MAN und PWO: Wie Tarifverträge Arbeitsplätze sichern
16.01.2026 - 22:05:12In der Industriekrise setzen Unternehmen auf tarifliche Jobgarantien – mit unterschiedlichem Erfolg.
Die deutsche Industrie steckt in der Transformationskrise. Während bei MAN Truck & Bus eine milliardenschwere Investition mit einem Kündigungsverzicht einhergeht, kämpfen andere Branchen hart um jeden Standort. Tarifverträge werden zum zentralen Instrument im Kampf um Arbeitsplätze.
Diese Woche lieferte der Nutzfahrzeugbauer MAN ein wegweisendes Beispiel. Das Unternehmen einigte sich mit Gesamtbetriebsrat und IG Metall auf das Zukunftsprogramm „MAN2030+“. Der Kern: Fast eine Milliarde Euro fließen bis 2030 in die deutschen Standorte. Im Gegenzug verzichtet der Konzern auf betriebsbedingte Kündigungen für die bestehende Belegschaft.
„Diese Einigung ist ein starkes Signal für Stabilität“, bewerten Beobachter den Deal. Geplanter Stellenabbau soll deutlich unter der Zahl der altersbedingten Ausscheidungen bleiben. Ein Großteil der nötigen Einsparungen soll zudem durch Material- und Sachkosten gedeckt werden.
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Chemie und Zulieferer: Verhandlungen im Krisenmodus
Ganz anders die Lage in der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Die regionalen Tarifverhandlungen für 2026 begannen diese Woche mit harschen Fronten. Die IGBCE fordert spürbare Gehaltserhöhungen und verbindliche Jobgarantien.
Die Arbeitgeber erteilten eine klare Absage. Sie verweisen auf die „schwerste Strukturkrise seit Jahrzehnten“ und schrumpfende Produktion. Die Gespräche in Hessen und Nordrhein wurden ergebnislos vertagt und sollen auf Bundesebene fortgesetzt werden.
Unter massivem Druck steht auch der Automobilzulieferer PWO. Das Unternehmen erwartet für 2026 einen weiteren Umsatzrückgang an seinen deutschen Standorten. Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, schlug die Geschäftsführung nun selbst vor, eine tarifliche Beschäftigungssicherungsklausel zu aktivieren.
Ein bemerkenswerter Schritt: Er zeigt, dass solche Instrumente nicht nur von Gewerkschaften erkämpft, sondern auch von Arbeitgebern als pragmatische Krisenlösung genutzt werden.
Tarifautonomie als Schutzschild
Rechtlich sind solche Vereinbarungen auf solidem Boden. Beschäftigungssicherungsklauseln erlauben es Tarifparteien, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten von Standards abzuweichen – etwa bei Arbeitszeit oder Sonderzahlungen. Als Gegenleistung sagt der Arbeitgeber einen Kündigungsverzicht für einen festen Zeitraum zu.
Historische Vorbilder wie das „Pforzheimer Abkommen“ von 2004 belegen den Erfolg solcher Modelle. Rechtsgutachten bestätigen, dass sie als zulässige Rahmenbedingung für unternehmerische Entscheidungen gelten, solange sie die Existenz des Betriebs nicht gefährden.
Die Attraktivität solcher Verhandlungen dürfte noch steigen: Ab 2026 erschweren neue gesetzliche Vorgaben pauschale Kündigungen aus betrieblichen Gründen ohnehin.
2026: Das Jahr der Jobgarantien
Die Botschaft der letzten Tage ist klar: Arbeitsplatzsicherung wird das dominierende Tarifthema 2026. Für rund zehn Millionen Beschäftigte laufen in diesem Jahr die Vergütungstarifverträge aus – darunter in den Schlüsselbranchen Metall, Elektro und Chemie.
Der MAN-Abschluss könnte als Blaupause dienen. Er beweist, dass langfristige Investitionen und sozialverträglicher Wandel kein Widerspruch sein müssen. Die festgefahrenen Chemie-Verhandlungen zeigen jedoch die andere Seite der Medaille. Kooperation ist kein Selbstläufer.
Die Frage für das kommende Tarifjahr lautet: Bewältigt die deutsche Industrie ihre Transformation durch Partnerschaft oder durch Konfrontation? Die ersten Antworten fallen gemischt aus.
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