Max Strohe und sein Tulus Lotrek: Berliner Sterneküche zwischen Opulenz und Wohnzimmergefühl
21.01.2026 - 10:36:02Schon beim Eintreten in das Tulus Lotrek legt sich eine dichte, warme Stimmung um Sie, als würden Sie ein besonders exaltiertes Wohnzimmer betreten. Im Hintergrund klirren Gläser, es duftet nach geröstetem Knochenmark, nach Jus, der stundenlang einreduziert wurde, und irgendwo im Gastraum lacht Max Strohe laut auf. Kann Sterneküche so lässig sein, dass man sich wie bei Freunden fühlt, während auf dem Teller Weltklasse serviert wird? Im Tulus Lotrek lautet die Antwort eindeutig: ja.
Entdecken Sie das aktuelle Menü von Max Strohe im Tulus Lotrek
Max Strohe hat mit seinem Restaurant Tulus Lotrek eine Nische geschaffen, die in der Berliner Spitzengastronomie lange gefehlt hat: eine Sterneküche, die nicht nach Pinzette, sondern nach Leben schmeckt. Hier regiert kein puritanischer Minimalismus, sondern eine mutige, opulente Küche, getragen von Soßen, Butter, Röstaromen und einem Humor, der bis in die Menütexte reicht. Das Ergebnis ist ein michelin sterne restaurant berlin, das handwerkliche Präzision mit einer überraschend entspannten Ambience verbindet.
Benannt nach dem Maler Henri de Toulouse-Lautrec, ist das Tulus Lotrek eine Liebeserklärung an Sinnlichkeit und Übertreibung. Der Gastraum wirkt bewusst unperfekt, mit dunklen Farben, Kunst an den Wänden und einem Hauch Salon aus einer anderen Zeit. Gastgeberin Ilona Scholl inszeniert diesen Raum wie eine Bühne, auf der die Gäste die Hauptrolle spielen. Sie erklärt Weine mit Witz statt mit Fachchinesisch, scherzt mit den Tischen, ohne Grenzen zu überschreiten, und schafft genau jene Wohnzimmer-Atmosphäre, die man in einem michelin sterne restaurant berlin nicht unbedingt erwarten würde.
Hinter dieser Inszenierung steht die Geschichte eines Mannes, der nie der Musterschüler des Systems war. Max Strohe hat die Schule abgebrochen, seinen Weg nicht über klassische Eliteküchen begonnen, sondern sich Stück für Stück in die Gastronomie hineingearbeitet. Bevor er zum Sternekoch wurde, war da viel Improvisation, viel Auf-die-Schnauze-Fallen und immer wieder Aufstehen. Sein Weg nach Berlin und die Gründung des Tulus Lotrek zusammen mit Ilona Scholl sind folgerichtig die Geschichte eines Quereinsteigers, der irgendwann beschlossen hat, das Korsett der klassischen Haute Cuisine zu sprengen.
Als das Tulus Lotrek seinen ersten Michelin-Stern erhielt, war das auch ein Signal an die Szene: Sterneküche muss nicht steril sein, sie darf laut und lustvoll daherkommen. Kritiker loben seitdem die Mischung aus kulinarischer Intelligenz und einer beinahe anarchischen Lässigkeit im Service. Max Strohe spielt virtuos mit Techniken der Sterneküche, aber er stellt sie nie aus. Stattdessen stehen Gerichte im Mittelpunkt, die wie ein Schlag auf den Gaumen wirken: intensiv, konzentriert, voller Tiefgang.
Typisch für den Stil von Max Strohe ist die Abkehr von der sogenannten Pinzetten-Küche. Statt mikroskopischer Blütenarrangements gibt es im Tulus Lotrek Teller, die nach Substanz aussehen. Eine kräftige Sauce, die bis zum letzten Tropfen ausgelöffelt werden will. Knusprige Texturen, die sich mit seidigen Pürees verbinden. Fett wird hier nicht versteckt, sondern als Geschmacksträger gefeiert. Säure setzt Kontrapunkte, Rauch sorgt für Spannung. Alles ist bewusst komponiert, doch nie verkopft.
