Mercedes-Benz, Aktie

Mercedes-Benz Aktie: Mehr Arbeit, gleiches Geld

26.06.2026 - 21:20:02 | boerse-global.de

Mercedes-Benz verschärft Sparkurs: Mitarbeiter sollen bei gleichem Lohn mehr arbeiten, Sonderzahlung wird verschoben.

Mercedes-Benz: Neues Sparprogramm belastet Beschäftigte
Mercedes-Benz - Abstrakte Darstellung der Automobilindustrie mit dem Thema Mehraufwand bei gleichbleibendem Ertrag. Fokussiert auf industrielle Atmosphäre und wirtschaftliche Stimmung. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Mehr leisten, ohne mehr zu verdienen — so lässt sich das neue Sparprogramm von Mercedes-Benz auf einen Nenner bringen. Der Stuttgarter Autobauer hat seine rund 108.000 Beschäftigten in Deutschland heute per Vorstandsbrief über eine weitere Verschärfung des Sparkurses informiert.

Was der Vorstand fordert

Die Botschaft ist klar: Die Arbeitsstunde muss günstiger werden. CEO Olaf Kallenius und der Vorstand schreiben offen, dass Mitarbeitende in Entwicklung, Vertrieb, Verwaltung und Produktion für dasselbe Entgelt künftig mehr arbeiten sollen. Konkret ist eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit im Gespräch — weg von der tariflichen 35-Stunden-Woche, zurück Richtung 40 Stunden. Aufsichtsratschef Martin Brudermüller hatte diese Debatte erst vor wenigen Tagen öffentlich angestoßen.

Als Sofortmaßnahme verschiebt das Unternehmen eine tarifliche Sonderzahlung für rund 90.000 anspruchsberechtigte Beschäftigte: Der sogenannte "Transformationsbaustein" in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts wird nicht wie geplant im Juli ausgezahlt, sondern auf 2027 vertagt.

Betriebsrat lehnt sich auf

Der Gesamtbetriebsrat reagiert mit deutlicher Kritik. Die Verschiebung der Sonderzahlung sei eine einseitige Entscheidung des Managements — kein Verhandlungsergebnis. Tarifvertraglich sei das Vorgehen zwar möglich, zeige aber vor allem, wie stark der Druck geworden sei. Längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich als Wettbewerbsrezept lehnt die Arbeitnehmervertretung ab. Obendrein weist sie darauf hin, dass formelle Verhandlungen über Arbeitszeitverlängerungen derzeit gar nicht möglich sind — dafür wäre eine tarifliche Öffnung durch IG Metall und Arbeitgeberverband notwendig.

Gewinneinbruch als Hintergrund

Die Maßnahmen kommen nicht aus dem Nichts. 2025 brach der Konzerngewinn von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro ein — ein Rückgang von knapp der Hälfte. Im ersten Quartal 2026 setzte sich der Abwärtstrend fort, das Konzernergebnis sank um weitere 17,2 Prozent. Zölle, Währungsgegenwind und intensiver Wettbewerb in China belasten das Geschäft. Der Vorstand spricht intern von einer "dramatischen" Situation in Deutschland und warnt, dass hohe Kosten den Erfolg der laufenden Produktoffensive zunichte machen könnten.

Die Aktie hat in diesem Jahr mehr als 25 Prozent an Wert verloren und schneidet damit schlechter ab als der europäische Branchenindex. Ob die angekündigten Sparmaßnahmen das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen, dürfte sich zeigen, wenn die Gespräche mit dem Betriebsrat in den kommenden Wochen konkrete Formen annehmen.

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