Medien unter Druck: Gerichte setzen neue Grenzen für Berichterstattung und Datenschutz
07.02.2026 - 08:30:12Zwei wegweisende Urteile verschärfen die rechtlichen Anforderungen an Medienhäuser – inhaltlich wie technisch.
Die Balance zwischen Pressefreiheit und rechtlichen Pflichten wird neu justiert. Innerhalb weniger Tage haben deutsche Gerichte zwei Signale gesetzt, die den Handlungsspielraum von Medienunternehmen deutlich eingrenzen. Während Politiker künftig mehr Freiraum für scharfe Medienkritik erhalten, müssen Verlage ihre Datenschutz-Compliance massiv verschärfen.
Politische Kritik: Gericht gibt Ministerpräsident Recht gegen Portal
Politiker dürfen Medien scharf angreifen – das hat ein Verwaltungsgericht am 5. Februar 2026 klargestellt. Es wies die Klage des Medienportals „Nius“ gegen den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther ab. Das Portal sah sich in seiner Pressefreiheit verletzt.
Das Gericht entschied jedoch: Die Äußerungen Günthers seien von der Meinungsfreiheit gedeckt. Politiker müssten sich auch pointiert mit Medienarbeit auseinandersetzen können. Für Redaktionen bedeutet das: Sie müssen scharfe öffentliche Kritik von Amtsträgern als Teil des demokratischen Diskurses hinnehmen. Die Grenze zur persönlichen Herabwürdigung ist damit höher gesteckt.
Viele Medienhäuser unterschätzen die technischen Risiken, die aus gesetzlicher und gerichtlicher Verschärfung folgen. Gerade nach den aktuellen Urteilen drohen Abmahnungen und hohe Schadensersatzforderungen, wenn Tracking und Werbeanalyse nicht DSGVO-konform sind. Ein kostenloser Cyber-Security- und Compliance-Guide für Redaktionen erklärt praxisnah, welche technischen Maßnahmen jetzt Priorität haben, wie Sie Tracking rechtssicher gestalten und wie Sie Ihre Web-Infrastruktur schnell härten. Kostenlosen Cyber-Security-Guide für Medien herunterladen
Datenschutz: OLG Dresden verurteilt Meta – Signal an alle Medien
Noch konkreter wird die Lage im digitalen Betrieb. Das Oberlandesgericht Dresden verurteilte den Meta-Konzern in vier Verfahren rechtskräftig zu Schadensersatz. Grund: der Einsatz der „Meta Business Tools“ ohne wirksame Nutzereinwilligung.
Die Urteile vom 3. Februar sind ein Paukenschlag. Erstmals hat ein Oberlandesgericht plattformübergreifendes Tracking ohne Einwilligung als DSGVO-Verstoß gewertet. Die Konsequenz trifft tausende Unternehmen – darunter viele Nachrichtenportale, die solche Tools für Werbung und Analyse nutzen.
Medienhäuser müssen jetzt ihre Cookie-Banner und Einwilligungsmechanismen dringend überprüfen. Sonst drohen Abmahnungen und Schadensersatzforderungen in erheblicher Höhe. Das Urteil zeigt: Datenschutzverstöße gelten nicht länger als Kavaliersdelikte.
Globaler Trend: Pressefreiheit unter Beschuss
Die deutschen Entwicklungen sind Teil eines weltweiten Musters. Ein Bericht von Reporter ohne Grenzen vom 3. Februar 2026 dokumentiert: Politische Macht wird zunehmend genutzt, um kritische Berichterstattung zu diskreditieren.
Die Methoden reichen von Einschüchterung bis zur gezielten Klageflut. Selbst wenn – wie im Fall „Nius“ – die Klage abgewiesen wird, bindet der Prozess Ressourcen und übt finanziellen Druck aus. Der Gang vor Gericht wird zur Standardwaffe in Auseinandersetzungen mit Medien.
Doppelte Herausforderung für Verlage
Für Medienhäuser entsteht ein zweifaches Spannungsfeld. Einerseits müssen sie ihre inhaltliche Arbeit gegen juristische Angriffe verteidigen. Andererseits wachsen die technischen Anforderungen durch Regularien wie die DSGVO oder die kommende NIS-2-Richtlinie der EU.
Compliance-Abteilungen stehen vor einer Mammutaufgabe. Sie müssen sowohl die publizistische Linie rechtlich absichern als auch die komplexe digitale Infrastruktur regulierungskonform gestalten. Investitionen in juristische und technische Expertise werden zum Überlebensfaktor.
Juristische Auseinandersetzungen als neuer Alltag
Die jüngsten Urteile deuten auf eine neue Normalität hin. Die Bereitschaft, Konflikte vor Gericht auszutragen, steigt auf allen Seiten. Gleichzeitig treibt die Digitalisierung die Regulierung voran – Stichwort EU Cyber Resilience Act.
Die zentrale Frage für 2026 lautet: Wie finden Medienhäuser die Balance zwischen mutiger Berichterstattung und lückenloser Compliance? Wer diese Gratwanderung nicht meistert, riskiert nicht nur hohe Kosten, sondern auch publizistische Relevanz.
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