Mahlweizen, Dollar

Mahlweizen: 6,95 Dollar auf Chicago-Hoch

Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 04:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Krieg im Schwarzmeerraum und eine Hitzewelle in Europa treiben die Weizenpreise auf den höchsten Stand seit zwei Jahren.

Weizenpreise auf Zweijahreshoch: Krieg und Hitze belasten Märkte
Goldene Weizenfelder bei Sonnenaufgang, die steigende Rohstoffpreise symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine Kombination aus eskalierenden militärischen Auseinandersetzungen im Schwarzmeerraum und einer europaweiten Hitzewelle hat die Preise für Mahlweizen auf den höchsten Stand seit zwei Jahren getrieben. Während in Chicago die Futures die Marke von 6,95 US-Dollar pro Scheffel erreichten, markierten die Preise in Paris ein 17-Monats-Hoch.

Eskalation im Schwarzmeerraum belastet Exportkapazitäten

Die jüngsten Angriffe auf die Infrastruktur haben die Handelswege massiv beeinträchtigt. Medienberichten zufolge verlor die Ukraine etwa ein Drittel ihrer Getreideexportkapazität im Schwarzen Meer durch gezielte Angriffe auf Häfen wie Odessa und Tschornomorsk. Allein in den letzten zwei Wochen wurden elf Menschen bei Hafenangriffen getötet. Der Agrarkonzern Kernel sah sich gezwungen, den Betrieb im Hafen von Tschornomorsk einzustellen, nachdem dort 45.000 Tonnen Weizen und 9.000 Tonnen Sonnenblumenöl beschädigt wurden.

Parallel dazu verschärfte sich die Lage für russische Exporte. Die Schifffahrt durch den Asow-Don-Kanal und die Straße von Kertsch wurde eingeschränkt, was rund 25 Prozent der russischen Weizenexporte betrifft. Laut der Nachrichtenagentur Reuters führen ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien zudem zu einer Treibstoffkrise bei russischen Landwirten, was die Logistik zusätzlich erschwert. Das Analysehaus IKAR senkte die Prognose für die russischen Weizenexporte im Juli bereits um 20 Prozent auf 2 Millionen Tonnen.

Hitzewelle drückt europäische Ernteprognosen

Zusätzlich zur geopolitischen Lage belastet extreme Hitze in Europa die Ertragserwartungen. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) korrigierte seine Prognose für die deutsche Getreideernte 2026 nach unten. Getreidemarktexperte Guido Seedler bezifferte die Erwartung auf 42,7 Millionen Tonnen, was einem Rückgang von 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders der Winterweizen leidet unter der sogenannten Notreife durch Wassermangel.

In Frankreich, dem größten Weizenproduzenten der EU, wird die Erntemenge auf rund 32 Millionen Tonnen geschätzt, ein Minus von 4 Prozent zum Vorjahr. Die Analysten von Platts meldeten für französischen Weizen bereits Rekordpreise von über 219 Euro pro Tonne. Auch in Großbritannien berichten Landwirte von Ertragseinbußen von bis zu 50 Prozent in betroffenen Regionen.

Globale Versorgungsengpässe zeichnen sich ab

Die angespannte Lage spiegelt sich auch in den Kursen wider. Mahlweizen beendete den Handel am Freitag bei 56.405,00 USD, was einer täglichen Veränderung von -0,63 % entspricht. Damit liegt der Preis aktuell 19,87 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 70.390,00 USD, das im Mai erreicht wurde. Analysten weisen darauf hin, dass die aktuelle Marktreaktion die knapper werdenden Vorräte einpreist.

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) prognostiziert für die USA die kleinste Weizenernte seit der Saison 1970/71. Auch global verschiebt sich die Bilanz: Laut Reuters-Analysten wird der weltweite Weizenverbrauch in der Saison 2026/27 die Produktion voraussichtlich um 0,8 Prozent übersteigen. Der International Grains Council (IGC) rechnet damit, dass die weltweiten Lagerbestände um 26 Millionen Tonnen auf 610 Millionen Tonnen schrumpfen werden. Während die Analysten der Rabobank die aktuelle Reaktion noch als begrenzter einschätzen als zu Beginn des Konflikts im Jahr 2022, sorgt die Kumulation aus Produktionsausfällen und blockierten Handelswegen für eine anhaltend hohe Volatilität.

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