Mehr Effizienz im Lackierwerk, wie der EcoBell4 von Dürr Spritzverluste senken soll
16.06.2026 - 23:10:38 | ad-hoc-news.deVerantwortlich: ad hoc news Fachredaktion Neuheiten & Launch. Vor der Veroeffentlichung am 16.06.2026, 23:09 Uhr geprueft. Details im Impressum.
Der EcoBell4 von Dürr hängt wie ein glänzender Metallkelch im Lackierroboter, dreht mit bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute und verteilt den Lack als feinen Nebel auf die Karosserie. Wer danebensteht, hört nur das Surren des Turbinenantriebs und sieht, wie die Farbe gleichmäßig anliegt, ohne dicke Nasen oder sichtbare Wolken aus Overspray.
Alle News und Analysen zur Dürr AG
Wie Dürr mit Lackier- und Automatisierungstechnik weltweit Autohersteller beliefert und welche Rolle neue Zerstäuber wie der EcoBell4 im Konzernportfolio spielen.
Was den EcoBell4 ausmacht
Der EcoBell4 ist ein Hochrotationszerstäuber für die Außenlackierung von Karosserien und Anbauteilen, entwickelt für vollautomatisierte Lackierstraßen in der Automobilindustrie. Im Zentrum steht eine rotierende Zerstäuberglocke, die den Lack durch Fliehkraft in feinste Tröpfchen aufbricht.
Dürr kombiniert diese Mechanik mit einer präzise steuerbaren Luftführung, damit der Lacknebel gezielt zur Karosserie gezogen wird. Das Ziel: hoher Auftragswirkungsgrad, also möglichst viel Farbe auf dem Bauteil statt auf den Kabinenwänden.
Weniger Overspray, mehr Lack auf dem Blech
In der Praxis entscheidet der Auftragswirkungsgrad über Chemiekosten, Kabinenreinigung und Filterwechsel. Je höher die Quote, desto seltener müssen Linien gestoppt werden und desto weniger Lack wird als Abfall entsorgt.
Der EcoBell4 zielt genau darauf und soll gegenüber älteren Generationen die Menge an Overspray in der Kabine weiter reduzieren. Für Automobilhersteller, die im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten, kann das im Jahr schnell sechsstellige Beträge bei Material und Entsorgung ausmachen.
Schnelle Farbwechsel für flexible Linien
Auffällig ist, wie konsequent Dürr den EcoBell4 auf schnelle Farbwechsel ausgelegt hat. Die Lackkanäle sind kurz gehalten, die Spülvolumina gering, damit bei jedem Farbwechsel möglichst wenig Spülmittel und Restlack in den Abfall wandert.
In hochflexiblen Lackierlinien, in denen ständig zwischen Farben und Sonderlacken gewechselt wird, zählt jede Sekunde. Hier hilft der kompakte Aufbau des Zerstäubers, Stillstandszeiten beim Spülen zu minimieren und dabei gleichzeitig Farbverschleppung zu vermeiden.
Zusammenspiel mit Robotern und Steuerung
Der EcoBell4 ist auf den Einsatz mit Dürr-Robotern zugeschnitten, kann aber auch in Anlagen mit Fremdrobotern integriert werden. Über Schnittstellen zur Liniensteuerung werden Spritzbild, Drehzahl, Lackmenge und Luftströme an jede Karosserievariante angepasst.
In modernen Werken werden die Programme für Türen, Dächer oder Heckklappen digital hinterlegt und lassen sich per Software anpassen, ohne den Zerstäuber mechanisch umbauen zu müssen. Das macht Umstellungen auf neue Modellgenerationen spürbar leichter.
Alltag auf der Linie, was der Bediener spürt
Für Bediener und Wartungsteams bedeutet der EcoBell4 vor allem: weniger manuelle Reinigungsarbeit und klar definierte Serviceintervalle. Statt täglich lange Kabinenwände abzuwaschen, verlagert sich die Arbeit auf planbare Checks am Roboterflansch und an der Farbversorgung.
