Marvell, KGV

Marvell: KGV 71 bei nur 28 Prozent Wachstum

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 16:26 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Marvell Technology erzielt Rekordumsatz, wächst aber langsamer als Konkurrenten. Die Aktie verliert nach KI-Sorgen deutlich an Wert, während Insider verkaufen.

Marvell Technology: Rekordumsatz trotz Bewertungsdebatte und Kursrutsch
Abstrakte Darstellung von Halbleitertechnologie und Mikrochips in einem modernen, professionellen Umfeld. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Marvell Technology steckt mitten in einer Bewertungsdebatte. Die Aktie hat sich binnen zwölf Monaten mehr als verdreifacht, notiert inzwischen aber deutlich unter ihrem Rekordhoch. Anleger fragen sich, ob der Kurssprung durch die tatsächlichen Geschäftszahlen gedeckt ist oder ob die Erwartungen der Realität vorauslaufen.

Rekordquartal, aber Wachstum unter den Konkurrenten

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Marvell einen Rekordumsatz von 2,418 Milliarden US-Dollar, ein Plus von rund 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Data-Center-Umsatz allein lag bei 1,83 Milliarden US-Dollar. Die Non-GAAP-Bruttomarge erreichte 58,9 Prozent, der operative Cashflow kletterte auf einen Rekordwert von 638,8 Millionen US-Dollar. Für das zweite Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 2,7 Milliarden US-Dollar in Aussicht, ein Zuwachs von rund 35 Prozent zum Vorjahr. Für das gesamte Geschäftsjahr 2027 hob Marvell seine Prognose auf rund 11,5 Milliarden US-Dollar an.

Trotz dieser Zahlen wächst Marvell langsamer als seine wichtigsten Vergleichsunternehmen. Analysten erwarten für das Geschäftsjahr 2027 ein Umsatzplus von 41 Prozent, für 2028 von 45 Prozent. Broadcom kommt Analystenschätzungen zufolge in diesem Jahr auf 66 Prozent, Nvidia auf 82 Prozent. Gleichzeitig handelt Marvell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 71, deutlich über dem von Nvidia, das unter 35 liegt. An diesem Missverhältnis zwischen Bewertung und Wachstumstempo entzündet sich die Debatte, ob Marvell tatsächlich das nächste Nvidia werden kann.

Nvidia als Investor, Amazon und Microsoft als Kunden

Nvidia selbst hat 2 Milliarden US-Dollar in Marvell investiert. Zu den Kunden für kundenspezifische KI-Chips zählen Berichten zufolge Amazon und Microsoft. Marvell liefert Verbindungschips, kundenspezifische ASICs, Ethernet-Switches und DPUs für KI-Rechenzentren. Morgan Stanley schätzt in einer Analyse zum wachsenden Speicherbedarf der Cloud-Infrastruktur, dass rund 75 Prozent des Marvell-Umsatzes an Rechenzentren, Cloud und kundenspezifischen Chips hängen. Der Markt für CXL-Speichercontroller, in dem Marvell aktiv ist, soll sich demnach auf 2,1 Milliarden US-Dollar verdoppeln.

Kursrutsch nach Sorgen um KI-Investitionen

Mitte Juli geriet die Aktie unter Druck. Sorgen vor einer Verlangsamung der KI-Investitionen ließen Marvell am 16. Juli um 8 Prozent auf 189 US-Dollar einbrechen, binnen eines Monats summierte sich der Verlust auf rund 31 Prozent. Auch Broadcom, AMD und Intel gaben in diesem Umfeld nach. Die Marktdaten zeigen das Ausmaß der Korrektur: Der aktuelle Kurs von 182,66 Euro liegt 37,09 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 290,35 Euro, das am 3. Juni 2026 markiert wurde. Auf Monatssicht bleibt die Aktie damit unter Druck, während sie seit Jahresbeginn weiterhin klar im Plus notiert.

Zuletzt hat sich die Stimmung in der Branche wieder etwas aufgehellt. Starke Quartalszahlen von Intel mit einem Umsatzplus von 25 Prozent auf 16,13 Milliarden US-Dollar und einem auf 6,3 Milliarden US-Dollar gestiegenen Data-Center- und KI-Geschäft stützten zuletzt die gesamte Chipbranche, zu der auch Marvell als Zulieferer für KI-Infrastruktur zählt.

Insider verkaufen, Institutionelle bauen aus

Bei den Eigentümerbewegungen zeigt sich ein gemischtes Bild. First Trust Advisors stockte seinen Anteil im ersten Quartal um 43,7 Prozent auf und hält nun rund 1,94 Millionen Aktien im Wert von 191,7 Millionen US-Dollar. Auf der anderen Seite verkauften Insider in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 9,84 Millionen US-Dollar, darunter Sandeep Bharathi mit 2.231 Aktien zu je 299,13 US-Dollar. Auch Davis R M Inc. reduzierte seine Position um 37,1 Prozent. Der Analystenkonsens lautet dennoch auf "Moderate Buy" mit einem durchschnittlichen Kursziel von 245,45 US-Dollar. Marvell zahlt zudem eine Quartalsdividende von 0,06 US-Dollar je Aktie, zuletzt mit Ex-Tag am 10. Juli und Zahltag am 30. Juli 2026.

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