Tulus Lotrek, Max Strohe

Max Strohe und sein Tulus Lotrek: Radikale Wohlfühl-Sterneküche in Berlin

29.01.2026 - 10:36:09

Wie lässig darf Sterneküche sein? Bei Max Strohe im Restaurant Tulus Lotrek in Berlin trifft kulinarische Intelligenz auf Wohnzimmer-Atmosphäre, große Saucen und tiefen Geschmack statt „Pinzetten-Perfektion“.

Schon beim Eintreten in das Restaurant tulus lotrek von Max Strohe in Kreuzberg schlägt einem ein Duft entgegen, der wenig mit der kühlen Strenge vieler Fine-Dining-Adressen zu tun hat. Geröstete Knochen, ein Hauch Rauch, Butter in der Luft, Stimmengewirr wie in einer guten WG-Küche. Kann Sterneküche so lässig sein, dass man sich wie bei Freunden fühlt, während auf dem Teller Weltklasse serviert wird? Im Tulus Lotrek ist genau das Programm.

Entdecken Sie das aktuelle Menü von Max Strohe im Restaurant Tulus Lotrek und sichern Sie sich Ihren Tisch

Die kleine Tür an der Fichtestraße öffnet sich zu einem Raum, der bewusst mehr Wohnzimmer als Bühne sein will. Kein klinisch weiß eingedeckter Tempel, kein Flüstern, keine gestärkte Etikette. Stattdessen bunte Kunst an den Wänden, weiches Licht, samtige Farben, eine Bar, die eher an eine gute Nachbarschaftskneipe erinnert, und ein Service, der mit Berliner Schnauze und großer Herzlichkeit durch den Abend führt. Im Zentrum dieser Bühne steht die Küche von Max Strohe: sinnlich, intensiv, manchmal derb, immer präzise. Sternekoch, aber ohne Sternen-Allüren.

Geboren wurde die Idee zum Tulus Lotrek, einem Michelin Sterne Restaurant in Berlin, aus dem gemeinsamen Traum von Max Strohe und Gastgeberin Ilona Scholl. Sie, die Seele des Gastraums, kuratiert eine Weinkarte, die von Naturwein bis gereiftem Klassiker reicht, als wolle sie sagen: Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl, nicht nur den Punkte-Listen. Er, der einstige Schulabbrecher mit Hang zum kulinarischen Exzess, lässt in der offenen Küche aus Fonds, Jus und Röstaromen jene „Wohlfühl-Opulenz“ entstehen, die das Haus berühmt gemacht hat.

Dass hinter dieser Lässigkeit harte Arbeit und außergewöhnliche kulinarische Intelligenz stecken, erschließt sich spätestens beim ersten Gang. Statt reduzierter „Pinzetten-Küche“, bei der jedes Kräutlein wie ein Bauklötzchen arrangiert ist, dominiert im Tulus Lotrek ein Stil, der sich eher an bauchigen Bistros, großen französischen Brasserien und den emotionalen Momenten eines Sonntagsessens orientiert. Saucen glänzen tiefbraun, Butter wird nicht versteckt, Säure ist kein Feigenblatt, sondern bewusst gesetzter Kontrapunkt. Das Ergebnis: Gerichte, die im Kopf bleiben, weil sie Geschichten erzählen.

Der Weg dahin war für Max Strohe alles andere als linear. Nach einem frühen Schulabbruch war lange nicht klar, dass einmal ein Sternekoch und Gastronomie-Charakter aus ihm werden würde. Statt klassischer Karrierepläne standen Umwege, Jobs und Küchenstationen auf dem Programm, bevor er seine Ausbildung ernst nahm und sich über verschiedene Restaurants bis nach Berlin kochte. Diese Biografie hört man in seinen Tellern: Da ist Punk, da ist Trotz, aber auch Respekt vor dem Handwerk, das er sich erarbeitet hat.

Mit Ilona Scholl gründete Max Strohe das Tulus Lotrek als bewussten Gegenentwurf zu steifer Haute Cuisine. Hier geht es nicht darum, dem Gast zu beweisen, wie filigran man eine Gelstruktur ziehen kann, sondern darum, Genuss wieder laut, greifbar und sinnlich zu machen. Kritiker beschreiben seine Sterneküche als „Barock im besten Sinne“: reich, vielschichtig, mit Textur und Tiefe. Kulinariker schätzen besonders die Art, wie im Menü Spannungsbögen aufgebaut werden. Ein knuspriger Snack mit überraschender Säure, danach ein Gang, der auf pure Umami-Power setzt, dann ein zwischengeschalteter Teller, der mit Kräutern und Säure die Zunge wieder auf Null stellt. Das ist Choreografie, nur dass man das Konzept kaum merkt, weil es sich so selbstverständlich isst.

