Tulus Lotrek, Max Strohe

Max Strohe im Tulus Lotrek: Wie Sterneküche in Berlin zum Wohnzimmer wird

22.01.2026 - 10:36:03

Max Strohe macht mit dem Restaurant tulus lotrek vor, wie undogmatische Sterneküche funktioniert: intensive Aromen, lässiger Service, Wohnzimmer-Ambience. Ein Porträt von Koch, Ort und Haltung.

Wenn sich die schwere Tür des Tulus Lotrek schließt, bleibt der Straßenlärm von Kreuzberg draußen. Ein warmer Duft nach geröstetem Jus, geschmolzener Butter und etwas leicht Rauchigem legt sich um die Sinne. Stimmengewirr, Gläserklirren, leises Lachen. Und mittendrin das, was Max Strohe auszeichnet: Sterneküche ohne Starallüren. Kann Sterneküche so lässig sein, dass Sie sich fühlen wie bei Freunden, während auf dem Teller Weltklasse serviert wird? Im Tulus Lotrek lautet die Antwort: unbedingt.

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Der erste Eindruck irritiert auf die bestmögliche Weise. Kein weiß gestärktes Tischtuch, keine klinisch arrangierte Pinzetten-Küche, sondern dunkle Wände, Kunst, die Geschichten erzählt, und ein Raum, der eher an ein opulentes Berliner Wohnzimmer erinnert als an ein Michelin Sterne Restaurant Berlin. Die Teller von Max Strohe passen dazu: großzügig, sinnlich, manchmal frech. Hier geht es nicht um asketische Minimalismen, sondern um Sterneküche, die satt macht, tröstet und gleichzeitig intellektuell herausfordert.

Max Strohe hat mit dem Tulus Lotrek eine Bühne geschaffen, auf der intensive Aromen und souverän eingesetzte Fette die Hauptrollen spielen. Seine Küche ist ein Bekenntnis zur Tiefe der Soßen, zur Kraft von Jus und Reduktionen, zu Röstaromen und Crunch. „Kulinarische Intelligenz“ bedeutet hier, dass Genuss und Nachvollziehbarkeit Hand in Hand gehen. Wer sich auf das Menü einlässt, spürt schnell: Das ist Hochküche mit Bodenhaftung, weit weg vom steifen Protokoll der Haute Cuisine.

Um zu verstehen, warum das so ist, lohnt sich ein Blick zurück. Max Strohe ist nicht der klassische Musterschüler der Spitzengastronomie. Schulabbruch, Umwege, Gelegenheitsjobs: Seine Biografie liest sich eher wie die eines Rebellen als die eines späteren Sternekochs. Erst nach und nach kristallisierte sich heraus, dass seine eigentliche Bühne die Küche ist. Die Lehrjahre in der Gastronomie formten das Handwerk, aber die Haltung brachte er schon mit: Neugier, Widerständigkeit, Humor.

Sein Weg führte schließlich nach Berlin, in eine Stadt, in der die Grenzen zwischen Fine Dining, Streetfood und Bar-Kultur seit Jahren verschwimmen. Genau hier gründete er gemeinsam mit Gastgeberin Ilona Scholl das Restaurant tulus lotrek. Der Name, eine augenzwinkernde Anspielung auf den Maler Toulouse-Lautrec, deutet schon an, was Programm ist: Bohème statt Benimmparcours. Ilona Scholl prägt die Ambience mindestens so stark wie Max Strohe die Küche. Sie steht für einen Service, der fachlich brillant, aber dabei nahbar, witzig und komplett angstfrei vor Starritualen ist.

Während andere Häuser darauf achten, jeden Handgriff unsichtbar zu inszenieren, darf im Tulus Lotrek gelacht, nachgeschenkt und erklärt werden. Die Weinkarte ist ebenso eigenwillig wie kenntnisreich, ein Spielplatz für Naturwein-Fans, Klassik-Liebhaber und neugierige Entdecker. Kulinariker schätzen besonders, dass hier nicht versucht wird, es allen recht zu machen. Vielmehr spürt man: Jeder Wein, jede Flasche, jede Pairing-Idee ist bewusst gewählt und kommentiert das, was aus der Küche kommt.

