Micron Aktie: HBM4-Chips für Nvidia-Anwendungen ausgeliefert
26.05.2026 - 22:25:56 | boerse-global.deUBS hat das Kursziel für Micron Technology von 535 auf 1.625 Dollar angehoben — ein Sprung um 204 Prozent. Damit setzt die Schweizer Bank das höchste Kursziel, das derzeit an der Wall Street für den Speicherchip-Konzern kursiert. Die Aktie reagierte prompt: Sie kletterte am Dienstagmorgen um mehr als 16 Prozent und markierte bei 872 Dollar ein neues Allzeithoch. Aktuell notiert das Papier bei 772,80 Euro, ein Plus von 14,56 Prozent auf Wochensicht.
Kurzzeitig überschritt die Marktkapitalisierung die Billionen-Dollar-Schwelle. Micron wäre damit vorübergehend das elftgrößte börsennotierte US-Unternehmen gewesen — hinter Eli Lilly, vor Walmart.
Langfristige Lieferverträge ändern die Spielregeln
Analyst Timothy Arcuri begründet die Neubewertung mit strukturellen Veränderungen im Speichermarkt. Künstliche Intelligenz treibt eine neue Ära: Kunden schließen Lieferverträge über drei bis fünf Jahre ab, mit festen Volumenzusagen und teilweise fixierten Preisen. Ein erheblicher Teil der DDR-Volumina ist bereits zu Konditionen leicht unter dem aktuellen Niveau gebunden.
Arcuri erwartet, dass der Markt Micron künftig mit einem „normaleren" Bewertungsmultiple versehen wird, sobald die Auswirkungen der KI-getriebenen Nachfrage klarer werden. Seine Prognose: Der Gewinn je Aktie soll zwischen 2027 und 2029 jährlich über 100 Dollar liegen. In diesem Zeitraum rechnet UBS mit einem kumulierten Free Cashflow von mehr als 400 Milliarden Dollar.
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Die Bank hob ihre Gewinnschätzungen für die Kalenderjahre 2027 bis 2029 deutlich an. Das Signal: Der aktuelle KI-Superzyklus im Speichergeschäft hat Ertragskraft weit über den kurzfristigen Horizont hinaus.
Breite Analystenzustimmung
UBS steht nicht allein. CFRA bekräftigte seine Kaufempfehlung und hob das Zwölfmonatsziel auf 900 Dollar an. Begründung: stärkere Erträge und Cashflows für die Geschäftsjahre 2026 und 2027, getrieben durch KI-Nachfrage und Kundenvorauszahlungen. Citigroup zog nach und erhöhte das Ziel von 425 auf 840 Dollar. Die Bank verweist auf aggressive DRAM-Preiserhöhungen und einen verlängerten Aufwärtszyklus bei DRAM und High-Bandwidth-Memory bis mindestens 2027.
HSBC und Melius Research gingen noch weiter: Beide setzten das Kursziel auf 1.100 Dollar. Melius beschreibt Micron als „Bottleneck-Player" im KI-Ökosystem, der langfristig Marktkapitalisierung von traditionellen Softwarekonzernen und Teilen der Magnificent Seven abziehen könnte.
Rekordergebnis im zweiten Quartal
Die Analystenwelle folgt auf konkrete Zahlen. Micron meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 23,86 Milliarden Dollar — gegenüber 8,05 Milliarden im Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 12,20 Dollar. Der Nettogewinn sprang von 1,58 auf 13,79 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge verdoppelte sich nahezu: von 37 auf 74 Prozent. Treiber waren höhere Durchschnittspreise und sinkende Fertigungskosten.
Es war das vierte Rekordquartal in Folge. Für das laufende Quartal stellt Micron rund 33,5 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, bei einem bereinigten Gewinn je Aktie von etwa 19,15 Dollar.
HBM-Kapazität ausverkauft, HBM4 bereits in Produktion
Micron hatte bereits mitgeteilt, dass die High-Bandwidth-Memory-Kapazität für 2026 vollständig ausverkauft ist. Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Die nächste Generation, HBM4, läuft bereits vom Band.
CEO Sanjay Mehrotra bestätigte den Abschluss des ersten strategischen Fünfjahresvertrags mit einem Kunden. HBM4 wird bereits in größeren Stückzahlen für Nvidia-Anwendungen ausgeliefert. Das Management rechnet damit, dass die Angebotsknappheit über das Kalenderjahr 2026 hinaus anhält. Gleichzeitig beobachtet Micron einen Trend zu längerfristigen Vertragsstrukturen, die Planungssicherheit und Geschäftsstabilität verbessern sollen.
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Politischer Rückenwind und Marktumfeld
Präsident Trump lobte Micron am Freitag auf einer Kundgebung für Investitionen in Höhe von „Hunderten Milliarden" in die US-Wirtschaft. Am Dienstag stiegen die US-Aktienindizes auf Rekordhochs, gestützt durch Optimismus über Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran. Das hob die Risikobereitschaft über alle Sektoren hinweg.
Marvell Technology verzeichnete zehn aufeinanderfolgende Wochengewinne. Micron und der Philadelphia Semiconductor Index legten in sieben der vergangenen acht Wochen zu.
Bewertungsdebatte verschärft sich
Nicht alle Beobachter teilen die Euphorie. In den vergangenen drei Monaten verkauften Insider Aktien im Wert von 54 Millionen Dollar. Käufe wurden nicht gemeldet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 35,46 — deutlich über dem Fünfjahresmedian von 20,72.
Sobald das Angebot an Speicherprodukten mit der Nachfrage Schritt hält, könnte die Begeisterung abkühlen. Vorausschauende Investoren könnten verkaufen, bevor die Knappheit vollständig endet. Bis dahin hat das UBS-Upgrade Micron den stärksten Einzeltages-Katalysator des Jahres 2026 geliefert.
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