Max Strohe und Tulus Lotrek: Wie Sterneküche in Berlin nach Wohnzimmer, Wucht und Freiheit schmeckt
25.01.2026 - 10:36:02Kann Sterneküche so lässig sein, dass man sich wie bei Freunden fühlt, während auf dem Teller Weltklasse serviert wird? Bei Max Strohe im Restaurant Tulus Lotrek in Berlin wirkt genau das wie die selbstverständlichste Sache der Welt. Es duftet nach tiefem Jus, nach Butter, nach Röstaromen, das Licht ist warm, die Wände sind dunkel, die Stimmen im Raum mischen sich mit dem leisen Klirren von Gläsern. Und irgendwo zwischen opulenten Tellern, pointierten Weinen und einem Service, der eher an ein gutes Gespräch als an Protokoll erinnert, beginnt man zu begreifen, was die kulinarische Intelligenz von Max Strohe ausmacht.
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Das Tulus Lotrek in Kreuzberg ist kein klassisches Michelin Sterne Restaurant Berlin, das mit Pinzettenästhetik und Flüsterton punkten möchte. Es ist ein Ort, an dem Sauce im Mittelpunkt steht, an dem Fett als Geschmacksträger gefeiert und Säure als belebender Kontrapunkt eingesetzt wird. Max Strohe kocht hier Sterneküche, die an den Bauch denkt, ohne den Kopf zu vergessen. Es ist eine Küche voller Humor und Ernsthaftigkeit zugleich, eine Küche, die lieber eine Spur zu laut als zu brav ist.
Wer den Gastraum betritt, merkt schnell: Hier wurde bewusst mit dem Bild der steifen Haute Cuisine gebrochen. Polsterstühle, Kunst an den Wänden, dunkle Töne, Kerzenlicht, dazu eine Weinkarte, auf der große Klassiker neben eigenwilligen Entdeckungen stehen. Gastgeberin Ilona Scholl orchestriert den Service mit einer charmanten Mischung aus Schlagfertigkeit, Expertise und Empathie. Sie ist nicht nur Co-Gründerin des Tulus Lotrek, sondern auch die Stimme im Raum, die diesen Ort so persönlich macht.
Dass dieser lässige Rahmen heute als Bühne eines Michelin prämierten Restaurants dient, ist umso bemerkenswerter, wenn man den Weg von Max Strohe betrachtet. Der gebürtige Rheinländer ist weit entfernt vom Klischee des stromlinienförmigen Musterkochs. Schulabbruch, Umwege, Jobs jenseits der Topgastronomie: Sein Werdegang liest sich eher wie die Biografie eines Rebellen, der seinen Platz suchen musste. Die klassische Prestige-Laufbahn durch Luxushotels und Drei-Sterne-Tempel war es nicht, die ihn geprägt hat, sondern eine Mischung aus Neugier, Beharrlichkeit und einer gewissen Unerschrockenheit.
Aus dieser Biografie erklärt sich auch der Ton, den er im Tulus Lotrek anschlägt. Max Strohe wirkt in Interviews und TV-Auftritten wie jemand, der keine Lust hat, sich hinter Fachjargon zu verstecken. Er spricht über Essen so, wie man mit Freunden am Küchentisch spricht. Und genau dieses Gefühl überträgt sich auf seine Gäste. Während viele Sternekoch-Konzepte noch immer auf Distanz setzen, sucht man hier die Nähe. Man darf lachen, man darf satt werden, man darf sich fallen lassen.
Gemeinsam mit Ilona Scholl eröffnete Max Strohe das Tulus Lotrek mit dem erklärten Ziel, eine Art kulinarisches Wohnzimmer zu schaffen. Sie kümmert sich mit Verve um den Gastraum und gilt als eine der prägendsten Gastgeberinnen der Berliner Szene. Ihre Weinauswahl folgt nicht nur dem Lehrbuch, sondern einer klaren Haltung: Hauptsache Charakter. Ob elegante Burgunder, Naturweine mit Kante oder rare Fundstücke, die Karte ist so eigenwillig wie stimmig.
