Meyer, Werft

Meyer Werft: Gericht entscheidet über Kündigungen wegen Arbeitszeitbetrugs

08.03.2026 - 14:10:23 | boerse-global.de

Das Arbeitsgericht Lingen entscheidet über die Rechtmäßigkeit fristloser Kündigungen bei Meyer Werft. Das Urteil wird zum Präzedenzfall für Zeiterfassung in Großprojekten.

Meyer Werft: Gericht entscheidet über Kündigungen wegen Arbeitszeitbetrugs - Foto: über boerse-global.de
Meyer Werft: Gericht entscheidet über Kündigungen wegen Arbeitszeitbetrugs - Foto: über boerse-global.de

Ein Dutzend Mitarbeiter soll während der Bauarbeiten an der „Disney Adventure“ Arbeitsstunden betrogen haben. Nun prüft das Arbeitsgericht Lingen, ob die fristlosen Kündigungen rechtens sind. Das Urteil wird wegweisend für die gesamte Industrie sein.

Streit um Arbeitszeiten bei Mega-Projekt

Der Konflikt entstand im Zuge eines der größten Schiffbauprojekte Deutschlands. Für den Bau des Riesenschiffs „Disney Adventure“ in der Werft in Wismar mussten regelmäßig Fachkräfte vom Stammwerk in Papenburg an die Ostsee pendeln. Diese logistische Herausforderung ist nun zum juristischen Minenfeld geworden.

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Im Dezember 2025, zeitgleich mit der Übergabe des Schiffs, zog die Werftleitung die Reißleine. Sie warf zwölf Mitarbeitern vor, ihre Arbeitszeitaufzeichnungen für die Pendelfahrten und Einsätze manipuliert zu haben. Die Konsequenz: fristlose Kündigungen wegen schwerwiegenden Vertrauensbruchs. Ein Vorwurf, der im deutschen Arbeitsrecht als besonders gravierend gilt.

IG Metall geht in die Offensive

Zehn der Gekündigten wehren sich mit Kündigungsschutzklagen vor dem Arbeitsgericht Lingen. An ihrer Seite steht die mächtige IG Metall. Die Gewerkschaft stellt sich schützend vor die Arbeiter und unterstreicht die hohen Hürden für außerordentliche Kündigungen.

Die Beweislast liegt nun vollständig bei Meyer Werft. Das Unternehmen muss dem Gericht zweifelsfrei nachweisen, dass der Betrug vorsätzlich geschah und das Arbeitsverhältnis unwiderruflich zerstört ist. Die Verteidigung der Arbeiter dürfte sich auf die Grauzone zwischen Reise- und Arbeitszeit konzentrieren. In einem komplexen, zweiständigen Großprojekt seien Unklarheiten oder Fehler schließlich vorprogrammiert – und nicht zwingend böswillig.

Brisanz: Besonderer Kündigungsschutz

Zwei der angeklagten Mitarbeiter heizen den Rechtsstreit zusätzlich an: Es handelt sich um Jugend- und Auszubildendenvertreter. Diese genießen nach dem Betriebsverfassungsgesetz einen besonderen Kündigungsschutz. Ihre Entlassung erfordert die Zustimmung des Betriebsrats.

Doch genau diese Zustimmung verweigerte der Meyer-Werft-Betriebsrat. Die Werftleitung sah sich deshalb gezwungen, ein Zustimmungsersetzungsverfahren zu beantragen. Das Gericht muss nun entscheiden, ob der Vorwurf des Arbeitszeitbetrugs schwerwiegend genug ist, um das Veto des Betriebsrats zu überstimmen. Eine Entscheidung mit Signalwirkung für die Mitbestimmung in Deutschland.

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Staatliche Rettung schärft den Compliance-Druck

Der harte Kurs der Werftleitung ist kein Zufall. Seit dem 400-Millionen-Euro-Rettungspaket von Bund und Land Niedersachsen im September 2024 steht das Unternehmen unter besonderer Beobachtung. Der Staat hält nun 80 Prozent der Anteile.

Als staatlich gestütztes Unternehmen steht Meyer Werft unter enormem Druck, Sparsamkeit und lückenlose Compliance zu demonstrieren. Jeder Verdacht auf finanzielle oder operative Unregelmäßigkeiten muss rigoros verfolgt werden. Die Null-Toleranz-Strategie bei den angeblichen Zeitbetrugsfällen sendet daher ein klares Signal an die Eigentümer – riskiert aber den innerbetrieblichen Frieden.

Urteil mit Breitenwirkung für die Industrie

Bis Ende März 2026 wird das Arbeitsgericht Lingen sein Urteil fällen. Die Entscheidung reicht weit über die zwölf betroffenen Arbeitsverträge hinaus. Sie wird einen wichtigen Präzedenzfall schaffen für die Erfassung von Arbeitszeiten bei mobilen Einsätzen und in mehrstänischen Großprojekten.

Sollte das Gericht die Beweislage für unzureichend halten, müsste Meyer Werft die Arbeiter möglicherweise wieder einstellen und Nachzahlungen leisten. Die internen Zeiterfassungssysteme stünden dann auf dem Prüfstand. Ein Sieg der Werft hingegen würde ihren strikten Compliance-Kurs bestätigen und könnte zu flächendeckenden Überprüfungen führen. Eines ist sicher: Der Fall unterstreicht, wie essenziell transparente und technologisch robuste Zeiterfassung in der modernen Industrie geworden ist.

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