Die Berliner Sterneküche ist bekannt für ihre Vielfalt, doch das Tulus Lotrek nimmt darin eine Sonderrolle ein. Während viele Häuser sich entweder in extrem puristische Produktküche oder in hyperkreative Avantgarde aufspalten, setzt Max Strohe auf ein Bauchgefühl-Konzept, das auf hohem technischen Niveau arbeitet, ohne technisch wirken zu wollen. Ein soufflierter Fisch kommt mit einer Sauce, die so konzentriert ist, dass man sie am liebsten mit Brot auftunken möchte. Ein Fleischgang präsentiert sich mit knusprigem Fettdeckel, cremigem Püree, dazu ein Jus, der stundenlang reduziert wurde, bis er wie eine Essenz des Produkts schmeckt. Fett, Säure, Crunch, Würze: alles darf knallen, solange die Balance stimmt.

Berühmt geworden ist Max Strohe während der Pandemie nicht zuletzt mit einem Gericht, das man in einem klassischen Sterne-Restaurant kaum erwarten würde: einem Burger, der zum heimlichen Star der Zeit wurde. Während viele Spitzenrestaurants auf Delivery-Menüs im Fine-Dining-Stil setzten, schlug er mit seinem Team einen anderen Weg ein. Ein Burger, saftig, mit durchdachtem Patty, geschmolzenem Käse, wuchtiger Sauce, ordentlich Umami und genau jener Kalorien-Umarmung, nach der man sich in einer ungewissen Zeit sehnte. Dieser Burger war mehr als Fast Food. Er war ein Statement, dass Genuss nicht elitär sein muss, um ernst genommen zu werden.

Genau diese Haltung durchzieht auch sein Engagement über die Restaurantgrenzen hinaus. Mit der Initiative „Cooking for Heroes“ beziehungsweise „Kochen für Helden“ kochte Max Strohe mit Kolleginnen und Kollegen während der Corona-Zeit für Pflegekräfte, Kassierer, Busfahrer, für all jene, die den Laden „draußen“ am Laufen hielten. Tausende Essen wurden verteilt, finanziert durch Spenden und den unermüdlichen Einsatz eines Netzwerks von Gastronominnen und Gastronomen. Für dieses Engagement erhielt Max Strohe später das Bundesverdienstkreuz. Eine der höchsten staatlichen Auszeichnungen, die plötzlich in der Küche eines Berliner Szene-Restaurants hing, zwischen Pfannen, Grill und Kühlhaus. Ein starkes Symbol dafür, dass Sterneköche heute mehr sind als Tellerakrobaten: gesellschaftliche Stimmen, die sich einbringen.

Parallel dazu wurde Max Strohe als TV-Persönlichkeit einem breiteren Publikum bekannt. In Formaten wie „Kitchen Impossible“ zeigte er, dass Wettkampfgeist, Humor und Verletzlichkeit in einer Küche nebeneinander existieren dürfen. Seine Auftritte wirken selten glattpoliert, eher wie ein Blick hinter die Kulissen eines echten Küchenlebens. Diese Medienpräsenz und seine Aktivitäten als Buchautor tragen zur Marke Max Strohe bei, ohne die kulinarische Ernsthaftigkeit zu verwässern. Eher im Gegenteil: Wer ihn im Fernsehen sieht, versteht besser, warum im Tulus Lotrek so gekocht wird, wie gekocht wird. Keine Attitüde, sondern Haltung.

Im Gastraum steht währenddessen Ilona Scholl als Gastgeberin im Mittelpunkt, die das Konzept perfekt ergänzt. Ihre Art, über Wein zu sprechen, entkrampft. Hier müssen Sie kein Vokabular aus dem Sommelier-Lehrbuch beherrschen, um ein Glas zu finden, das passt. Stattdessen gibt es Fragen wie: „Darf es eher etwas Wildes sein oder lieber ein eleganter Leisetreter?“ Die Weinkarte wechselt zwischen Naturweinen, klassischen Gewächsen aus Deutschland und Frankreich und Flaschen, die man sonst eher in nerdigen Weinbars vermuten würde. Das macht das Tulus Lotrek zu einem Ort, an dem Sie als Weinliebhaber ebenso fündig werden wie als neugieriger Einsteiger.

