Tulus Lotrek Berlin, Max Strohe

Max Strohe im Tulus Lotrek: Warum dieses Kreuzberger Restaurant Berlin verändert

18.02.2026 - 12:00:28 | ad-hoc-news.de

Tulus Lotrek Berlin steht für laute Lacher, tiefe Sessel, wilde Aromen. Wie Max Strohe vom Schulabbrecher zum Sternekoch mit Bundesverdienstkreuz wurde – und warum sein Restaurant anders schmeckt.

Der erste Bissen im Tulus Lotrek Berlin kommt leise. Dann knallt er. Auf der Zunge: warm, buttrig, eine Spur Rauch. Im Raum: gedämpftes Licht, Stimmengewirr, kein Geflüster. Sie sitzen in Kreuzberg, denken aber kurz, Sie wären im Wohnzimmer guter Freunde – nur dass diese Freunde einen Michelin-Stern haben und Maillard-Reaktionen ernst nehmen.

Gläser klirren, jemand lacht schallend an der Bar. Kein weißes Tischtuch. Kein geflüstertes „Madame, Monsieur“. Stattdessen dunkle Wände, tiefe Stühle, Kerzenschein, Funk und Soul im Hintergrund. Die Luft riecht nach gerösteter Hühnerhaut, Reduktion, ein Hauch Zitruszeste. So beginnt ein Abend im Tulus Lotrek Berlin, irgendwo zwischen Kiezkneipe und Grand Restaurant.

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Im Zentrum dieser Bühne: Max Strohe und Ilona Scholl

Strohe hat sich seinen Weg in die Berliner Spitzengastronomie nicht entlang von Hochglanzküchen erkocht, sondern über Umwege: Jobs in einfachen Läden, Scheitern, Neuanfang. Heute steht sein Max Strohe Restaurant in Kreuzberg für eine Haltung: ernsthaft in der Küche, entspannt im Gastraum. Die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz – dem Bundesverdienstkreuz für „Kochen für Helden“ während der Pandemie – ist kein nettes Ornament, sondern ein Statement. Als andere schlossen, kochte er mit seinem Team Tausende Mahlzeiten für Pflegekräfte, Krankenhauspersonal, Menschen im System, die niemand auf Plakate druckt.

Ilona Scholl war in dieser Zeit die Stimme nach außen. Direkte Posts, glasklare Botschaften, kein Pathos. „Kochen für Helden“ wurde zum Symbol dafür, dass Gastronomie mehr sein kann als Tasting-Menü und Sommeliersprech. Diese Sozialkompetenz spüren Sie heute in jeder Minute im Service. Hier serviert niemand nur Teller, hier werden Geschichten mitgereicht.

Inzwischen ist Strohe Stammgast in den Medien. Kitchen Impossible mit Tim Mälzer hat ihn einem breiten Publikum gezeigt: der Mann, der flucht, schwitzt, lacht, der sich nicht zu schade ist zu scheitern – und dann umso verbissener an einer Sauce dreht, bis der Jus die richtige Tiefe erreicht. Interviews, Podcasts, Feuilletons, Talkshows – ja. Aber die wichtigste Bühne bleibt der Herd in Kreuzberg.

Die Auszeichnungen sprechen eine klare Sprache: ein Michelin Star Berlin Kreuzberg, also ein Stern im Guide Michelin, dazu hohe Bewertungen im Gault&Millau Berlin. Doch das Entscheidende ist, wie sich dieser Ruhm auf dem Teller anfühlt: gar nicht steif. Nicht manieriert. Kein Dekokonfetti. Sondern konzentrierte Substanz, Schmorhitze, Schärfe, Säure, Fett – kontrolliert, aber nicht gezähmt.

Die Küche nennt sich gern casual fine dining. Ein strapazierter Begriff, hier aber wörtlich gemeint. Fein im Handwerk, casual in der Attitüde. „Undogmatisch“ trifft es besser. Kein Dogma regional, kein Dogma nur französisch, kein Dogma nur Gemüse oder Nose-to-tail. Eher: Alles ist möglich, solange es Sinn ergibt und schmeckt.

