Microsoft Copilot Checkout: Der große Griff nach dem E-Commerce
13.01.2026 - 23:30:12Microsoft will den Online-Handel revolutionieren – und drängt mit einem neuen KI-Kassensystem direkt in die Bezahlabwicklung. Auf der Einzelhandelsmesse NRF 2026 in New York demonstriert der Tech-Riese Copilot Checkout, eine in Zusammenarbeit mit dem Finanzdienstleister Stripe entwickelte Lösung. Sie ermöglicht es, Einkäufe komplett im Chat mit der KI abzuwickeln, ohne auf die Webseite des Händlers zu wechseln. Damit startet Microsoft einen direkten Angriff auf den etablierten E-Commerce.
Die Kerninnovation ist simpel, aber folgenreich: Der gesamte Kaufprozess – von der Produktsuche bis zur Zahlungsbestätigung – läuft in einem einzigen Chat-Fenster ab. Nutzer in den USA können auf Copilot.com bereits Produkte von ausgewählten Partnern wie Urban Outfitters oder Etsy-Händlern entdecken und kaufen. Unterstützt wird das System von einer Allianz aus Zahlungsdienstleistern, darunter Stripe, PayPal und Shopify.
Für Händler hat der Schritt Vorteile: Sie bleiben rechtlich der Verkäufer, behalten die Kundendaten und die direkte Kundenbeziehung. Shopify-Händler werden nach einer Opt-out-Frist sogar automatisch in das Programm aufgenommen. Microsoft positioniert sich so als Vermittler, nicht als Konkurrent.
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Stripe als heimlicher Strippenzieher: Sicherheit durch Tokens
Die entscheidende Technologie im Hintergrund liefert Stripe. Das Unternehmen stellt die sichere Zahlungsinfrastruktur bereit. Herzstück ist das Agentic Commerce Protocol (ACP), ein offener Standard, den Stripe mit OpenAI entwickelte.
So funktioniert die sichere Abwicklung: Entscheidet sich ein Nutzer zum Kauf, erscheint ein Stripe-Checkout im Chat. Nach der Eingabe der Zahlungsdaten generiert Stripe einen Shared Payment Token. Dieser Token – nicht die echten Kartendaten – wird an den Händler weitergeleitet, um die Transaktion abzuschließen. Das schützt die sensiblen Daten sowohl vor der KI als auch vor dem Verkäufer selbst. Händler profitieren zudem von Stripes Betrugserkennung, selbst wenn sie normalerweise einen anderen Zahlungsanbieter nutzen.
Mehr als nur Kassieren: Microsofts Strategie für den KI-Handel
Copilot Checkout ist nur die Spitze des Eisbergs. Microsoft baut ein ganzes Ökosystem für den KI-gesteuerten Handel auf. Ein weiterer Baustein sind Brand Agents für Shopify-Händler. Diese vorgefertigten KI-Assistenten können auf der eigenen Webseite eingesetzt werden, sind auf den Produktkatalog trainiert und kommunizieren im Markenton.
Zudem erweitert Microsoft die Copilot Studio-Plattform um spezielle Vorlagen für den Einzelhandel. Ein „Katalog-Anreicherungs“-Agent hilft etwa dabei, Produktattribute automatisch aus Bildern zu extrahieren und Listen zu optimieren. Ein „Shop-Betriebs“-Agent soll Verkaufsmitarbeitern per Sprachbefehl Zugriff auf Lagerbestände und Richtlinien geben.
Kampf der Ökosysteme: Microsoft gegen Google und OpenAI
Mit seinem Vorstoß begibt sich Microsoft mitten in einen strategischen Wettlauf. Konkurrent OpenAI hat mit „Instant Checkout“ bereits eine ähnliche Funktion in ChatGPT eingeführt. Auch Google arbeitet an agentenbasierten Kassensystemen. Im Hintergrund tobt ein Standardkrieg: Während Microsoft und OpenAI auf das Stripe-Protokoll (ACP) setzen, entwickelt Google angeblich einen konkurrierenden Standard.
Microsofts Trumpfkarte sind seine langjährigen Beziehungen zu Großhändlern, die bereits auf Azure-Cloud-Dienste und Business-Software setzen. Die Integration des Bezahlvorgangs in die allgegenwärtige Copilot-KI könnte den Tech-Konzern zu einem zentralen Gatekeeper im digitalen Handel machen – eine Position, um die auch andere Tech-Giganten kämpfen.
Wird der Chat zum neuen Schaufenster?
Die Demonstration auf der NRF zeigt: Der E-Commerce steht vor der nächsten großen Wende. Microsoft und seine Partner setzen darauf, dass der konversationale Handel zum primären Vertriebskanal wird. Für Händler eröffnet sich ein neuer, hochintentionaler Weg zu Kunden genau im Moment der Produktentdeckung. Für Verbraucher verspricht es einen nahtloseren Einkaufsfluss.
Die Grenze zwischen Stöbern und Kaufen verschwimmt. Wenn sich diese Technologie durchsetzt, könnte sie nicht nur Bezahlvorgänge, sondern das gesamte Erscheinungsbild digitaler Ladengeschäfte und die Kundenbindung nachhaltig verändern. Die Weichen für diese Zukunft werden jetzt gestellt.
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