Microsoft, Teams

Microsoft Teams: Standort-Tracking startet nur mit Zustimmung

03.01.2026 - 11:00:12

Microsoft rollt das umstrittene Standort-Feature für Teams aus – aber nur auf freiwilliger Basis. Nach massivem Druck aus der DACH-Region entschärfte der Konzern seine Pläne zur digitalen Überwachung.

Die Funktion zeigt Arbeitgebern an, ob ein Mitarbeiter im Büro oder im Homeoffice arbeitet. Ursprünglich sollte sie automatisch aktiv werden, sobald der Laptop das Firmen-WLAN erkennt. Jetzt liefert Microsoft die Software standardmäßig deaktiviert aus.

Die entscheidende Wende: Nur wenn der Nutzer explizit zustimmt, teilt Teams den Standort mit. Diese “Opt-In”-Lösung gilt als direkter Erfolg für Datenschützer und starke Betriebsräte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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In Unternehmen mit Betriebsrat ist die Lage klar: Die Aktivierung des Trackings unterliegt der zwingenden Mitbestimmung. Eine einfache Anordnung der Geschäftsführung reicht nicht aus. Sie muss eine Betriebsvereinbarung aushandeln.

Doch was passiert in Firmen ohne diese Vertretung? Hier bleibt die Freiwilligkeit zwar oberstes Gebot. Arbeitsrechtler warnen aber vor einem schleichenden Druck. Könnten Mitarbeiter, die ihre Privatsphäre schützen, bald unter Generalverdacht geraten?

Die Technik gibt den Nutzern zumindest formal die Kontrolle. Administratoren können das Feature zwar freischalten, die finale Freigabe der Standortdaten erfolgt aber auf dem Gerät des einzelnen Beschäftigten.

So funktioniert die Technik im Detail

Um Mythen vorzubeugen: Das Feature arbeitet primär mit der WLAN-Infrastruktur.
* Im Büro: Verbindet sich das Gerät mit einem bekannten Firmen-Access-Point, kann der Standort wie “Gebäude A, 3. Stock” angezeigt werden – vorausgesetzt, der Nutzer hat zugestimmt.
* Im Homeoffice: Hier erscheint nur der Status “Remote” oder ein selbst gewählter Arbeitsort. Eine präzise GPS-Ortung in den eigenen vier Wänden ist laut Microsoft nicht vorgesehen.

Datenschutz-Aktivisten sehen dennoch Risiken. Werden diese Daten über Monate gesammelt, entstehen detaillierte Bewegungsprofile. Dann wird sichtbar, wer wann im Büro ist und wer die Homeoffice-Regeln konsequent nutzt.

Ein europäischer Sonderweg im Überwachungsstreit

Der Kompromiss fällt in eine hitzige Debatte. Viele Konzerne drängen auch 2026 auf mehr Präsenz, während Beschäftigte ihre gewonnene Flexibilität verteidigen. Die “Opt-In”-Lösung ist ein europäischer Sonderweg.

In den USA sind weitreichende “Bossware”-Tools oft Standard. In der DACH-Region zwingen die DSGVO und strenge Arbeitsgesetze Tech-Riesen zu datenschutzfreundlichen Anpassungen. Microsofts Rückzieher beim automatischen Tracking belegt die Wirkung dieser Regeln.

Droht nun eine Zweiklassengesellschaft? Auf der einen Seite die “Sichtbaren”, die ihren Standort teilen und womöglich punkten. Auf der anderen die “Unsichtbaren”, die auf Privatsphäre pochen – vielleicht mit Karriererisiken.

Was Beschäftigte jetzt wissen müssen

Mit dem Rollout in den kommenden Wochen sollten Arbeitnehmer wachsam sein. Erwarten Sie Anfragen zur Aktivierung, oft verpackt als Hilfe für “Teamkoordination” oder “Raumbuchung”.

Prüfen Sie solche Bitten kritisch. Im Zweifel kontaktieren Sie Ihren Betriebsrat oder den Datenschutzbeauftragten. Die technische Möglichkeit zur Überwachung ist da. Der Schlüssel liegt – vorerst – in Ihrer Hand.

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