Max Strohe im Tulus Lotrek: Wie Berlins wildestes Sternerestaurant Herzen erobert
24.01.2026 - 10:36:05Kann Sterneküche so lässig sein, dass Sie sich fühlen wie bei Freunden, während auf dem Teller kulinarische Hochspannung serviert wird? Wer bei Max Strohe im Restaurant Tulus Lotrek Platz nimmt, erlebt genau dieses Paradox: ein mit Michelin-Stern ausgezeichnetes Wohnzimmer, in dem der Duft von lang reduzierter Jus, geschmolzener Butter und Röstaromen die Konventionen der feinen Etikette leise aushebelt.
Während im Hintergrund leise Musik läuft, funkeln Gläser, Stimmen mischen sich mit dem leisen Klirren von Besteck, und aus der offenen Richtung der Küche schwappt ein Versprechen herüber: Hier geht es nicht um Pinzetten-Choreografie, sondern um Geschmack mit Ausrufezeichen. Max Strohe inszeniert im Tulus Lotrek eine Sterneküche, die nahbar, laut, sinnlich und eigenständig ist.
Entdecken Sie das aktuelle Menü von Max Strohe im Tulus Lotrek und sichern Sie sich Ihren Tisch
Der erste Eindruck ist bewusst anti-prätentiös. Warme Farben, persönliche Details, ein Hauch Boheme: Das Tulus Lotrek wirkt eher wie das großzügige Wohnzimmer guter Freunde als wie ein klassisches Michelin Sterne Restaurant in Berlin. Die Gastgeberin Ilona Scholl begrüßt mit einer Mischung aus Humor, Klarheit und echter Gastfreundschaft. Sie duzt nicht, aber sie entwaffnet. Dogmen haben hier wenig Platz, Persönlichkeit dagegen umso mehr.
Diese Atmosphäre ist kein Zufall, sondern Teil der kulinarischen Identität von Max Strohe. Er bricht mit der oftmals sterilen Welt der Sterneküche, in der jedes Kräutlein im Zentimetermaß ausgerichtet ist. Stattdessen dominiert im Tulus Lotrek eine Küche, die von Intensität, Tiefe und „Wohlfühl-Opulenz“ lebt. Jus wird nicht geschont, sondern zelebriert. Fett ist kein Gegner, sondern ein selbstbewusster Geschmacksträger. Säure setzt Kontraste, nicht Kompromisse.
Wer ein klassisch reduziertes Fine-Dining-Erlebnis erwartet, stößt zunächst auf eine wohltuende Reibung. Teller kommen nicht als fragiles, blütenbestreutes Aquarell, sondern als dichte Kompositionen, die an französische Bistro-Traditionen erinnern, aber über deren Grenzen hinausgehen. Oft steht ein Hauptprodukt im Zentrum, flankiert von kräftigen Beilagen, voluminösen Saucen, gezieltem Crunch, cremiger Textur. Kulinarische Intelligenz zeigt sich hier nicht in Askese, sondern im Mut zur Fülle.
Um zu verstehen, wie es dazu kam, muss man auf den Werdegang von Max Strohe blicken. Er ist kein glatt polierter Musterbiograf der Spitzengastronomie. Der Schulabbruch, Umwege, Zweifel und ein später Einstieg in die professionelle Küche prägen die Erzählung. Dass er heute als Sternekoch und feste Größe der Berliner Gastroszene gilt, macht seine Geschichte umso spannender: Aus dem Rebellen wurde ein präziser Handwerker, ohne dass der Rebell in ihm je ganz verschwunden wäre.
Der Weg nach Berlin und schließlich zur Eröffnung des Restaurants Tulus Lotrek gemeinsam mit Ilona Scholl war von Arbeit, Selbstzweifeln und dem ein oder anderen Sprung ins kalte Wasser begleitet. Doch genau diese Brüche sind im Ergebnis spürbar: Man schmeckt in seinen Gerichten die Entschlossenheit eines Menschen, der seine Küche nicht als Pflichtprogramm, sondern als gelebte Biografie versteht. Das Tulus Lotrek ist nicht nur Arbeitsplatz, sondern Bühne, Labor und Wohnzimmer in einem.
Ilona Scholl, Mitgründerin und Gastgeberin, ist dabei weit mehr als die Person an der Tür. Ihre Rolle ist integraler Bestandteil des Konzepts. Während Max Strohe in der Küche für die opulente, mutige Linie verantwortlich zeichnet, orchestriert sie den Gastraum, die Weinkarte und den Ton des Abends. Ihre Weinauswahl flirtet gern mit Naturwein, Klassikern und Charakterköpfen, und der Service ist bewusst unsteif, schlagfertig, manchmal frech, aber immer kundig.