In der Küche zeigt sich, wie weit sich Max Strohe von einer dogmatischen Sterneküche entfernt hat. Die berüchtigte Pinzetten-Optik, das zwanghafte Tröpfeln und Tupfen, interessieren ihn wenig. Stattdessen regiert im Tulus Lotrek ein Stil, den man als „wohlfühl-opulent“ beschreiben könnte. Ein Gang kann aus einer kräftig reduzierten Fleisch- oder Gemüsebasis bestehen, darauf geschichtete Texturen: cremige Pürees, knuspriger Crunch, präzise eingesetzte Säure, etwa durch fermentierte Komponenten oder einen frechen Spritzer Essig. Fett ist hier ausdrücklich Geschmacksträger, nicht Feindbild.

Typisch für diese Sterneküche sind Gerichte, die erzählen, statt zu flüstern. Ein Stück perfekt glasierter Fisch kann auf einem intensiven Krustentierfond liegen, flankiert von einem Gemüse, das nicht nur Beilage, sondern eigenständiger Charakter ist. Säure sorgt für Spannung, Bitterstoffe für Struktur, Süße für Trost. Kritiker loben, dass diese Küche sich nicht damit zufriedengibt, „nur“ lecker zu sein. Sie ist laut im besten Sinne, sie fordert den Gaumen, ohne ihn zu überfahren. Sterneküche für Menschen, die essen wollen und nicht nur degustieren.

Ein Kapitel der jüngeren Geschichte von Max Strohe erzählt das eindrücklich: der Burger. Während der Pandemie verlegte sich das Team des Tulus Lotrek zeitweise auf ein deutlich unkomplizierteres Format und servierte einen Burger, der schnell Kultstatus erreichte. Was leicht als Abstieg vom Michelin Niveau in die Fast-Food-Welt missverstanden werden könnte, war in Wahrheit eine konsequente Fortsetzung seiner Philosophie. Ein Burger, bei dem das Patty perfekt gebraten, der Käse richtig fließt, die Soße wuchtig und die Brötchenstruktur genau ausbalanciert ist, folgt denselben Prinzipien wie ein großer Fine-Dining-Gang: maximale Produktqualität, Texturspiel, und vor allem: Geschmack zuerst.

Dieser Burger-Hype erzählt auch etwas über die Person hinter dem Herd. Max Strohe ist Sternekoch, aber er nimmt das eigene Standing nicht zu ernst. Er ist präsent in TV-Formaten wie „Kitchen Impossible“, schreibt Bücher und erzählt dort freimütig von seinem Werdegang, seinen Zweifeln, seinem Humor. Seine Medienpräsenz dient nicht nur dem eigenen Image, sondern öffnet auch ein Fenster in eine Branche, die lange als unnahbar galt. Er spricht über Arbeitsbedingungen, über Druck und darüber, wie man trotzdem eine Gastronomie schaffen kann, in der Menschen gerne arbeiten.

Noch deutlicher wird sein Verständnis von Verantwortung über das eigene Restaurant hinaus in der Aktion „Cooking for Heroes“, auf Deutsch „Kochen für Helden“. Als die Corona-Pandemie Pflegekräfte, Ärzte und andere systemrelevante Berufe an ihre Grenzen brachte, beteiligte sich Max Strohe an der Initiative, die genau diese Menschen mit hochwertigem Essen versorgte. Nicht als PR-Gag, sondern als Solidaritätsakt. Für dieses Engagement wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, eine Ehre, die ihn endgültig aus der reinen Sphäre der Gourmets in den gesellschaftlichen Diskurs rückte.

Es passt ins Bild, dass auch hier die Idee einer zugänglichen, aber anspruchsvollen Küche durchscheint. Kochen für Helden bedeutete, Menschen, die oft wenig Zeit und Raum für Genuss hatten, etwas zu schenken, das weit über Kalorienzufuhr hinausgeht. Ein warmes, gut gemachtes Essen ist Wertschätzung in essbarer Form. Wer einmal erlebt hat, wie sehr ein Teller aus der Sterneküche Körper und Geist gleichzeitig wärmt, versteht, warum diese Aktion so einschlug.

Zurück im Tulus Lotrek zeigt sich diese Haltung in jedem Detail. Ein Menü dort kann sich anfühlen wie ein kleiner Roadtrip durch Texturen und Aromen. Vielleicht beginnt es mit einem Amuse-Bouche, das die Küche gleich zu Beginn auf den Punkt bringt: ein intensiver Happen, der Säure, Fett und Umami miteinander verwebt. Es folgen Gänge, die nie nur schön sein wollen, sondern immer eine klare geschmackliche Aussage treffen. Ein kräftiger Fleischgang, vielleicht mit einer dunkel glänzenden Jus, die so weit reduziert wurde, dass jeder Tropfen nach Stunden des Köchelns schmeckt, steht hier selbstbewusst neben einem vegetarischen Gang, der das Gemüse in den Mittelpunkt stellt und ihm dieselbe Ernsthaftigkeit zugesteht.