Wenn ein Zerstäuber getauscht werden muss, hängt er in wenigen Handgriffen aus dem Roboterarm, die Anschlüsse sind schnell gelöst. Das zählt im Schichtbetrieb, in dem jede ungeplante Minute Stillstand den Takt durcheinanderbringen kann.
Stärken und mögliche Schwächen
Die Stärken liegen bei Effizienz, Wiederholgenauigkeit und der Einbindung in komplette Dürr-Lackierlinien. Wer ohnehin auf Dürr-Roboter und Farbversorgung setzt, bekommt mit dem EcoBell4 ein technisch abgestimmtes Paket aus einer Hand.
Kritisch kann dagegen der Invest für kleinere Werke sein, die nur wenige Karosserien pro Stunde lackieren. Für sie rechnet sich ein High-End-Zerstäuber mit ausgefeilter Steuerung oft erst, wenn Energiepreise, Lackkosten oder CO2-Vorgaben stärker drücken.
Nachhaltigkeit als Verkaufsargument
Lackierkabinen gehören zu den größten Energieverbrauchern in einer Autofabrik, weil Luft umgewälzt, gefiltert und temperiert werden muss. Jeder Liter Lack, der effizienter auf dem Bauteil landet, hilft indirekt auch beim Energiebedarf der Abluftreinigung.
Dürr positioniert den EcoBell4 deshalb nicht nur als Produktivitätsbaustein, sondern als Modul für nachhaltigere Lackierprozesse. Für Hersteller, die ihre Werke nach Nachhaltigkeitskriterien bilanzieren, werden solche Komponenten zunehmend zu Pflichtprogrammen.
Wo der EcoBell4 eingesetzt wird
Typische Einsatzorte sind die Außenlackierkabinen großer Automobilwerke, häufig in Kombination mit elektrostatischer Aufladung des Lacknebels. Dort läuft der EcoBell4 im Takt der Linie, oft im Dreischichtbetrieb, bis zu mehreren Hundert Karosserien am Tag.
Auch bei Nutzfahrzeugen und Kunststoffanbauteilen kommt der Zerstäuber zum Einsatz, wenn hohe Oberflächenqualität gefordert ist. Entscheidend ist immer, dass sich die höhere Präzision in besseren Oberflächen und weniger Nacharbeit niederschlägt.
Einordnung im Konzern und Aktienbezug
Für Dürr ist der EcoBell4 eines der sichtbaren Produkte im Bereich Lackiertechnik, mit denen der Konzern seine Stärke als Systemanbieter in der Automobilproduktion unterstreicht. Solche Komponenten hängen zwar im Hintergrund, sind aber im täglichen Betrieb der Werke unverzichtbar.
Die Aktie von Dürr (DE0005565204) notiert an deutschen Handelsplätzen, unter anderem auf Xetra, und spiegelt damit auch die Erwartungen des Marktes an die Nachfrage nach Lackier- und Automatisierungstechnik wider.
Kompakte Fakten zum EcoBell4
- Produkt: EcoBell4 Hochrotationszerstäuber
- Hersteller: Dürr AG
- Kategorie: Neuheit/Launch
- Markteinfuehrung: Seit mehreren Jahren in modernen Automobillackieranlagen im Einsatz
- UVP / Preis: Individuelle Projektpreise im Rahmen kompletter Lackierlinien
- Verfuegbarkeit: Vertrieb über Dürr-Lackiertechnik, primär an Automobil- und Nutzfahrzeughersteller weltweit
- Zielgruppe: Betreiber automatisierter Karosserie- und Komponentenlackieranlagen mit hohem Durchsatz
- Besonderheit / USP: Hoher Auftragswirkungsgrad, schnelle Farbwechsel und enge Integration in Roboter- und Liniensteuerung
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