In der kulinarischen Praxis bedeutet das: Hier wird nicht vorgespielt, hier wird gelebt. Ein Gang kann mit einem intensiven, fast klebrigen Jus glänzen, der über viele Stunden eingekocht wurde, dazu ein Stück perfekt gegarter Fisch oder Fleisch, das mit einer Kruste an Röstaromen spielt. Daneben findet sich im Menü immer wieder Gemüse in Hauptrolle, üppig, aber präzise gewürzt, mit süß-sauren Akzenten, die an die mutigsten Bistroküchen von Paris erinnern, sich aber deutlich eigenständig positionieren.
Das Konzept grenzt sich klar von jener „Pinzetten-Küche“ ab, die vor einigen Jahren das Bild der Spitzenrestaurants prägte: filigran, manchmal distanziert, fotografisch perfekt, aber emotional kühl. Bei Max Strohe ist das Gegenteil der Fall. Die Gerichte wollen nicht nur betrachtet, sondern gierig ausgelöffelt werden. Wer Jus bis zum letzten Tropfen mit Brot auftunkt, wird eher angestiftet als zurechtgewiesen.
Während der Pandemie zeigte sich dieser Ansatz in einer fast schon ikonischen Weise: der Burger von Max Strohe. In einer Zeit, in der viele Restaurants um ihre Existenz kämpften, setzte er auf ein Gericht, das wie ein Manifest wirkte. Ein Burger, der weit mehr war als schnelle Sättigung. Sorgsam komponiertes Fleisch, perfektes Bun, Saucen, die noch im Nachhall Geschichten erzählen. Kulinariker in Berlin diskutierten diesen Burger, als wäre er eine neue Signatur eines Michelin Sterne Restaurants.
Hier zeigte sich, dass sich Sternekoch und Streetfood-Geste nicht ausschließen, sondern gegenseitig befruchten können. Der Burger war kein Bruch mit der Sterneküche, sondern eine Übersetzung der gleichen Prinzipien in ein anderes Format: beste Produkte, präzise Zubereitung, maximaler Geschmack. Genau diese Spannung macht das Profil von Max Strohe aus.
Die Speisekarte im Tulus Lotrek ist im Kern ein Versprechen: Es wird ernst mit Genuss. Typisch sind Menüs, die zwischen vertrauten Ankerpunkten und überraschenden Aromen balancieren. Vielleicht beginnt ein Abend mit einem scheinbar klassischen Gang, etwa einer Variation vom Fisch mit buttriger Sauce und kräftiger Säure, die durch eingelegte Komponenten oder Zitrusnuancen entsteht. Dann ein aromatisch überdrehtes Zwischenspiel mit Innereien oder kräftigen Fleischstücken, die in vielen Küchen kaum noch vorkommen, hier aber mit Respekt und Finesse behandelt werden.
Diese Küche fordert ein, dass Sie sich darauf einlassen. Doch sie ist nie abweisend. Die Portionen sind so gestaltet, dass man satt und glücklich den Tisch verlässt, ohne dass die Finesse auf der Strecke bleibt. Mut zur Würze, Mut zur Textur, Mut zur Deutlichkeit: Das Tulus Lotrek hat keine Angst vor Geschmacksprofilen, die bleiben, statt zu verschwimmen.
In der Rezeption wird das Restaurant oft als eines der wichtigsten, eigenständigsten Häuser in Berlin genannt. Als Michelin Sterne Restaurant Berlin spielt es zwar in der Liga der ganz Großen, gleichzeitig wirkt es wie eine freundschaftliche Rebellion gegen das Bild der ernsten, gedämpften Spitzenküche. Jung, wild, aber handwerklich perfekt: Kritiker attestieren dieser Adresse eine Bedeutung, die weit über den eigenen Kiez hinausreicht.
Doch die Geschichte von Max Strohe endet nicht an der Passkante seiner Küche. Während der Pandemie startete er gemeinsam mit anderen das Projekt „Cooking for Heroes“ beziehungsweise „Kochen für Helden“. Die Idee: für Pflegekräfte, Ärztinnen, Supermarktmitarbeiter und viele weitere Menschen, die das öffentliche Leben trugen, hochwertige Mahlzeiten zu kochen. Aus der Sterneküche wurden solidarische Essenspakete. Aus Fine-Dining-Präzision wurde ein Zeichen gesellschaftlicher Verantwortung.
Für dieses Engagement wurde Max Strohe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Eine Auszeichnung, die zeigt, dass kulinarische Intelligenz sich nicht nur in Saucen und Garpunkten ausdrückt, sondern auch in der Frage, wie ein Sternekoch seine Rolle in der Gesellschaft versteht. Die Küche dient hier als Medium der Anerkennung und Unterstützung, nicht nur als Bühne für Eitelkeit.