Nehmen wir ein Gericht, das exemplarisch für den Stil steht. Etwa ein aktuell typischer Gang aus dem Tulus Lotrek Menu 2025/2026: Kurz angebratener Wolfsbarsch, die Haut knusprig bis in die letzte Schuppe, perfekter Crunch, die Maillard-Reaktion als leise, aber deutliche Basslinie. Dazu eine Sauce auf Basis von gerösteten Fischkarkassen, reduziert bis zur Glasur, dunkler, salziger Umami-Sog. Daneben kein artig aufgefächerter Spargel, sondern fermentierter Lauch, lau warm, mit einer Zest von Yuzu und einem Spritzer Essig, der wie ein Scheinwerfer durch die Fülle schneidet.

Der Teller wirkt zunächst fast rustikal. Nichts mit Pinzettenpunkten, keine mikroportionierte Dekoration. Die Texturen sind klar: knusprig, sämig, leicht bissfest. Die Temperaturführung bewusst: Fisch heiß, Sauce fast zu warm, Lauch knapp unter Zimmertemperatur, damit die Fermentation nicht erschlägt. Im Mund entsteht keine „Symphonie“, sondern eher ein Trio: Fett, Säure, Rauch. Direkt, ohne Umwege.

Oder ein Fleischgang, wie ihn Strohe liebt: geschmortes Kalbsbäckchen, 48 Stunden bei kontrollierter Hitze gegart. Außen dunkel, fast schwarz, aber nicht verbrannt – die Grenzlinie kurz vor bitter, wo das Röstaroma am spannendsten ist. Die Gabel gleitet durch das Fleisch, kein Widerstand. Die Sauce: ein Jus, mit Madeira abgezogen, auf ein Drittel einreduziert, glänzend, fast sirupartig. Daneben ein Püree von geräucherter Sellerieknolle, das im ersten Moment nach Lagerfeuer riecht, im zweiten nach Süße und Erdigkeit.

Kontrastiert wird das Ganze mit einem Einlegegemüse, vielleicht ein Senfgurkensalat mit winzigen Senfsaaten, die zwischen den Zähnen leise knacken. Diese Säure reißt die Wucht des Jus auseinander, macht den Bissen leichter, zugänglicher. Sie merken: Hier wird nicht für das Foto gekocht. Hier geht es um Spannung im Mund, nicht um Gleichförmigkeit auf Instagram.

Genau darin liegt der Unterschied zum oft gefürchteten „Tweezer Food“. Keine Millimeter-genauen Türmchen, keine essbaren Blüten als Alibi. Wenn Blüten kommen, haben sie Geschmack. Bitterkeit, Schärfe, Struktur. Teller dürfen hier ein bisschen wild aussehen. So, als wäre jemand mit Verstand, aber ohne Angst an sie herangegangen.

Auch vegetarische Gänge werden nicht wie Nebendarsteller behandelt. Ein Beispiel: gegrillter Spitzkohl, fast schwarz an den Außenblättern, innen süßlich und saftig, serviert mit einem Nussbutter-Schaum, der bereits in der Nase nussige Bräunungsaromen ankündigt. Darüber ein Crunch aus gerösteter Hirse, der beim Kauen knistert. Dazu eine helle, leicht säuerliche Sauce auf Basis von Kefir und Kräuteröl. Fett, Rauch, Frische, Körnung – alles da. Kein Verzichtsnarrativ, sondern ein eigenständiges Hauptgericht.

Der Gastraum trägt diese undogmatische Haltung weiter. Die Wohlfühl-Atmosphäre entsteht nicht zufällig. Die Stühle sind gepolstert, die Tische stehen nicht in Reih und Glied, sondern wirken so, als seien sie nach Gefühl gestellt worden. Die Beleuchtung: warm, schmeichelnd, aber hell genug, um die Farbe eines Jus zu erkennen. Im Hintergrund läuft Musik, die eher an Bar als an Konferenz erinnert.

