ende der Frist im September eine Strategie zur Stabilisierung der Margen präsentieren kann.
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