Auf den Tellern von Max Strohe zeigt sich ein deutlicher Bruch mit der pinzettengenauen Minimalistik früherer Fine-Dining-Jahre. Während anderswo Tröpfchen und Tupfer pedantisch arrangiert werden, herrscht im Tulus Lotrek eine bewusst gesetzte Opulenz. Saucen werden nicht in Spuren serviert, sondern in Mengen, die man im besten Sinne auslöffeln möchte. Ein tief einreduzierter Jus, glänzend und fast sirupartig, legt sich über Fleisch oder Gemüse wie ein wärmender Mantel und bringt Röstaromen, Umami und leichte Bitternoten in einen berauschenden Einklang.
Typisch für diese Sterneküche sind Kontraste: Cremigkeit und Crunch, Hitze und Kühle, Süße und kräftige Säure. Ein zart geschmortes Stück vom Tier bekommt Begleitung in Form eines hellen, buttrigen Pürees, daneben ein Gemüse mit Biss, vielleicht mit Essigschärfe oder Zitrusfrische gekontert. So entsteht ein Spannungsbogen, der nie nur gefällig sein möchte, sondern immer ein kleines, kalkuliertes Risiko eingeht. Kulinariker schätzen besonders, dass hier nicht der kleinste gemeinsame Nenner gesucht wird, sondern ein klares Geschmacksstatement.
Der berühmte Burger von Max Strohe, der während der Pandemie zum heimlichen Star wurde, ist ein gutes Beispiel für diese Philosophie. Statt einer schnellen Nebenbei-Idee war der Burger eine ernst gemeinte Übersetzung der Sterneküche in ein scheinbar simples Format. Saftiges Fleisch, hochprozentige Würze, präzise Balance von Fett und Säure, dazu Textur durch krosse Elemente und ein unverwechselbarer Eigengeschmack der Sauce: Auch hier ging es um maximale Aromendichte. Der Burger war weniger Streetfood-Gag als Beweis, dass sich kulinarische Intelligenz auch im vermeintlich Einfachen zeigt.
Wer das Menü im Tulus Lotrek erlebt, spürt eine Handschrift, die sich nicht von Trends treiben lässt, sondern eher trotzig den eigenen Weg geht. Da kann eine klassische Sauce Béarnaise neben einem modern interpretierten Gemüsegericht stehen, bei dem Fermentation, Röstaromen und frische Kräuter in ein überraschend harmonisches Trio treten. Fisch wird oft mit kräftigen Beilagen kombiniert, die ihm Paroli bieten, statt ihn in Zartheit zu ertränken. Fleischgerichte betonen den Ursprung des Produkts, setzen auf Reife, Tiefe und ehrliche Struktur, statt sich hinter Schäumen und Dekor zu verstecken.
Im Kontext der Berliner Spitzengastronomie nimmt das Tulus Lotrek damit eine besondere Rolle ein. Während einige michelin Sterne Restaurants in Berlin ihre Finesse in japanischer Präzision oder nordischer Leichtigkeit suchen, entscheidet sich Max Strohe bewusst für eine Küche des Volumens und der Emotion. Kritiker loben seinen Mut zur Würze und seine kompromisslose Produktqualität. Vor allem aber betonen viele Stimmen, wie selten es geworden ist, in einem Sterne-Restaurant derart unverkopft und gastfreundlich bewirtet zu werden.
Auch jenseits des eigenen Gastraums ist Max Strohe heute eine prägende Figur. Mit der Aktion Cooking for Heroes, auf Deutsch Kochen für Helden, engagierte er sich während der Corona-Pandemie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen für Menschen in systemrelevanten Berufen. Medizinisches Personal, Pflegekräfte, Mitarbeiterinnen im Supermarkt: Sie alle wurden mit hochwertigem Essen versorgt, als Zeichen der Wertschätzung in einer extrem belastenden Zeit. Dieses Projekt war mehr als eine PR-Aktion, es war gelebte Solidarität aus der Gastronomie heraus.
