Lufthansa Aktie: 7 Milliarden Euro für Chinook-Wartung
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 04:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Lufthansa Group hat im Rahmen der Farnborough International Airshow weitreichende Kooperationen im Wartungsbereich sowie eine grundlegende Umgestaltung ihrer IT-Struktur bekannt gegeben. Während die Konzerntochter Lufthansa Technik langfristige Service-Verträge mit Partnern wie Safran und Boeing sicherte, treibt der Konzern im Rahmen seines „One Group“-Umbaus die Konsolidierung seiner digitalen Infrastruktur voran. Ziel ist eine deutliche Effizienzsteigerung der internen Prozesse.
Strategische Partnerschaften in der Instandhaltung
Lufthansa Technik und Safran Landing Systems unterzeichneten am 23. Juli 2026 ein zehnjähriges Support- und Service-Abkommen. Die Vereinbarung umfasst die Wartung von Fahrwerken und Hydraulikausrüstung für die Airbus-Modelle A320, A330, A340 und A350. Safran wird dabei als Erstausrüster (OEM) Ersatzteile, technisches Fachwissen und Wartungsdokumentationen bereitstellen. Der Vertrag stärkt insbesondere den Ausbau der MRO-Kapazitäten (Maintenance, Repair and Overhaul) für den Airbus A350 in London sowie die Unterstützung älterer Flugzeugtypen am Standort Hamburg.
Parallel dazu einigte sich Lufthansa Technik mit Unison, einer Tochtergesellschaft von GE Aerospace, auf eine 15-jährige Zusammenarbeit. Das Unternehmen fungiert künftig als exklusiver autorisierter Partner in Europa für die Wartung von Zündsystemen der CFM Leap-Triebwerksserie. Die Arbeiten werden ebenfalls in Hamburg durchgeführt, wobei Unison Originalteile und technische Daten liefert.
Im militärischen Bereich festigte Lufthansa Technik Defense die Zusammenarbeit mit Boeing zur Instandhaltung der künftigen deutschen Chinook-Flotte. Eine entsprechende Rahmenvereinbarung regelt die Logistik und Ersatzteilversorgung für die 60 bestellten Hubschrauber vom Typ CH-47F Block II. Das Projekt, das ein Gesamtvolumen von rund 7 Milliarden Euro umfasst, sieht Auslieferungen zwischen Oktober 2027 und 2032 vor. Damit nimmt Lufthansa Technik erstmals Drehflügler in ihr MRO-Portfolio auf.
Konsolidierung der IT-Struktur und Ergebnisziele
Unter dem Projektnamen „One IT“ hat der Konzern zum 1. Juli 2026 die Lufthansa Group IO (LHG IO) als eigenständige Gesellschaft gestartet. Laut IT-Vorständin Grazia Vittadini soll diese Neuausrichtung die bisher verzweigte IT-Landschaft konsolidieren. Finanzchef Till Streichert strebt für die neue Einheit eine bereinigte Ergebnismarge von 8 bis 10 Prozent an. Zunächst bündelt die LHG IO die Dienstleistungen der Tochtergesellschaften Lufthansa Systems und Lufthansa Industry Solutions, um das technologische Wissen innerhalb der Gruppe besser nutzbar zu machen.
Diese strukturellen Maßnahmen fallen in ein Marktumfeld, das laut dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) von einem schwachen Wachstum geprägt ist. Für das zweite Halbjahr 2026 wird an deutschen Flughäfen lediglich ein Zuwachs des Sitzplatzangebots um ein Prozent auf 137,5 Millionen Plätze erwartet. Als Gründe nennt der Verband hohe Standortkosten und Kerosinpreise. An der Börse schloss die Lufthansa-Aktie am Donnerstag bei 8,51 € mit einem Tagesverlust von 3,54 %. Damit notiert der Wert aktuell 17,18 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 10,27 €.
Neue Gebührenmodelle und Publikumsangebote
Abseits der Großverträge führt die Lufthansa Group am 23. Juli 2026 neue kostenpflichtige Sitzplatzoptionen auf europäischen Kurz- und Mittelstrecken ein. Passagiere der Business Class zahlen künftig für Plätze in der ersten Reihe eine Gebühr von 36 Euro, während in der Economy Class für Plätze im hinteren Kabinenbereich 16 Euro fällig werden. Das Modell wird bei den Konzerngesellschaften Lufthansa, Austrian, Brussels, Swiss sowie Air Dolomiti und Lufthansa City Airlines umgesetzt, wobei bestimmte Vielfliegerstatus von den Gebühren ausgenommen bleiben.
Für die Öffentlichkeit öffnet der Konzern zudem am 1. August 2026 das neue Besucherzentrum „Hangar One“ am Frankfurter Flughafen. Dort werden historische Flugzeuge wie die Junkers Ju 52 und die Lockheed Super Star ausgestellt. Neben der musealen Nutzung umfasst das Gebäude sieben Konferenzräume, die auch extern angemietet werden können. Ab dem Jahr 2027 soll zudem die Bordbar der Super Star für Veranstaltungen buchbar sein.
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