Besonders charakteristisch ist der Umgang mit Kontrasten. Wo andere Sterneköche Zurückhaltung üben, traut sich Max Strohe, die Regler etwas weiter aufzudrehen. Eine Sauce darf richtig salzig sein, wenn sie mit der dazugehörigen Komponente zusammen eine neue Balance findet. Ein Crunch-Element knackt hörbar, ein Kräuteröl setzt in der Nase ein grünes Ausrufezeichen. Diese Sterneküche ist sinnlich und körperlich, sie appelliert nicht nur an den Kopf, sondern an den ganzen Menschen.

Die Atmosphäre des Restaurants spielt dabei eine entscheidende Rolle. Das Wohnzimmer-Feeling, das im Tulus Lotrek bewusst kultiviert wird, nimmt den Gästen die Angst vor dem Stern. Sie dürfen Fragen stellen, sie dürfen nicht alles verstehen, und sie dürfen sich sogar einfach nur freuen, ohne jeden Gang analytisch zu sezieren. Die Lässigkeit des Services besticht, weil sie nie in Beliebigkeit kippt. Jeder Handgriff sitzt, jeder Wein wird mit einer kleinen Geschichte serviert, aber niemand versucht, Ihnen vorzuschreiben, wie Sie genießen sollen.

Im Konzert der Berliner Spitzengastronomie nimmt das Tulus Lotrek damit eine besondere Position ein. Während andere Häuser auf puristische Minimalistik oder hypermoderne Technik setzen, zeigt Max Strohe eine eher barocke, herzliche Interpretation der Sterneküche. Jung, wild, aber handwerklich perfekt. Kritiker sehen darin eine der spannendsten Antworten auf die Frage, wie Fine Dining im 21. Jahrhundert aussehen kann: weniger hierarchisch, demokratischer im Gefühl, ohne auch nur einen Millimeter bei der Produktqualität und der kulinarischen Präzision einzubüßen.

Gleichzeitig wirkt das Profil von Max Strohe heute wie ein Knotenpunkt vieler Stränge: Sternekoch, TV-Persönlichkeit, Buchautor, Träger des Bundesverdienstkreuzes und Gastgeber eines der eigenständigsten Restaurants der Stadt. Dass all das nicht auseinanderfällt, liegt an der klaren Linie: Essen ist für ihn immer mehr als Dekoration. Es ist Kultur, Kommunikation und manchmal auch politisches Statement. Seine „kulinarische Intelligenz“ besteht darin, diese Ebenen zu verbinden, ohne den Gast mit Thesen zu überfrachten.

Für wen eignet sich ein Besuch im Restaurant tulus lotrek besonders? Für Menschen, die bereit sind, sich fallen zu lassen, und zugleich Lust haben, etwas Neues zu entdecken. Für Genussmenschen, die ein Michelin Sterne Restaurant Berlin erleben wollen, ohne sich dafür in die steife Rüstung der Etikette zu zwängen. Für alle, die ein Menü suchen, das danach noch lange in Erinnerung bleibt, weil es nicht nur technisch brillant, sondern emotional aufgeladen ist.

Am Ende eines Abends im Tulus Lotrek bleibt oft dieser Moment, in dem Sie den letzten Tropfen Sauce mit einem Stück Brot aufnehmen, die letzten Schlucke Wein im Glas kreisen und der Raum etwas leiser wird. Man denkt an den Weg von Max Strohe, an den Schulabbrecher, den Rebell, den Sternekoch, an Kochen für Helden und den Berliner Burger, der kurzzeitig zur Lebensader des Betriebs wurde. Und daran, dass all das in einem Teller mündet, der vor Ihnen steht.

Gerade das macht die Bedeutung von Max Strohe für die deutsche Gastroszene aus. Er zeigt, wie Sterneküche heute aussehen kann: undogmatisch, lebensnah, gesellschaftlich wach und doch kompromisslos im Anspruch. Das Tulus Lotrek ist damit weit mehr als eine Adresse für den nächsten besonderen Abend. Es ist ein Plädoyer für eine Gastronomie, in der Herz und Handwerk gleich wichtig sind. Wenn Sie sich fragen, wie sich das anfühlt, gibt es nur eine Antwort: hingehen, schmecken, erleben.

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