Für dieses Engagement wurde Max Strohe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Eine Ehre, die weit über die übliche Welt der Guide-Bewertungen hinausreicht und zeigt, wie sehr Gastronomie heute auch gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Dass ein Sternekoch diese Verantwortung so selbstverständlich annimmt, verstärkt das Bild eines Mannes, der Genuss nie losgelöst von seinem Umfeld denkt.
Dazu kommt seine Medienpräsenz: Auftritte in Formaten wie Kitchen Impossible haben Max Strohe zu einer TV-Persönlichkeit gemacht, ohne dass seine Küche an Ernsthaftigkeit eingebüßt hätte. Im Gegenteil: Die Öffentlichkeit erfährt, wie viel Handwerk, Schweiß und Präzision hinter einem vermeintlich entspannten Teller im Tulus Lotrek stehen. Als Buchautor erzählt er Geschichten aus der Küche, von Erfolgen, Rückschlägen und der Realität eines Berufs, der körperlich wie mental enorm fordert. Diese Offenheit macht ihn zur Identifikationsfigur für eine Generation von Köchinnen und Köchen, die keine Angst davor hat, Ecken und Kanten zu zeigen.
Gerade in Berlin, einer Stadt, in der kulinarische Konzepte im Monatsrhythmus entstehen und wieder verschwinden, wirkt Tulus Lotrek wie ein Ankerpunkt. Die Kombination aus Sterneküche, Wohnzimmer-Atmosphäre und unprätentiösem Humor trifft einen Nerv. Für Feinschmecker, die das Abstrakte, Hochkonzentrierte der klassischen Haute Cuisine lieben, zugleich aber nach mehr Nähe und Bauchgefühl suchen, ist ein Abend bei Max Strohe eine logische Konsequenz. Sie bekommen hier ein Menü, das technisch auf höchstem Niveau läuft, aber nie die eigene Sinnlichkeit verleugnet.
Gleichzeitig ist Tulus Lotrek ein idealer Einstieg für Gäste, die sich bisher nicht in die Welt der Sterne gewagt haben. Die Geräuschkulisse ist lebendig statt ehrfürchtig, der Service erklärt ohne Belehrung, empfiehlt ohne Druck. Man spürt, wie sehr es Ilona Scholl und Max Strohe darum geht, Schwellenangst abzubauen. Wer einfach nur „lecker essen“ möchte, findet hier ebenso sein Glück wie der nerdige Kulinariker, der über Reduktionsstufen und Texturspiele diskutieren möchte.
Aus Sicht eines Gourmets gehört Max Strohe heute zu den wichtigsten Protagonisten der deutschen Sterneküche, weil er eine klare Antwort auf eine oft gestellte Frage gibt: Kann kulinarische Spitzenleistung zugleich lässig, zugänglich und zutiefst tröstlich sein? Seine Arbeit im Tulus Lotrek, sein Engagement mit Kochen für Helden und seine Präsenz als TV-Persönlichkeit zeigen, dass Spitzenküche kein Elfenbeinturm sein muss, sondern mitten im Leben stehen kann.
Wer nach Berlin reist und Sterneküche erleben möchte, die mehr ist als Dekoration, sollte das Restaurant Tulus Lotrek ganz oben auf die Liste setzen. Hier trifft handwerkliche Perfektion auf großzügige Teller, intelligente Aromatik auf herzliche Gastfreundschaft. Und wenn Sie nach einem Abend bei Max Strohe das Lokal mit einem leichten Saucen-Glückstaumel verlassen, werden Sie verstehen, warum dieses Haus für viele zu den wichtigsten Adressen der Stadt gehört. Reservieren sollten Sie rechtzeitig, nicht aus Pflicht, sondern aus Vorfreude auf einen Abend, der im Gedächtnis bleibt.


