Merz fordert radikalen Schnitt: Arbeitszeitgesetz komplett abschaffen?
16.01.2026 - 06:00:12
Bundeskanzler Friedrich Merz will das deutsche Arbeitszeitgesetz abschaffen. Sein Vorstoß entfacht eine Grundsatzdebatte zwischen Wirtschaft und Gewerkschaften und stellt die Regierungskoalition vor eine Zerreißprobe.
Der Kanzler überraschte diese Woche auf einem Neujahrsempfang der Wirtschaft mit einer radikalen Forderung: Statt staatlicher Vorgaben sollen künftig allein die Tarifparteien über Arbeits- und Pausenzeiten entscheiden. Für viele Unternehmer ist das eine lang ersehnte Liberalisierung. Sie erhoffen sich mehr Flexibilität im globalen Wettbewerb.
Doch was bedeutet dieser Plan für die Arbeitnehmer? Die Gewerkschaften reagieren mit scharfer Kritik. Sie sehen im geltenden Gesetz eine unverzichtbare Schutzmauer gegen Überlastung. Die tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden und feste Ruhezeiten gelten als unantastbare Errungenschaften.
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„Eine Abschaffung wäre ein frontaler Angriff auf die Gesundheit der Beschäftigten“, warnt etwa der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Man verweist auf die hohe Zahl an Überstunden, von denen viele unbezahlt bleiben.
Merz’ Idee stellt sogar die eigenen Regierungspläne in den Schatten. Bisher war eine moderate Reform vereinbart: Die starre Tagesgrenze sollte durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden ersetzt werden. Das hätte mehr betriebliche Flexibilität gebracht.
Unabhängig von dieser politischen Diskussion steht eine andere Neuerung bereits fest: Seit Urteilen des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesarbeitsgerichts sind Arbeitgeber verpflichtet, die Arbeitszeiten systematisch zu erfassen. Ein Gesetzentwurf zur verpflichtenden elektronischen Zeiterfassung liegt bereits vor und soll 2026 kommen.
Politisches Manöver mit Sprengkraft
Warum also dieser radikale Vorstoß des Kanzlers? Beobachter deuten ihn als politisches Manöver. Er verschärft den Konflikt zwischen Wirtschaftsinteressen und Arbeitnehmerschutz und setzt die Koalition unter Druck.
Besonders der Koalitionspartner SPD und der Arbeitnehmerflügel der eigenen CDU dürften wenig begeistert sein. Sie fürchten, dass ohne gesetzlichen Rahmen vor allem Beschäftigte ohne starke Tarifbindung schutzlos dastehen.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob es sich um eine ernsthafte Initiative oder nur um eine Verhandlungstaktik handelt. Eines ist sicher: Die Debatte um die „Stechuhr“ und den Acht-Stunden-Tag hat eine neue, explosive Dynamik erhalten. Die Zukunft eines zentralen Pfeilers des deutschen Arbeitsrechts steht auf dem Spiel.
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