Made with Europe: Neue EU-Handelsdoktrin fordert Unternehmen heraus
07.02.2026 - 16:02:12Die EU setzt 2026 auf eine neue Handelspolitik, die Unternehmen zu umfassenden Compliance-Anpassungen zwingt. Der „Made with Europe“-Ansatz soll strategische Autonomie und robustere Lieferketten schaffen – eine direkte Antwort auf geopolitischen Druck und wirtschaftliche Unsicherheit.
Vom Schlagwort zur Wirtschaftsstrategie
„Made with Europe“ entwickelt sich zum zentralen Pfeiler der EU-Handelspolitik. Laut dem Jahreswirtschaftsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums zielt die Strategie darauf ab, handelspolitische Interessen mit denen von Partnerländern in Einklang zu bringen. Der Fokus liegt auf kritischen, strategischen Sektoren – eine Abkehr von rein kostengesteuerten Lieferketten.
Führende Wirtschaftsverbände gestalten diese Neuausrichtung aktiv mit. Der ZVEI, Verband der deutschen Elektro- und Digitalindustrie, fordert in einer aktuellen Stellungnahme, die wirtschaftliche Sicherheit durch „Made with Europe“ zu stärken. Konkret schlägt der Verband höhere europäische Wertschöpfungsanteile für Schlüsselbereiche wie kritische Infrastrukturen sowie Sicherheit und Verteidigung vor. Resilienz in der Lieferkette gilt nicht länger als Option, sondern als Notwendigkeit.
Ab August 2026 treten die umfassenden Pflichten des KI-Gesetzes (AI Act) in Kraft – für viele Unternehmen bedeuten die Dokumentations‑ und Governance-Anforderungen erhebliche Mehraufwände (bei manchen Betrieben im mittleren fünfstelligen Euro‑Bereich) und neue Haftungsrisiken. Unser kostenloses E‑Book erklärt praxisnah, wie Sie KI‑Systeme korrekt klassifizieren, die erforderliche Dokumentation und Governance aufbauen und Übergangsfristen einhalten, damit Bußgelder und Betriebsstörungen vermieden werden. Mit konkreten Checklisten und Umsetzungsbeispielen für Ihre Compliance‑Planung. Jetzt kostenlosen Umsetzungsleitfaden zur KI-Verordnung herunterladen
Geopolitische Realitäten treiben den Wandel
Was treibt diesen strategischen Kurswechsel? Die globalen Wirtschaftsverwerfungen der letzten Jahre wirken nach. Handelskonflikte mit den USA und die systemische Konkurrenz aus China haben die Verwundbarkeit Europas offengelegt. Die EU plant nun eine schärfere Handelspolitik gegenüber China, um Abhängigkeiten bei kritischen Rohstoffen zu reduzieren und subventionierten Importen entgegenzutreten.
Für europäische Unternehmen bedeutet das: umfassende Lieferketten‑Prüfungen und modernisierte Compliance‑Programme. Der Faktor Versorgungssicherheit gewinnt gegenüber reiner Kosteneffizienz massiv an Bedeutung. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Erwartungen weltweit, angetrieben durch erweiterte Sanktionsregime und strengere Exportkontrollen für Hochtechnologie.
Mittelstand stemmt steigende Compliance-Lasten
Die neue Strategie führt zu spürbar höheren Anforderungen, besonders für den Mittelstand. Die regulatorische Dichte nimmt in mehreren Wellen zu. Ab August 2026 gelten die umfassenden Pflichten des KI-Gesetzes (AI Act). Studien deuten auf erhebliche Zusatzkosten für hochriskante KI-Systeme hin – verursacht durch aufwendige Dokumentations- und Governance-Strukturen. Für viele Betriebe könnten jährliche Mehraufwendungen im mittleren fünfstelligen Euro-Bereich entstehen.
Parallel erhöht der Digital Operational Resilience Act (DORA) die Anforderungen an die digitale Widerstandsfähigkeit im Finanzsektor. Die BaFin bereitet Unternehmen bereits mit Workshops auf aktualisierte Meldepflichten zu IKT‑Dienstleistern im März vor. Diese Entwicklungen zeigen: Die strategische Neuausrichtung kommt nicht allein, sondern mit einer Flut komplexer Vorschriften, die tief in Unternehmensprozesse eingreifen.
Balanceakt zwischen Schutz und Offenheit
Doch die „Made with Europe“-Strategie ist ein Drahtseilakt. Einerseits soll sie strategische Industrien schützen, andererseits dürfen globale Märkte nicht aus den Augen verloren werden. Der ZVEI betont, der Zugang zu Absatzmärkten in den USA und China müsse gewahrt bleiben. Sogenannte Local-Content-Regeln sollten nur Ausnahmeinstrumente bleiben, keine Dauerlösung.
Die neue Doktrin markiert einen Wendepunkt: weg von reiner Liberalisierung, hin zu einer „offenen strategischen Autonomie“. Die EU setzt weiter auf Freihandel – das kürzlich vereinbarte Abkommen mit Indien beweist das –, schärft aber gleichzeitig ihre Instrumente zur Absicherung der wirtschaftlichen Souveränität. Für Unternehmen wird das Spielfeld komplexer: Neben klassischen Handelsregeln zählen nun geopolitische und sicherheitspolitische Erwägungen.
Compliance wird zum strategischen Erfolgsfaktor
Für 2026 und darüber hinaus wird eine Kernfähigkeit entscheidend sein: das Management komplexer, dynamischer Compliance-Anforderungen. Unternehmen müssen proaktiv in ihre Compliance-Strukturen investieren, Lieferketten auf Resilienz prüfen und die politische Debatte in Brüssel genau verfolgen.
Die „Made with Europe“-Strategie wird künftige Handelsabkommen ebenso prägen wie EU‑Vorschriften zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Die Unternehmen, die diese neuen Anforderungen nicht als Belastung, sondern als Chance zur Stärkung der eigenen Marktposition begreifen, werden in der neuen Ära der europäischen Handelspolitik bestehen. Die Anpassung ist keine Option mehr – sie ist zur strategischen Notwendigkeit geworden.
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