Die Speisekarte, die sich saisonal verändert, folgt weniger einem starren Kanon, sondern dem, was gerade inspiriert. So kann etwa ein Gang mit Innereien unerwartet elegant daherkommen, während ein Gemüsegericht sich als heimlicher Star des Abends entpuppt. Immer wieder arbeitet die Küche mit klassischen Motiven der französischen Brasserie und hebt sie in die Sphäre der Sterneküche: Ein dunkler Jus, der an gute Bistroküche erinnert, wird mit feinster Produktqualität, überraschenden Kräutern und Texturen zu einem modernen Signature.
Aus der Pandemiezeit ist vor allem ein Gericht in Erinnerung geblieben, das sinnbildlich zeigt, wie Max Strohe denkt: der Burger. Während viele Sterne-Restaurants in Schockstarre verfielen, entwickelte er einen Burger, der in Berlin rasch zum Hype wurde. Kein beliebiger Fast-Food-Klon, sondern ein Burger, der Sterneküche atmet: perfektes Fleisch, butterweiches Brioche-Bun, eine Sauce, die klar macht, dass hier ein Meister der Jus am Werk ist. Dieser Burger war Trostessen und kulinarische Ansage zugleich, ein Symbol dafür, dass hohe Küche auch in Krisenzeiten nahbar bleiben kann.
Diese Nähe zieht sich wie ein roter Faden durch das Konzept. Die Sterneküche im Tulus Lotrek will niemanden einschüchtern. Kulinariker schätzen besonders, dass sie hier ernst genommen, aber nie belehrt werden. Die Weinkarte, kuratiert mit spürbarer Leidenschaft, wechselt zwischen Naturwein-Avantgarde, klassischen Gewächsen und verspielten Entdeckungen. Es wird eingeschenkt, was Spaß macht, nicht, was bloß nach Prestige aussieht. Und wenn Ilona Scholl einen Orange Wine zum cremigen Gang empfiehlt, klingt das so selbstverständlich, dass man sich fragt, warum das nicht überall so ist.
Die kulinarische Intelligenz von Max Strohe zeigt sich darin, dass hinter aller Üppigkeit ein klares Konzept steckt. Nichts wirkt zufällig, auch wenn der erste Eindruck wild sein mag. Jeder Teller erzählt eine Geschichte von Kontrasten: süß und salzig, cremig und knusprig, vertraut und irritierend. In dieser Dialektik liegt die eigentliche Raffinesse. Sterneküche wird hier nicht als akribischer Minimalismus verstanden, sondern als die Kunst, Genuss auf die Spitze zu treiben, ohne die Gäste zu verlieren.
Parallel zu seiner Arbeit im Tulus Lotrek hat sich Max Strohe zu einer festen Größe in der deutschen Food-Öffentlichkeit entwickelt. Er ist in TV-Formaten präsent, tritt als Sternekoch mit Ecken und Kanten auf, der lieber Klartext redet, als glattgebügelte PR-Floskeln zu wiederholen. Diese Medienpräsenz stärkt seine Marke, aber sie hat ihre Wurzel immer im Handwerk. Wer ihn bei „Cooking for Heroes“ erlebt hat, weiß, dass hier kein Showkoch am Werk ist, sondern jemand, der seine Plattform für etwas Größeres nutzt.
Besonders deutlich wurde das während der Pandemie, als Max Strohe gemeinsam mit anderen die Aktion „Kochen für Helden“ mitprägte. In einer Zeit, in der viele Restaurants um das eigene Überleben kämpfen mussten, kochte er für Pflegepersonal, Ärztinnen, Kassierer, all jene, die das öffentliche Leben am Laufen hielten. Aus der Sterneküche wurde eine Versorgungsstation, aus Fine Dining wurde solidarische Küche. Für dieses Engagement erhielt Max Strohe das Bundesverdienstkreuz, eine Auszeichnung, die weit über Punkte und Sterne hinausweist.