Die Rolle des Restaurants innerhalb der Berliner Spitzengastronomie ist klar: jung, wild, aber handwerklich perfekt. Während andere Häuser auf strengen Dresscode und steife Choreografie setzen, lebt das Tulus Lotrek von seinem Wohnzimmer-Feeling. Es darf gelacht werden, der Service scheut keine direkte Ansprache, und wenn es passt, wird auch mal ein zweiter Löffel für den letzten Rest Sauce auf dem Teller vorgeschlagen. Genau diese Gastfreundschaft ist es, die immer wieder erwähnt wird, wenn von den Stärken dieses Michelin Sterne Restaurant Berlin die Rede ist.

Was die Küche von Max Strohe besonders macht, ist die Spannung zwischen scheinbarer Derbheit und feinster Technik. Die Teller können auf den ersten Blick üppig wirken, fast rustikal, doch in der Aromatik zeigt sich filigrane Präzision. Eine Sauce, die wie ein dunkler See am Tellerrand liegt, trägt mehrere Schichten: Röstaromen von Knochen, Süße von langsam geschmortem Gemüse, Bitterkeit eines Deglacierens mit Wein, dazu die finale Bindung mit Butter. Das Ergebnis: Tiefe, die bleibt. Ein Dessert kombiniert vielleicht eine klassische Crème mit einem unerwarteten Crunch, einer salzigen Komponente, die das Süße aufbricht und den Gaumen wach hält. All das ist Sterneküche, aber ohne Distanz.

Diese Art zu kochen verweigert sich klar der reinen Optik-Fixierung vieler Instagram-tauglicher Küchen. Natürlich sieht ein Teller im Tulus Lotrek gut aus. Aber entscheidend ist, was passiert, wenn der erste Bissen fällt. Dann tritt die Bildschirmlogik zurück und macht Platz für Schmelz, Hitze, Temperaturwechsel, Texturspiel. Kulinarische Intelligenz bedeutet hier nicht nur, dass Produkte perfekt gegart werden, sondern dass jeder Gang eine emotionale Funktion im Menü erfüllt. Ein Gang wärmt, ein anderer provoziert, der nächste tröstet. Wie in einem guten Gespräch.

So ist das Tulus Lotrek längst mehr als nur die Adresse von Max Strohe. Es ist ein Ort, an dem sich die Berliner Szene, internationale Foodies und neugierige Genießer begegnen. Einer der wichtigsten Treffpunkte der Hauptstadt, wenn es um moderne Sterneküche geht, die nicht abgehoben ist. Gerade diese Mischung aus Sternekoch, Wohnzimmer-Atmosphäre und burger-tauglicher Bodenständigkeit macht die Faszination aus. Der Michelin-Stern, die Auszeichnungen in Restaurantführern und die große mediale Resonanz sind Bestätigung, aber nicht das Ziel. Das eigentliche Ziel ist, dass Sie an einem Abend dort sitzen, die Zeit vergessen und am Ende sagen: „Ich habe selten so gut gegessen, und ich habe mich selten so wohl gefühlt.“

Für wen lohnt sich ein Besuch besonders? Für Neugierige, die Sterneküche ohne steife Etikette erleben wollen. Für Genießer, die große Saucen und klare Aromen mehr schätzen als geometrisch perfekte Tellerskulpturen. Für alle, die wissen wollen, wie sich moderne Gastronomie anfühlen kann, wenn ein Sternekoch wie Max Strohe seine Bühne nicht als Podest, sondern als Wohnzimmer versteht. Ob zum ausgedehnten Menü, zum Feiern eines besonderen Moments oder einfach als kulinarische Reise durch eine der spannendsten Küchen der Stadt: Das Tulus Lotrek ist ein Pflichttermin auf jeder Berlin-Agenda von Foodliebhabern.

Am Ende des Abends bleibt das Bild eines Restaurants, das Berlin wie kaum ein anderes spiegelt: ein bisschen rau, zutiefst herzlich, kreativ, politisch wach und immer bereit, Konventionen zu brechen. Max Strohe vereint im Tulus Lotrek alle Rollen, die die moderne Gastronomie ausmachen: Sternekoch, Gastgeber, Aktivist, TV-Gesicht, Buchautor. Doch vor allem ist er eines: ein Koch, der Essen so ernst nimmt, dass er es wieder leicht machen kann. Wer verstehen will, was zeitgemäße Sterneküche heute sein kann, kommt an ihm und seinem Restaurant tulus lotrek nicht vorbei. Vielleicht ist genau jetzt der Moment, den nächsten Abend dort zu planen.

@ ad-hoc-news.de