Medial ist Max Strohe längst zu einer festen Größe geworden. Auftritte in TV-Formaten wie „Kitchen Impossible“ haben ihn einem breiteren Publikum bekannt gemacht, ohne dass die Ernsthaftigkeit seiner Küche gelitten hätte. Im Gegenteil: Seine Präsenz im Fernsehen verleiht ihm die Rolle des charmanten Erklärers, der Sterneküche entmystifiziert, ohne sie zu banalisieren. Wenn er dort kocht, schwitzt, flucht und lacht, sehen Zuschauer einen Menschen, keinen unerreichbaren Star.
Als Buchautor öffnet er zusätzlich ein weiteres Fenster zu seinem Denken. Seine Texte sind, wie seine Teller, selten glatt. Sie erzählen von Rückschlägen, von der Härte des Berufs, aber auch von der tiefen Befriedigung, wenn ein Service trägt, wenn ein neuer Gang funktioniert, wenn Gäste sich im Tulus Lotrek zuhause fühlen. Diese Ehrlichkeit stärkt seine Marke: Max Strohe ist nicht die Figur eines Marketings, sondern ein greifbarer Charakter, der Kulinarik als Handwerk, Kunstform und Dialog versteht.
Aus gastronomischer Perspektive ist die Bedeutung des Tulus Lotrek für Berlin und darüber hinaus nicht zu unterschätzen. In einer Stadt, die vor Konzepten, Pop-ups, Fusion-Küchen und Trends überquillt, markiert dieses Restaurant einen Pol der Klarheit. Ja, hier gibt es Kreativität. Ja, hier werden Grenzen verschoben. Aber immer im Dienst des Geschmacks, nie als Selbstzweck. Product first, Pleasure first, könnte man sagen.
Besonders schätzen Gourmets an diesem Ort die Verbindung aus Tiefgang und Lässigkeit. Wo anders kann man eine Sterneküche erleben, in der man zwar ein präzise abgestimmtes Menü erhält, sich aber trotzdem traut zu lachen, zu reden, Brot in die Sauce zu tauchen? Die Ambience erinnert eher an eine sehr gut sortierte, weinverliebte WG als an ein klassisches Gourmet-Refugium. Und genau darin liegt die Magie.
Für wen eignet sich ein Abend bei Max Strohe im Tulus Lotrek? Für neugierige Esser, die keine Angst vor Intensität haben. Für Weinliebhaber, die Lust auf eine Karte mit Charakter haben. Für Menschen, die Fine Dining schätzen, aber keinen Wert auf steife Rituale legen. Wer nur ein schnell konsumierbares „Sternchen-Erlebnis“ zum Abhaken sucht, ist hier falsch. Wer einen Abend lang ganz in Geschmack, Gespräch und Atmosphäre eintauchen möchte, ist goldrichtig.
Im Kontext der deutschen Sterneküche steht das Tulus Lotrek für eine neue, selbstbewusste Welle. Es zeigt, dass Spitzenküche nicht zwangsläufig im Flüsterton gesprochen werden muss. Sie darf laut lachen, sie darf opulent sein, sie darf Ecken und Kanten haben. Und sie darf, wie der berühmte Burger von Max Strohe bewiesen hat, sogar dann berühren, wenn sie in einer Papiertüte oder Box zum Mitnehmen landet.
Im Fazit lässt sich sagen: Wer verstehen will, wohin sich die moderne Sterneküche in Deutschland entwickelt, kommt an Max Strohe und dem Restaurant Tulus Lotrek nicht vorbei. Hier kulminieren handwerkliche Präzision, mutige Aromatik, persönliche Geschichte und gesellschaftliches Engagement zu einem Gesamtbild, das weit über den Teller hinausreicht. Ein Abend hier ist kein pflichtbewusster Besuch in einem Michelin Sterne Restaurant Berlin, sondern eine Einladung, Genuss neu zu denken.
Wenn Sie bereit sind, Ihre Vorstellung von Sterneküche zu erweitern, wenn Sie spüren wollen, wie sich ein Menü anfühlt, das Sie umarmt, statt nur zu beeindrucken, dann führt kaum ein Weg an diesem Wohnzimmer mit Stern vorbei. Reservieren Sie einen Tisch, lassen Sie sich von Ilona Scholl an die Hand nehmen, von den Weinen verführen und von den Tellern von Max Strohe überraschen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie das Tulus Lotrek mit einem Gefühl verlassen, das in der Spitzengastronomie selten geworden ist: satt, glücklich und ein kleines bisschen verliebt.