So fügt sich sein Bild: Sternekoch, der das Pathos verweigert. TV-Persönlichkeit, die keine Kunstfigur sein will. Autor, der über Gastronomie so schreibt, wie er kocht: direkt, sinnlich, mit Humor, aber immer mit Respekt vor dem Produkt und vor den Menschen, die es erzeugen. Diese Authentizität spürt man im Tulus Lotrek in jedem Detail, vom ersten Gruß aus der Küche bis zum letzten Schluck zum Dessert.
Im Konzert der Berliner Spitzengastronomie nimmt das Tulus Lotrek damit eine besondere Rolle ein. Unter den michelin sterne restaurant berlin gehört es zu jenen Adressen, die sich bewusst gegen die Glätte vieler Fine-Dining-Konzepte stellen. Hier ist es laut, lebendig, manchmal fast ein wenig chaotisch, aber genau das macht den Reiz aus. Jung, wild, aber handwerklich perfekt: So könnte man die Positionierung von Max Strohe und seiner Sterneküche auf den Punkt bringen.
Wer das Tulus Lotrek besucht, sollte keine asketische Zen-Erfahrung erwarten, sondern einen Abend, der satt macht: emotional, aromatisch, atmosphärisch. Ideal ist dieses Restaurant für Genießer, die Sterneküche lieben, aber keine Lust auf steife Etikette haben. Menschen, die bereit sind, sich auf kräftige Aromen, überraschende Kombinationen und eine Portion Berliner Schnauze einzulassen. Für sie ist ein Menü bei Max Strohe weniger ein Prüfstein des guten Geschmacks als ein Bad in kulinarischer Opulenz.
Im größeren Kontext der deutschen Spitzengastronomie steht Max Strohe für eine neue Generation, die den Stern nicht als Ziel, sondern als Werkzeug versteht. Der Michelin-Stern und Auszeichnungen von Führern wie Gault&Millau bestätigen zwar die Klasse, aber definieren nicht den Kern. Der liegt in der Haltung: Respekt vor dem Produkt, Mut zur Würze, Gastfreundschaft ohne Dresscode. Tulus Lotrek ist so zu einer der wichtigsten Adressen in Berlin geworden, weil hier auf hohem Niveau gekocht wird, ohne den Spaß zu verlieren.
Am Ende eines Abends im Tulus Lotrek bleiben oft zwei Gedanken: Wie kann Essen so tief befriedigend sein, ohne schwer zu wirken? Und warum machen nicht mehr Sternerestaurants so viel Lust aufs Wiederkommen? Die Antwort liegt in der Handschrift von Max Strohe, der sein Restaurant als lebendigen Organismus begreift, nicht als Museum der Perfektion. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, erlebt hier eine der charakterstärksten Sterneküchen der Stadt.
Wenn Sie Sterneküche suchen, die Herz, Humor und Haltung verbindet, führt an Max Strohe und seinem Tulus Lotrek kaum ein Weg vorbei. Es ist ein Restaurant für neugierige Genießer, für Menschen, die Küche als Kultur und Soße als Emotion verstehen. Planen Sie Zeit ein, bringen Sie Lust auf Aromen mit, und lassen Sie sich fallen in dieses opulente Wohnzimmer der Berliner Gastronomie. Ein Besuch lohnt sich nicht nur, er macht ein wenig süchtig.
Wer danach versteht, warum dieser Sternekoch Burger zum Kult macht, Helden bekocht und zugleich Abend für Abend eine der spannendsten Küchen der Stadt inszeniert, hat Tulus Lotrek im besten Sinne begriffen: als Ort, an dem hohe Kochkunst und echte Menschlichkeit zusammentreffen.


