Salzgitter, Kampf

MAN Salzgitter: Kampf um die Zukunft des Werks

25.01.2026 - 18:32:12

Die IG Metall blockiert den Sozialplan für das MAN-Werk Salzgitter und fordert verbindliche Produktionszusagen über das Jahr 2030 hinaus. Die Verhandlungen sind festgefahren.

Der Konflikt zwischen Belegschaft und Management im MAN-Werk Salzgitter eskaliert. Während an anderen deutschen Standorten Einigungen für den Abbau von Arbeitsplätzen erzielt wurden, herrscht in Niedersachsen ein bitterer Stillstand. Die IG Metall und der Betriebsrat verweigern ihre Zustimmung zu einem Sozialplan – sie fordern eine verbindliche Zukunftsperspektive für den traditionsreichen Produktionsstandort jenseits des Jahres 2030.

Systematischer Abbau oder notwendiger Wandel?

Im Zentrum des Streits steht ein internes Strategiepapier, das sogenannte „Zielbild“ der MAN-Führung. Die Arbeitnehmervertreter werfen dem Konzern vor, damit den schrittweisen Ausstieg aus der Kernfertigung in Salzgitter zu planen. Die geplante Verlagerung der Achsermontage, mechanischen Bearbeitung und Rohrproduktion ins Ausland sowie das Ende der Kurbelwellenfertigung bis 2032 würden den Standort auf ein reines Logistikzentrum reduzieren.

„Das ist ein systematischer Abbau“, lautet der schwere Vorwurf der IG Metall. Die Gewerkschaft befürchtet den Verlust von über tausend hochqualifizierten Arbeitsplätzen und lehnt es ab, „die Bedingungen für einen Niedergang auszuhandeln“. Stattdessen fordert sie Investitionszusagen und ein klares Bekenntnis zur Produktion am Standort.

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Vertrauensverlust blockiert Verhandlungen

Die Lage in Salzgitter könnte kaum unterschiedlicher sein zu der in München und Nürnberg. Dort einigte sich MAN Mitte Januar mit den Beschäftigten auf Rahmenbedingungen für den Stellenabbau. Für Salzgitter wurde ausdrücklich keine Gültigkeit vereinbart – ein deutliches Zeichen für den außergewöhnlichen Dissens.

Die IG Metall Salzgitter-Peine bekräftigte ihre harte Haltung: Ohne eine robuste und verlässliche Zusage des Vorstands für die Zeit nach 2030 werde es keine Unterschrift geben. Ein Abkommen ohne diese Garantie wäre ein „Vertrag für Ungewissheit“, so die Gewerkschaft. Der fundamentale Vertrauensverlust und unterschiedliche Visionen für die Rolle des Werks im Traton-Konzern blockieren jede Einigung.

Logistikzentrum statt Hightech-Fertigung?

Die MAN-Führung betont den unternehmensweiten Transformationsdruck durch Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung. Sie verweist auf Investitionen, etwa den Ausbau des globalen Logistikzentrums in Salzgitter für Ersatzteile konventioneller und elektrischer Fahrzeuge.

Aus Sicht der Belegschaft geht der Fokus auf Logistik jedoch zulasten der wertschöpfenden Fertigung. Die Gewerkschaft argumentiert, dass das Know-how und die Infrastruktur in Salzgitter ideal für die Produktion von Komponenten für E-Lkw und Wasserstoffantriebe geeignet seien. Der Vorwurf: Der Konzern habe kein überzeugendes Konzept für die Integration der Produktionsbelegschaft in diesen Wandel vorgelegt, sondern wähle die kostengünstigere Option der Verlagerung.

Unklarer Ausblick mit Eskalationspotenzial

Mitte Januar 2026 ist der Weg für MAN in Salzgitter voller Ungewissheit. Der Konflikt hat sich von einer Sozialplan-Verhandlung zu einem grundsätzlichen Ringen um die industrielle Identität eines großen Regionalarbeitgebers entwickelt. Die von der mächtigen IG Metall gestützte Belegschaft zeigt keine Kompromissbereitschaft.

Ob es zu einer Einigung kommt, hängt nun davon ab, ob das Management mit einem überarbeiteten Angebot an den Verhandlungstisch zurückkehrt – eines mit konkreten, langfristigen Produktionszusagen. Ohne eine strategische Kurskorrektur droht die Auseinandersetzung weiter zu eskalieren. Für Tausende Beschäftigte und die gesamte Region entscheiden die kommenden Wochen darüber, ob MAN Salzgitter ein Industriestandort bleibt oder zum Symbol eines gesteuerten Niedergangs wird.

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