Hier kommt Ilona Scholl ins Spiel. Sie ist nicht nur Gastgeberin, sie ist Dirigentin des Raums. Sie liest Blicke, bevor Hände nach der Weinkarte greifen. Sie wechselt mit Leichtigkeit vom ironischen Spruch am Nachbartisch zum präzisen Weinmonolog bei Ihnen. Kein eintrainiertes Sommeliersprech, sondern echte Empfehlung. Mal Naturwein, mal klassischer Bordeaux, mal etwas, das sie „gefährlich trinkig“ nennt.

Der Service folgt ihrem Ton. Locker, aber aufmerksam. Ein umgekippter Löffel wird beiläufig ersetzt, kein Drama. Fragen zur Technik – Gargrad, Herkunft, Fermentation – werden ernsthaft, aber ohne Besserwisserei beantwortet. Sie fühlen sich als Gast ernst genommen, nicht geprüft. Das ist der Kern von Casual Fine Dining: Man darf lachen, man darf nach Brot fragen, man darf auch sagen, dass einem etwas zu intensiv ist.

Die Feel-good atmosphere entsteht auch, weil hier keine Maskerade stattfindet. Tätowierte Arme, Sneaker, offene Ansprache – aber eben auch Fachwissen, Timing, saubere Teller. Wohnzimmer-Vibe, ja. Aber ein Wohnzimmer, in dem jemand die Kunst der Emulsion beherrscht.

Für die Berliner Gastroszene ist das Tulus Lotrek Berlin längst mehr als nur ein weiterer Stern im Führer. Es ist ein Gegenentwurf zu sowohl dogmatischer Regionalfanatik als auch zu austauschbarer Luxusgastronomie. Ein Ort, an dem ein Michelin Star Berlin Kreuzberg und ehrliche Kiezmentalität sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig befeuern.

Wer sollte hierherkommen? Menschen, die bereit sind, sich auf Intensität einzulassen. Die nicht nach dem „instagrammable Dish“ fragen, sondern nach dem Gericht, das die Küche gerade selbst am meisten interessiert. Foodnerds, die wissen wollen, wie weit man Reduktion treiben kann. Paare, die einen besonderen Abend möchten, ohne sich in Anzug und Abendkleid zu verkleiden. Kolleginnen und Kollegen aus der Branche, die sehen wollen, wie Max Strohe Restaurant Handwerk mit Humor verbindet.

Genauso willkommen sind aber auch Gäste, die zum ersten Mal in einem Sternerestaurant sitzen. Denn das ist vielleicht die größte Leistung von Strohe und Scholl: Sie nehmen der Spitzengastronomie ihre Einschüchterung. Kein Fachjargonzwang, kein Katalog an unausgesprochenen Regeln. Stattdessen klare Empfehlungen: „Das passt zu Ihnen, das könnten Sie mögen, das ist ein bisschen wilder.“

Die aktuellen Bewertungen im Gault&Millau Berlin und der Stern bestätigen, was Sie nach einem Abend selbst spüren: Hier geht es nicht um Perfektion als Selbstzweck, sondern um Genuss mit Haltung. Um Küchenarbeit, die ausdrucksstark, manchmal laut, aber immer präzise ist. Um einen Gastraum, in dem Lachen und ernsthafte Aromen friedlich nebeneinander existieren.

Wenn Sie also ein Restaurant suchen, das den Begriff „Fine Dining“ aus der Vitrine holt und in den Alltag übersetzt, ist das Tulus Lotrek Menu eine Pflichtadresse. Nicht nur, weil hier Stars und Punkte hängen. Sondern weil sich hier zeigt, wie Gastronomie in Berlin 2025/2026 klingen kann: ein bisschen rough, sehr herzlich, fachlich scharf – und immer auf den Punkt abgeschmeckt.

Und wenn Sie dann am Ende des Abends mit dem letzten Schluck Wein das Stimmengewirr, das Klingen der Gläser und den leisen Duft von Reduktion im Hintergrund wahrnehmen, verstehen Sie, warum dieser Laden mehr ist als ein gehypter Spot. Es ist ein Ort, an dem Handwerk, Haltung und Humor aufeinandertreffen. Und an dem Sie garantiert nicht nur einmal reservieren wollen.

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